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Bauhaus-Restaurator : Liebhaber robuster alter Lampen

Ingo Laube und seine Lampen-Sammlung. Bild: Marcus Kaufhold

Industriedesign der zwanziger und dreißiger Jahre ist Ingo Laubes Leidenschaft. In seiner Werkstatt in Offenbach restauriert er viele Leuchten der Bauhaus-Ära.

          Ingo Laube wohnt zwar in Frankfurt, seine Schätze hortet er aber im Offenbacher Nordend. Das hat mehrere Gründe: Vor allem sind in ehemaligen Fabrikgebäuden und alten Garagenanlagen der Nachbarstadt noch Räume zu erschwinglichen Preisen zu bekommen, die sich als Schatzkammern für Laubes Preziosen eignen. Außerdem gibt es im Rhein-Main-Gebiet keine Stadt, die besser zu seiner Leidenschaft passt als die alte Industriestadt: Der gelernte Elektrotechniker sammelt und restauriert historische Fabrik- und Bürolampen der Bauhaus-Ära, also vor allem der zwanziger und dreißiger Jahre, und verkauft sie in alle Welt. Dies und der Bau rustikaler Möbel sowie das Restaurieren alter Fenster ernährt ihn inzwischen.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          An der Bettinastraße in Offenbach hat er in einem Industriebau im Atelier B71 einen Ausstellungsraum. Darin finden sich verschiedene Modelle der von der Firma Kaiser produzierten Büroleuchten der Marke Idell. Es sind Entwürfe des 1893 in Offenbach geborenen und 1974 in Wiesbaden gestorbenen Christian Dell, der unter anderem Lehrer für Industriedesign und Meister am Weimarer Bauhaus war. In den zwanziger Jahren leitete Dell die Metallwerkstatt der Frankfurter Kunstschule – der Städelschule. In dieser Zeit entwarf er auch Leuchten für das Städtebauprogramm Neues Frankfurt.

          Laube kann zu Dells wie zu vielen anderen Stücken seiner Sammlung reichlich Hintergründe erzählen. Akribisch hat er Firmenarchive durchforstet und ein Stück Industriegeschichte recherchiert, von alten Firmenzeichen bis zu Biographien der Gründer und der Designer.

          Auf der Höhe des Digitalzeitalters

          Laubes Herz schlägt zwar für historische Stücke, die er mit Begeisterung vom Schmutz und Rost der vergangenen 80 bis 90 Jahre befreit und sie mit neuen Fassungen und Kabeln wieder zum Leuchten bringt. Was die Vermarktung angeht, ist er allerdings auf der Höhe des Digitalzeitalters – abgesehen von der klassischen Mundpropaganda vielleicht: Seine Lampen vertreibt er vor allem über Instagram. „Da geht der Verkauf viel einfacher als mit einer eigenen Internetseite. Die müsste ich ja ununterbrochen pflegen“, sagt Laube. So aber könnten die Interessenten sofort sehen, was er an neuen Lampen anzubieten habe, und gleich mit ihm via Handy in Kontakt treten. Der Einkauf läuft ebenso längst über das Internet, aber das Suchen auf Antikmärkten gehört für Laube auch immer noch dazu.

          Ingo Laube restauriert Industriemöbel aus der Bauhaus-Zeit und schafft aus Überresten neues Kunsthandwerk.

          Vor allem einzelne Bauteile könne man auf diese Weise noch mit etwas Glück günstig auftreiben, weil es schlicht nicht viele Leute gebe, die gleich erkennen könnten, was sie da gerade in Händen hielten. Schon als Kind, sagt er, habe er leidenschaftlich Dinge gesammelt, wohl beeinflusst von zwei seiner Onkel, von denen einer Antiquitätensammler war, der andere Restaurator.

          Im Sommer und im Winter

          Ein paar Straßen von seinem Offenbacher Leuchten-Kabinett entfernt hat Laube seine Werkstatt in einer urigen alten Großgarage eingerichtet. Hier schraubt und poliert er. Die Vorräte an seltenen Schönheiten des Industrie-Designs scheinen auf den ersten Blick fast unerschöpflich: mit Flugrost bedeckte Blechstühle, von etlichen Jahrzehnten robusten Umgangs gezeichnete Kleiderspinde der Fabrikarbeiter und alle möglichen sonstigen Schätze. Immerhin kann er die Werkstatt auch im Winter nutzen. Die Garage ist zu heizen, natürlich nicht mit einer gewöhnlichen Heizquelle, sondern mit einem Werkstattofen, der gut eine Requisite aus dem Film Metropolis sein könnte.

          Eine Goethe Schreibtischlampe und Telefon aus der Zeit des Bauhauses.

          Wenn Laube nicht an Lampen der Bauhauszeit bürstet, poliert und schraubt, baut er aus alten, schweren gusseisernen Maschinenunterbauten und massiven Holzplatten Tische nach Maß. Damit – und mit den passenden Lampen – richtet er auch ganze Büros, Läden und Lokale ein.

          Eine Tischlampe entworfen von Karl Trabert.

          Bleiben beim Abriss einer Industriehalle die stählernen alten, in kleine Scheibenquadrate unterteilten Fabrikfenster übrig, setzt er sie gerne auf massive Rollen und baut daraus Raumteiler. Sind die Fenster noch in historischen Fabrikgebäuden verbaut, restauriert er sie zusammen mit seinem Partner auf Wunsch und stattet sie mit Mehrfachverglasung aus, der dritte Zweig seines Geschäfts.

          Wenn dann noch Zeit ist, kann er in eine weitere Garage neben seiner Werkstatt wechseln. Sie steht voller alter Motorräder und Fahrräder. Auch die will Laube irgendwann restaurieren, aber immer nur so weit, dass sie gut funktionieren. Die Patina der Zeit soll nie verschwinden.

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