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Lichtverschmutzung : Wo Hessen leuchtet

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Erhellend: Über Frankfurt strahlt sich nachts ein Lichtkegel. Damit ist Frankfurt wahrscheinlich die hellste Stadt Hessens. Bild: Schmitt, Felix

Jetzt ist es amtlich: Die Rhön ist Hessens dunkelster Ort. Der Frankfurter Flughafen ist vermutlich der hellste Fleck im Land. Experten warnen vor den Folgen der sogenannten Lichtverschmutzung.

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          In der Rhön ist es nachts ziemlich finster - und das ist gut so, findet „Sternenpark“-Initiatorin Sabine Frank. Am Frankfurter Flughafen ist es nachts ziemlich hell - Markus Kröger, der Chefbeleuchter des Airports, findet das unerlässlich. Der einen kann der Himmel über Hessen nicht schwarz genug, dem anderen nicht hell genug sein.

          „Lichtverschmutzung“ nennt man den Effekt, dass der Himmel in Industrieländern eigentlich nie richtig dunkel ist. Straßenlaternen, die Beleuchtung von Fabrikanlagen, Autos, Leuchtreklame, Flutlichtanlagen - sie alle schicken Licht in die Atmosphäre, wo es von Staubpartikeln und Nebeltröpfchen reflektiert wird. Einem Fachartikel im Magazin „Ecology and Society“ zufolge wächst die Lichtverschmutzung in Deutschland jährlich um sechs Prozent.

          „Lichtmasterplan“ für Großstädte

          Das ruft vor allem Umweltschützer auf den Plan. Immerhelle Umgebung, sagen sie, irritiert das Wachstum von Pflanzen, beeinträchtigt die Orientierung von Zugvögeln, lockt Insekten in die Falle. Angeblich sterben jede Nacht an den knapp sieben Millionen Straßenlaternen Deutschlands mehr als eine Milliarde Insekten.

          Schon eine mittelgroße Stadt mit 30.000 Einwohnern erzeugt eine Lichtglocke von 25 Kilometern Durchmesser, hat Andreas Hänel von der „Initiative gegen Lichtverschmutzung“ ausgerechnet. Der Osnabrücker Astronom ist der Ansicht, dass Städte Licht verschwenden. „Viele Straßenbeleuchtungen sind ineffizient. Da wird überall hingestrahlt, nur nicht auf die Straße.“ In Wohngebieten könnte man nachts das Licht ganz abschalten; Großstädte sollten einen „Lichtmasterplan“ haben, um die richtigen Akzente zu setzen.

          „Der Herr der 34.000 Leuchten“

          Besser als die im öffentlichen Raum noch immer vorherrschenden Leuchten seien LEDs. Damit lasse sich das Licht besser lenken, die Technik sei zudem effizienter und günstiger. Aber dadurch besteht auch die Gefahr, dass die Städte in ein „Licht-Wettrüsten“ verfallen, sagt Hänel. „Die aller schlimmsten Lichtverschmutzer sind Bodenstrahler, die Fassaden beleuchten.“

          Frankfurt hat gute Chancen, die hellste Stadt des Landes zu sein. Am Flughafen ist Markus Kröger „der Herr über 34.000 Leuchten“, wie Airportbetreiber Fraport seinen Chefbeleuchter nennt. Kürzlich hat er sich von einem Spezialunternehmen in Egelsbach Hochleistungs-Strahler für die 36 Meter hohen Beleuchtungsmasten auf dem Vorfeld maßschneidern lassen. Sie sind vor allem deswegen so hell, weil sie mit LED-Technik arbeiten und gegen Parabolspiegel strahlen.

          Rhön als Sternenpark anerkannt

          Sabine Frank kämpft seit Jahren dafür, dass es in der Rhön so dunkel bleibt wie möglich. Dafür wurde das Biosphärenreservat nun zum zweiten Sternenpark Deutschlands erklärt. Ende Mai hatte die 43 Jahre alte Projektkoordinatorin mit ihrem Team den Antrag bei der International Dark Sky Association eingereicht. „Die natürliche Nachtlandschaft“ soll zum einen Touristen in die Rhön locken, etwa Sternengucker und Fotografen. Zum anderen soll sie geschützten Tieren wie Fledermäusen helfen.

          Eine der Voraussetzungen für den Titel „Sternenpark“: 80 Prozent der Kommunen müssen eine Beleuchtungsrichtlinie verabschieden, die den Lichtausstoß drosselt. „Wir sind in fünf Landkreisen von drei Bundesländern durch die Dörfer gelaufen und haben Lampen gezählt“, berichtet Frank. Danach hat sie sich, Gemeinde für Gemeinde, die Kommunalpolitiker vorgeknöpft - bis sie schließlich ihr Ziel erreicht hat.

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