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Förderkreis aus Seligenstadt : „Lichtblick“ schafft neue Jobs für Behinderte

Der Anfang: Im Klostercafé in Seligenstadt bedienen gehandicapte Servicekräfte von „Lichtblick“ die Gäste. Bild: Rainer Wohlfahrt

1995 haben Eltern sich gesagt, ihre behinderten Kinder können mehr, als nur betreut zu werden. Daraus ist eine Firma entstanden, die mehr als 50 Beschäftigte zählt und wächst.

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          Gehandikapt, oft mehrfachbehindert und trotzdem einen Job im regulären Arbeitsmarkt. Geht nicht? Geht doch. Der 1995 gegründete Förderkreis „Lichtblick“ aus Seligenstadt zeigt mit seiner Beschäftigungs GmbH, wie: Es begann mit dem Klostercafé im Landesmuseum in Seligenstadt. Kurz darauf stieg die Gesellschaft ins Geschäft mit dem Prägen von Schildern ein, 2011 kam das Hotel Elysee hinzu. Und dort setzt das neue Projekt von „Lichtblick“ an: Das Hotel wird vergrößert, um das neue Geschäftsfeld Catering, Tagungen und Feiern aufzunehmen. Zu diesem Zweck sollen in einem neu zu bauenden Trakt des Hotels ein 50 Quadratmeter großer Tagungsraum und acht Zimmer entstehen, wie Lara Welzbacher gestern erläuterte, sie leitet das Hotel und ist stellvertretende Geschäftsführerin der „Lichtblick“-Beschäftigungsgesellschaft.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Das neue „Lichtblick“-Events genannte Geschäftsfeld wird Roberto Gärtner verantworten, der die Hotelküche führt und zusammen mit seinen Helfern schon heute das Catering für Feiern mit bis zu 250 Gästen stemmt. Für den neuen Geschäftszweig muss auch die funktionale Hotelküche wachsen, die an Fläche kaum größer ist als eine gewöhnliche Küche mittleren Formats.

          52 Arbeitsplätze

          Gärtner will vor allem den Trend zum sogenannten Flying Buffet bedienen, bei dem kleine Portionen verschiedenster Gerichte in Gläsern gereicht werden. Diesen Trend will der Küchenchef verknüpfen mit dem Wunsch vieler Kunden, nur noch nachhaltig erzeugte Lebensmittel zu sich zu nehmen. Dafür braucht es fünf neue Stellen für Mitarbeiter mit Handikap, die je nach Belastbarkeit jeweils zwischen 20 und 25 Stunden in der Woche arbeiten, und außerdem noch zwei Vollzeitstellen speziell für die Sparte „Event“.

          Die behinderten Beschäftigten verdienen zum Einstieg den Mindestlohn, die anderen Mitarbeiter werden nach Qualifikation bezahlt. Inzwischen bietet die „Lichtblick“-Beschäftigungsgesellschaft 52 Frauen und Männern einen Arbeitsplatz, zwei Drittel von ihnen haben eine Behinderung von mehr als 50 Prozent. Sie sind als Service-Kräfte eingesetzt, als Zimmermädchen, Hausmeister, in der Schilderprägerei und in der Küche. Dort gibt es deshalb auch weder offenes Feuer noch eine Friteuse, weil die Gefahr schwerer Verletzungen zu groß wäre. Zubereitet werden die zu gut 90 Prozent frischen Waren auf Induktionsherden, die erst in Verbindung mit dem Kochgeschirr Hitze entwickeln, was die Verletzungsgefahr zusätzlich reduziert, wie Heiko Mark, Geschäftsführer der Beschäftigungsgesellschaft, berichtet.

          Fördergelder helfen bei der Finanzierung

          Die Investitionen haben ein Volumen von 1,2 Millionen Euro. Das Projekt wird abermals von der Aktion Mensch unterstützt, die schon beim Kauf des Hotels vor acht Jahren mit 238.000 Euro geholfen hatte. Auch der Landeswohlfahrtsverband hat seine Unterstützung zugesagt. Das freut die „Lichtblick“-Leute grundsätzlich sehr. Allerdings berichtet Geschäftsführer Mark, dass die Fördergelder des Landeswohlfahrtsverbands zum Teil erst zwei Jahre und noch später nach Fälligkeit der entsprechenden Zahlungen überwiesen worden seien, was den Verein schon in Bedrängnis gebracht habe.

          Ungeachtet der praktischen Hindernisse, die es immer wieder zu meistern gilt, ist der Förderverein sicher, mit der Expansion auf dem richtigen Weg zu sein, wie Mark erläutert. Dies schon deshalb, weil die Nachfrage nach solchen Stellen für Menschen mit Behinderung in einem regulären Betrieb enorm groß sei und die Fluktuation besonders gering.

          Vorsitzende des Fördervereins ist Johanna Wurzel, deren Tochter bei „Lichtblick“ im Service arbeitet. Sie hat den Verein mitgegründet und schon fest das nächste Jahr im Blick, in dem der Verein 25 Jahre alt wird. Wenn die Hotel-Erweiterung wie geplant vorankommt, kann im Jubiläumsjahr auch das neue Geschäftsfeld „Lichtblick Events“ seinen Betrieb aufnehmen.

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