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Letzter Investor sagt ab : Neckermann stellt Betrieb ein

Lange Zeit zeigte die Uhr über dem geschlossenen Fabrikverkauf in Frankfurt 5 vor 12 an - mittlerweile ist es 5 nach 12 Bild: dpa

Mit Ablauf dieses Monats verschwindet der Frankfurter Versandhändler Neckermann vom Markt. Die meisten Mitarbeiter sind mittlerweile freigestellt, der Abverkauf läuft.

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          Mit Ablauf dieses Monats verschwindet der Frankfurter Versandhändler Neckermann.de GmbH nach gut 62 Jahren vom Markt. Wie die vorläufigen Insolvenzverwalter und das Unternehmen am Nachmittag mitteilten, hat der letzte mögliche Investor eine Übernahme des insolventen Traditionshauses abgelehnt. Als Gründe führte Neckermann den Zeitdruck in den Verhandlungen mit den Insolvenzverwaltern Michael Frege und Joachim Kühne sowie die am Mittwoch eingeleitete Abwicklung des Unternehmens und kartellrechtliche Fragen an. Der finanzielle Aufwand wäre aus Sicht des Investors zu hoch. Die Geschäftsleitung müsse den Betrieb folglich schließen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Mittwoch hatte Neckermann aus insolvenzrechtlichen Gründen schon die eigene Abwicklung beschlossen, obwohl die Gespräche mit dem Investor zu dieser Zeit noch liefen. Auch gestern gingen die Verhandlungen zunächst weiter, wie ein Sprecher der Insolvenzverwalter sagte. Gleichwohl hatte sich schon zu dieser Zeit Resignation unter den Arbeitnehmervertretern breit gemacht. „Das Ding ist gelaufen“, urteilte Wolfgang Thurner, Sekretär der Gewerkschaft Verdi.

          Nur Abwicklungsteam bleibt

          Wie er weiter sagte, hat Neckermann schon die meisten der 1900 Mitarbeiter in Frankfurt freigestellt. Allein eine Gruppe von gut 150 Beschäftigten, die das Unternehmen abwickeln soll, bleibt demnach von Montag an in der alten Zentrale im Stadtteil Fechenheim. Die Insolvenzverwalter hatten mit gut 200Interessenten verhandelt.

          Derweil sucht der Eigentümer der vom Versender genutzten Immobilien, das britische Unternehmen Segro, neue Mieter für frei werdende Flächen. Zu den Aussichten wollte sich eine Firmensprecherin in London nicht äußern.

          Bis zum Wochenende läuft noch der Abverkauf, für den Neckermann auf seiner Internetseite mit hohen Rabatten von bis zu 70Prozent wirbt. Wer sich durch die Angebote klickt, stößt jedoch vielfach auf längst ausverkaufte Ware.

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