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Zwischen Ost und West : Goethepreis für Dževad Karahasan

Brückenbauer zwischen Ost und West: Dževad Karahasan bei der feierlichen Verleihung des Goethepreises in der Frankfurter Paulskirche Bild: Wonge Bergmann

Frankfurts Oberbürgermeister bezeichnet ihn als „großen europäischen Brückenbauer“ und sein „großer Lehrer“ war Goethe. Der bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan ist mit dem Goethepreis ausgezeichnet worden.

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          Die Paulskirche war nur spärlich gefüllt, als am Freitagnachmittag unter Corona-Bedingungen der Goethepreis der Stadt Frankfurt an den bosnischen Schriftsteller Dževad Karahasan verliehen wurde. Nicht einmal die markierten Sitze, die etwa ein Viertel aller Plätze ausmachten, waren besetzt. Dabei lohnte sich die Veranstaltung allein schon wegen der Dankesrede, die der Geehrte auf Deutsch vortrug. Darin sprach er von der Wirkung, die eine bestimmte Szene aus „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ auf ihn ausgeübt hat.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          So gelehrt wie emotional, so poetisch wie lebensnah sprach er von seinem „großen Lehrer“ Goethe. „Alles Wesentliche, was ich über das Leben weiß, habe ich durch das Lesen gelernt. Das Leben lehrt uns nur noch die Literatur.“ Während die Schule, die Eltern, nahestehende Menschen, die ganze Gesellschaft „uns alle zum Funktionieren erziehen und uns zu Spezialisten machen“. Aber das Leben, sagte Karahasan pointiert, möge Spezialisten nicht.

          Zuvor hatte der Autor Ingo Schulze die Laudatio auf den Ausgezeichneten gehalten. Er ging auf dessen Erfahrungen während des Bosnienkriegs ein und erläuterte, wie er diese literarisch verarbeitete. Schulze zitierte unter anderem aus einem Essay Karahasans, in dem dieser den Bosnienkrieg als Ende des aufgeklärten 20. Jahrhunderts und Beginn einer neuen Gegenaufklärung bezeichnete. Im Geist des Goetheschen Universalismus beschwört der 1953 in Duvno im damaligen Jugoslawien geborene Romancier, Dramatiker und Literaturtheoretiker dagegen das Verbindende von Menschen, Kulturen und Religionen. So heißt es zur Begründung der Vergabe des mit 50.000 Euro dotierten Preises an Karahasan, den Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) überreichte: „Die Stadt Frankfurt ehrt einen großen europäischen Brückenbauer, der sich der Vermittlung zwischen Ost und West, zwischen Islam und Christentum verschrieben hat.

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