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Rock-’n’-Roll-Traum : Herr Naegele sucht das Glück

Jetzt geht`s los: Markus Naegele (zweiter von rechts) und seine Band Fuck Yeah! stimmen sich auf Frankfurt ein. Bild: Oktober Promotion

Mit seiner Band Fuck Yeah! lebt ein erfolgreicher Verlagsmanager von 51 Jahren seinen Rock-’n’-Roll-Traum. Mittlerweile hat die Band um Markus Naegele zwei Alben herausgebracht.

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          „Ich kenne kein größeres Gefühl von Glück wie in einer Band, die einen von mir geschriebenen Song spielt und alles passt!“. So schwärmt nicht etwa ein junger Mensch von zwanzig Jahren, sondern ein 51 Jahre altes gestandenes Mannsbild, wie man in München sagen würde. Dort ist Markus Naegele in seinem Alltag ein erfolgreicher Verlagsmanager, beim zum Random-House-Konzern gehörenden Heyne Verlag ist er verantwortlich für den Programmbereich Heyne Core, in dem Autoren wie Hunter S. Thompson, James Lee Burke und John Niven erscheinen.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine Begegnung mit diesem John Niven im Jahr 2008 soll denn auch ursächlich für Naegeles heutige Schwärmerei vom Dasein in einer Rockband sein. Damals begleitete er den schottischen Schriftsteller auf einer Lesereise anlässlich Nivens erstem in Deutschland veröffentlichten Buch. „Kill Your Friends“ war dessen Titel, eine sarkastische Abrechnung mit der Musikindustrie, für die Niven einige Jahre lang tätig war. Ebenso wie Naegele übrigens, der vor seinem Studium in Wiesbaden und seiner Tätigkeit als Lektor eine kaufmännische Ausbildung beim damals noch in Frankfurt ansässigen Schallplattenlabel CBS absolviert hatte.

          Dem Traum so nah

          Autor und Lektor konnten sich also einiges erzählen, unter anderem auch, dass sie beide ja früher in Bands gespielt hätten, bis Beruf und Kinder alle Aufmerksamkeit erforderten. Aber vielleicht könnte man ja bei der nächsten Lesereise einmal gemeinsam musizieren? So der Plan und für Naegele Grund genug, die alte Gitarre aus dem Koffer zu nehmen und wieder zu schrammeln. Wie Naegele im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt, hat er da auch gleich angefangen, eigene Songs zu schreiben. Dabei konnte er auf manch einen alten Entwurf zurückgreifen. Den Rock’n’Roll-Traum träumt er nämlich schon lange und ist ihm manchmal sogar nah gewesen, damals, in Frankfurt.

          In den frühen neunziger Jahren kann man im Rhein-Main-Gebiet bei Konzerten amerikanischer Indie-Rock-Bands immer mal wieder eine Vorgruppe aus Frankfurt erleben, die den Namen Happy Hunting Ground trägt und im Stile der zu jener Zeit populären Post-Hardcore- und Prä-Grunge-Gruppen lärmt. Auch Markus Naegele und sein Bruder wüten bei Happy Hunting Ground, nehmen Demos auf, kassieren Absagen, vermasseln den wichtigsten Auftritt vor eigentlich interessierten Labelchefs, streiten sich, lösen sich auf.

          Umfassende Liebe zur Rockmusik

          Naegele versucht sich noch in einigen anderen Bands, vor allem will er aber seine umfassende Liebe zur Rockmusik in eine berufliche Beschäftigung einfließen lassen. Er schreibt über Musik, gründet das Fanzine „Superstar“, veranstaltet Konzerte, sendet bei Radio X, will also in der Stadt was reißen, die sich aber wie so oft spröde zeigt, wenn es um Indie-Rock geht.

          Stattdessen wird Naegele Vater und findet einen Verlagsjob in München. Die Musik ist da zwar nicht fern, lektoriert doch Naegele etliche britische und amerikanische Autoren, die Sex, Drugs and Rock’n’Roll thematisieren, doch dauert es tatsächlich bis zur Begegnung mit John Niven, bis es ihn wieder packt. Im Keller des Verlagsarchivs findet sich eine Ecke, wo er mit Kollegen Krach machen kann. Es wird geprobt, an seinen Songs gefeilt, sogar konzertiert, doch bildet sich nie eine feste Band, weil immer einer aus familiären oder beruflichen Gründen aufhören muss.

          Dann geht es schnell

          „Doch dann ging es plötzlich wie von selbst“, erinnert sich Naegele an einen Abend in einem Münchner Club, in dem er im Zuge einer regelmäßigen Lese-Veranstaltung Platten auflegt. Dort kommt der Autor Rainer „Gussie“ Germann auf ihn zu, um ihn für seine Musikauswahl zu loben. Passenderweise ist Germann auch Bassist und verfügbar, weil er kurz davor die Band seines Sohnes, Blues-Wunderkind Jesper Munk, verlassen hat. Der junge Gitarrist Kevin Ippisch, der bei der Lesung mit seiner Band hätte musizieren sollen, ist gleichfalls plötzlich ohne Band und auch der früher bei den Moulinettes beschäftige Schlagzeuger Michael Metzger hat Zeit für eine Session, bei der es im Jahr 2015 so funkt, dass Naegele schon drei Wochen später mit seiner Band mit dem vielsagenden Namen Fuck Yeah! ein erstes Konzert spielen und wenige Monate später eine EP aufnehmen kann.

          Mittlerweile hat die Band zwei Alben herausgebracht. Das zweite, „Funny Farm“, ist eben erschienen und steht im Mittelpunkt einer kleinen Tour, die das Quartett stilgerecht im vollgestopften Bandfahrzeug mit Schlafsack und Isomatte absolvieren will. Für den Rock’n’Roll-Traum und die Suche nach dem Glück ist es nie zu spät.

          Fuck Yeah! spielen heute Abend im Tiefengrund in Frankfurt, Friedberger Landstr. 116.

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