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Leichtathleten aus aller Welt : Die Auslandstrainerschule

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Sport verbindet: Internationale Mainzer Leichtathletikfamilie. Bild: Kaufhold, Marcus

In den vergangenen 35 Jahren sind Athleten aus fast 100 Ländern nach Mainz gekommen, um das Trainerdiplom zu machen. Der derzeitige Jahrgang steht kurz vor dem Abschluss. Absolventen erzählen von ihren Zukunftsplänen.

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          „Grundlagen der Leichtathletik“ lautet die letzte Hürde für die Teilnehmer der Mainzer Auslandstrainerschule. Bestehen die zwölf angehenden Trainer auch diese mündliche Prüfung, dürfen sie sich „Spezialtrainer für Leichtathletik“ nennen. Werner Steinmann ist sich sicher, dass es alle schaffen werden. „Es war ein sehr leistungsstarker Kurs“, sagt der Leiter der Trainerschule.

          Für die Athleten endet damit eine vierzehnmonatige Ausbildung, die viele erstmals nach Europa und Deutschland führte. Aus Kambodscha, Burkina Faso oder Brasilien waren vier Frauen und acht Männer im Sommer 2012 nach Mainz gekommen. Insgesamt elf verschiedene Nationen waren im Kurs vertreten. In 35 Jahren Auslandstrainerschule haben schon fast 100 verschiedene Länder Athleten nach Mainz geschickt, um dort das Trainerdiplom zu machen. „Viele haben feste Vorstellungen von Deutschland, wenn sie anreisen“, sagt Steinmann, der die Trainerschule seit 1995 leitet. „Jetzt können sie ihr eigenes, oft positiveres Bild zeichnen, wenn sie zurückkehren.“

          Algerier holt bestes Ergebnis seit 35 Jahren

          Karim Ould Ahmed, als Algerier einer von sieben Teilnehmern aus Afrika, hat gute Chancen, Geschichte zu schreiben. Wahrscheinlich wird der Nordafrikaner das beste Ergebnis in 35 Jahren Trainerschule erzielen. „Er hat das Niveau eines Mainzer Sportstudenten“, sagt Steinmann. Wie schnell sich der Algerier, der vorher kein Wort Deutsch verstand, an die Sprache gewöhnte, überrascht auch ihn. Kein Wunder, dass Ould Ahmed sich vor Angeboten kaum retten kann. Zurück in seiner Heimat, soll er Trainer des algerischen Leichtathletik-Nationalteams werden. „Wenn ich die Stelle antrete, will ich vor allem dafür sorgen, dass Algerien nicht nur gute Langstreckenläufer hat, sondern bei Wettkämpfen in allen Disziplinen vertreten ist“, sagt er.

          Als Trainer in Deutschland zu bleiben, kommt für ihn nicht nur wegen seiner in Algerien wartenden Familie nicht in Frage. „Die Zeit in Deutschland war eine Phase in unserem Leben. Es war aber von Anfang an klar, dass wir hier die Ausbildung machen und dann in unsere Heimat zurückkehren“, sagt Ould Ahmed. Seine Kollegen in der Trainerschule sehen das ähnlich. „Deutschland braucht uns nicht, aber unsere Länder brauchen unsere Erfahrung“, sagt der Ägypter Mohsen Youssef Elzahar. „Wir kommen aus Entwicklungsländern. Deutschland ist doch schon die Nummer eins“, sagt Luis Leite Barboza aus Brasilien. Dass die Teilnehmer ihr neu erworbenes Wissen zurück in ihren Heimatländern vermitteln, sei das ausdrückliche Ziel des Auswärtigen Amts, das die Auslandstrainerschule finanziell fördert, sagt Werner Steinmann. „Trotzdem sind manche hier geblieben und Trainer geworden oder haben geheiratet.“

          Einer möchte deutsche Bücher übersetzen

          Für die Zeit nach der Ausbildung haben die zwölf Teilnehmer verschiedene Pläne. Mbaiti Mbaiortormada aus dem Tschad möchte Wurfmaterialien wie Speer oder Diskus nachbauen. „Mit ein bisschen Kreativität kann ich das machen, ich habe ja alles hier gesehen“, sagt er. Manika Tong aus Kambodscha hat sich vorgenommen, deutsche Leichtathletikbücher in Khmer, die Muttersprache seiner Landsleute, zu übersetzen. Er muss inzwischen nur noch sehr selten in einem Wörterbuch nachschauen, wenn er nach der richtigen Vokabel sucht. „Unser Deutschlehrer Thomas Bleicher ist wie ein Vater für uns gewesen“, sagt er. Vor allem die ersten vier Monate, in denen die Teilnehmer einen Deutsch-Intensivkurs machen, seien sehr anstrengend gewesen.

          Der Brasilianer Barboza möchte als einziger der Absolventen noch ein paar Jahre Spitzensport betreiben, bevor er Trainer wird. Beim Mainzer Halbmarathon hat er den dritten Platz belegt. Sein südamerikanischer Freund Marcos Rodriguez aus Argentinien hingegen will an der Universität bleiben und Dozent für Sportmedizin und Leichtathletik werden. „Wir haben viele verschiedene Ideen, aber der Leichtathletik erhalten bleiben wir auf jeden Fall irgendwie“, sagt Hamberi Makat aus Malaysia. „Aus elf verschiedenen Ländern ist im vergangenen Jahr eine große Familie geworden“, fasst er zusammen. „Ich hoffe, dass unsere Kontakte nicht komplett abbrechen und wir weiterhin zusammen an Lösungen arbeiten werden.“

          Werner Steinmann ist stolz auf die Leistungen der Leichtathleten. „Neben guten Leistungen in den Prüfungen war der Zusammenhalt ebenfalls sehr gut“, sagt er. Zwar hoffe er, dass alle Absolventen irgendwie dem Sport erhalten bleiben, doch die Auslandstrainerschule leiste auch andere Beiträge. „Viele haben hier zum ersten Mal gekocht, so was kannten die vorher gar nicht.“

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