https://www.faz.net/-gzg-9po06

Mangel an Arbeitskräften : Der andere Klimawandel

Unternehmen suchen händeringend nach Lehrlingen und Auszubildenden. Bild: dpa

Kein Hoffnung auf Besserung: Nach wie vor fehlen vielen Unternehmen die Nachwuchskräfte. Dabei gäbe es Lösungsansätze, kommentiert unser Autor.

          1 Min.

          Fachkräftemangel, Lehrlingsmangel, immer mehr unbesetzte Stellen – die Meldungen aus Unternehmen klingen inzwischen so vertraut, dass sie niemanden mehr bewegen. Doch es wäre ein Fehler, von der Permanenz eines Trends auf fehlende Dramatik zu schließen. Klimawandel-Aktivisten zitieren als Beleg die Parabel vom Frosch und dem Wassertopf, der die langsam steigende Temperatur hinnehme, bis es zu spät sei. Biologen dürften über den Wahrheitsgehalt der Geschichte die Nase rümpfen. Es geht aber um den Kern der Botschaft: Abwarten löst keine Probleme.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So ist es auch mit dem Nachwuchsmangel in der Wirtschaft. So viele offene Lehrstellen und so wenige interessierte Bewerber wie wohl noch nie hat die hessische Arbeitsagentur vermeldet. Für die Jugendlichen ist das prima, noch nie hatten sie so viel Auswahl. Für die Unternehmen und ihre Beschäftigten jedoch hat das dramatische Folgen. Aufträge können nicht abgearbeitet werden, Kunden wechseln womöglich zur ausländischen Konkurrenz, geringere Gewinne und Umsätze bremsen Innovationsfähigkeit und Wettbewerbskraft.

          Wie im Kampf gegen den Klimawandel haben Politik und Wirtschaft lange auf alte Rezepte gesetzt, die aber offensichtlich nicht wirken. Der wiederholte Appell an die angeblich uneinsichtigen Eltern, dass die Berufsausbildung doch viel besser sei als ein Studium, wird von denen wohl gehört. Aber sie kennen eben auch Studien, die belegen, dass Studierte im Schnitt 2000 Euro brutto mehr verdienen.

          Hier auf die Politik zu setzen wird nichts bringen, kein Regierender wird Jugendlichen vorschreiben können und wollen, welchen Beruf sie ergreifen. Und dass Parteien die Zuwanderung für Nachwuchskräfte deutlich erleichtern, ist angesichts des jetzigen Debattenklimas in Deutschland unwahrscheinlich.

          Es bleibt nur die ökonomische Antwort

          So bleibt der Wirtschaft nur, eine ökonomische Antwort zu finden. Zum Beispiel bei der Vergütung der Auszubildenden. Mit den jüngsten Tarifabschlüssen erhalten Lehrlinge tatsächlich oft stärkere Lohnerhöhungen als die Beschäftigten, wenn auch auf niedrigem Niveau, als dass es ein Umdenken auslösen könnte. Doch auch die mitunter abschreckenden Arbeitsbedingungen müsste manche Branche endlich angehen.

          Allerdings gilt beim Nachwuchsmangel wie auch bei der Klimaerwärmung: Umkehren lässt sich der Trend kurz- und mittelfristig wohl nicht mehr. Die Frage lautet derzeit nur noch, wie er gebremst werden kann.

          Weitere Themen

          Zinsentscheid mit einem Lächeln

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Topmeldungen

          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.
          Wenn als Kind Traumata erlebt werden, kann dies zu epigenetischen Veränderungen führen, die Depressionen hervorrufen.

          Wie viele Kinder leiden? : Die angeknackste Psyche der Jugend

          Warum sind in Deutschland doppelt so viele junge Menschen depressiv wie im Rest Europas? Eine große Studie legt das nahe. Doch die Statistik ist trügerisch, was nicht zuletzt auch an den Ärzten liegt.
          Das nächste „große Ding“? Auch IBM forscht im Bundesstaat New York an Quantencomputern.

          Bahnbrechende Technologie : Im Quantenfieber

          Unternehmen treiben die Quantentechnologie voran – nicht nur mit Computern, die Unglaubliches leisten. Thales aus Frankreich will Vorreiter sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.