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Ledermuseum Offenbach : Pelzigs Handdäschle hat es auch geschafft

Zeitreise durch die Welt der Mode: 500 Taschen aus verschiedenen Jahrhunderten warten im Ledermuseum Offenbach. Bild: DLM/Laura Brichta

Das Offenbacher Ledermuseum zeigt die Geschichte der Tasche. Die Ausstellung wurde nicht nur mit großer Sorgfalt, sondern auch mit Humor zusammengestellt.

          Die private Sammlung mancher Frau wird die Zahl der Exponate der neuen Studio-Ausstellung des Deutschen Ledermuseums in Offenbach zur Geschichte der Tasche womöglich um ein Vielfaches übertreffen. Aber unter den 40 aus dem Depot ans Tageslicht geholten Behältnissen sind besondere Kostbarkeiten, wie sie nirgendwo sonst zu sehen sind, wie etwa die mit Blattgold belegte Unterarmtasche aus den goldenen Zwanzigern. Und zudem sind die Exponate so ausgewählt, dass die Wandlung des Accessoires über die Jahrhunderte nachzuvollziehen ist, wie Museumsdirektorin Inez Florschütz verspricht.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Zum Auftakt lernt der Besucher des neuen Ausstellungsformats „Im Fokus“, dass die Tasche als schmückendes Accessoire nicht, wie man leichtfertig aus heutiger Sicht schließen könnte, eine Erfindung der Frauen gewesen ist. Es waren wohlhabende Herren, die man in der derben Umgangssprache des 16. Jahrhunderts womöglich als Pfeffersäcke bezeichnete, die sich zum Zeichen ihres Reichtums besonders prächtig geschmückte Taschen an ihren Gürtel hakten.

          Bogen in die Gegenwart

          Die Ausstellung belässt es aber nicht beim Rückblick, sondern schlägt immer wieder den Bogen in die – im weitesten Sinne – Gegenwart: So sieht man neben der Prunktasche der Pfeffersäcke eine Gürteltasche aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, hergestellt von der in Obertshausen ansässigen Firma Comtesse, die nun aber für Frauen gedacht war.

          Schmückende Accessoires: Drei von fünfhundert Taschen Bilderstrecke

          Nicht weniger als 500 Taschen aus verschiedenen Jahrhunderten hat das Ledermuseum im Depot. Und viele davon sind nach Auskunft von Direktorin Florschütz seit Jahrzehnten nicht mehr gezeigt worden. Gerade wegen dieser üppigen Vorräte habe man auch die Auswahl der nun zu sehenden Exponate sehr intensiv diskutiert.

          Mit Sorgfalt und Humor

          Im Resultat ist für den Besucher nachzuvollziehen, wie sich die Tasche zunächst als Schmuck etablierte, dann auch rasch eine praktische Komponente erhielt, weil die frühe Kleidung keine Hosen- oder Jackentaschen hatte, und schließlich zum wohl wichtigsten Accessoire der Damenmode wurde.

          Parallel zeigt die Ausstellung, dass sich anhand der Entwicklung der Tasche ablesen lässt, wie sich die Frau in der Arbeitswelt emanzipiert: Business-Taschen, die funktional sind, aber zugleich den Anspruch einer modebewussten Frau an Design und Güte des verwendeten Materials befriedigen, gehören heute zum festen Bestandteil der Sortimente. Auch die Entwicklung eines immer stärker an Umweltverträglichkeit orientierten Bewusstseins der Gesellschaft lässt sich an der Tasche nachvollziehen, genauer gesagt an der Art und Weise des Färbens und Konservierens, was inzwischen auch auf Olivenöl basieren kann.

          Dass die Ausstellung nicht nur mit großer Sorgfalt, sondern auch mit Humor zusammengestellt wurde, ist daran abzulesen, dass sich unter den 40 Exponaten die wohl unglücklichste Variante einer Tasche für Männer findet, die die Welt je gesehen hat: die Herrenhandtasche mit Schlaufe. Immerhin hat sie es als „Handdäschle“ – neben dem Cordhut – zum Markenzeichen des erfolgreichen Kabarettisten Frank-Markus Barwasser gebracht, besser bekannt als Erwin Pelzig.

          Die Ausstellung „Im Fokus: Taschen, funktional, schmückend, modisch“ ist bis Februar 2019 im Deutschen Ledermuseum in Offenbach zu sehen. Das Haus ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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