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Made in Germany : Kleine Renaissance der Lederindustrie

Hippes Handwerk: Leder-Designerin Valerie Sietzy Bild: Marc Krause

Die Lederindustrie im Rhein-Main-Gebiet ist eigentlich längst Geschichte. Doch Start-ups wie „Early“ halten das Handwerk immer noch am Leben.

          2 Min.

          Was Valerie Sietzy zum Leder gebracht hat? Der Zufall. Die Gestalterin, die an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studierte, hatte eine Gürteltasche entworfen, aus Stoff, in kleiner Auflage für ein paar Leute aus ihrem Freundeskreis. Dann lernte sie einen Feintäschner kennen – und entdeckte in seinem Atelier einen Schatz: Lederreste aus den achtziger und neunziger Jahren, in ausgefallenen Farben, mit markanten Prägungen. Sietzy durfte das Leder verwenden und schuf daraus einen ganzen Schwung ihrer „hip bags“. 2012 war das, lange vor dem Hype, den die Umhängetäschchen gerade wieder erfahren. Doch Sietzys Modelle fanden auch damals schon jede Menge Abnehmer. „Early“ hatte die Designerin ihr Label getauft. Ein Name mit internationalem Klang, ein Spiel mit Buchstaben ihres Namens.

          Alexander Jürgs

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Leder feiert gerade eine kleine Renaissance“, sagt Sietzy. In ihrem lichten Atelier in einem Hinterhof im Frankfurter Nordend parkt ein Skateboard unter der großen Werkbank, auf den Tischen stehen Nähmaschinen, in den grauen Pappkartons in den Regalen lagern die Portemonnaies, Kosmetikbeutel und Hüllen für Kreditkarten, die Sietzy entworfen hat, auf dem Sofa sitzt ihre kleine Tochter und verdrückt eine Banane. Die Designerin holt eine ihrer Taschen hervor, das Modell „4V Bag“. Die schlicht-elegante Tasche kann man bequem über die Schulter baumeln lassen oder auch, wenn man sie voll beladen will, als Rucksack tragen. Sietzy ist es wichtig, dass ihre Modelle alltagstauglich sind – und dass das Material, das sie verwendet, nachhaltig produziert wird. Die Rinder, deren Leder sie verarbeitet, stammen alle aus Deutschland, gegerbt wird ihr Leder ausschließlich pflanzlich, mit Olivenblattextrakt, niemals mit Chlor.

          Die Lederindustrie hat das Rhein-Main-Gebiet lange geprägt, vor allem die Stadt Offenbach. Im 18. Jahrhundert wurden dort eine ganze Reihe an „Portefeuille-Fabriken“ gegründet, die Zahl der Produkte und Arbeiter wuchs immer weiter an, zu Beginn des 20. Jahrhunderts sahen viele Offenbach dann als wichtigste Lederstadt Europas. Heute ist davon nicht mehr viel zu spüren. Spätestens als 2011 die Firma Goldpfeil den Betrieb endgültig einstellte, war das Ende der Offenbacher Leder-Ära besiegelt. „Es ist traurig, dass damit auch so viel Wissen und Handwerkskunst verloren geht, dass es keine Ausbildungen mehr in den Lederberufen gibt“, sagt Valerie Sietzy.

          Handwerk ist wieder hip

          Doch sie ist nicht die Einzige, die dagegen hält. Eine ganze Handvoll Start-ups ist in den vergangenen Jahren in der Region entstanden. Handwerk ist wieder hip. Und vor allem die Gestalter, die sich, eben so wie Sietzy, Gedanken über ihre Produkte machen, denen nachhaltiges Wirtschaften wichtig ist, feiern damit auch Erfolge – weil die Kunden dieses Engagement schätzen und es sich etwas kosten lassen.

          Das Lederhandwerk feiert ein kleines Comeback mit der Manufaktur „Early“.

          Am Sonntag kann man mehr darüber erfahren, wie die neuen, jungen Leder-Start-ups arbeiten: bei einer Veranstaltung des Offenbacher Ledermuseums unter dem Motto „Leder im Wandel“. Nicht nur Valerie Sietzy von „Early“ sitzt dann auf dem Podium, auch der in Offenbach arbeitende Marlon Navarro und das Duo Katharina Pfaff und Lisa Frisch vom Frankfurter Label „Frisch Beutel“ stellen ihre Arbeit vor, sprechen darüber, was sie am Arbeiten mit dem Material Leder so fasziniert. Moderiert wird das Gespräch mit den Designern von der Kulturjournalistin Anett Göthe.

          START-UP LEDER

          15. September, 11 Uhr, Offenbach, Deutsches Ledermuseum, Eintritt 8 Euro

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