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Das Verbraucherthema : Mehr Klarheit beim Einkaufen

Viele Vorschriften: Lebensmittel müssen besser gekennzeichnet werden. Bild: dpa

Lebensmittel müssen seit Dezember besser gekennzeichnet sein. Die Stichprobe zeigt: Die Hersteller halten sich daran. Verbraucherschützer sind aber noch nicht zufrieden. Das Verbraucherthema.

          3 Min.

          Drei Millimeter - so viel hatten die Verbraucherschützer verlangt. Am Ende ist es eine Schrifthöhe von 1,2 Millimeter geworden, die Hersteller in der EU bei der Kennzeichnung von Lebensmittelverpackungen oder Etiketten mindestens einhalten müssen, immer bezogen auf die Buchstabenhöhe des kleinen „x“. Jetzt dürfen Verbraucher im Supermarkt mit der Lupe nachmessen. Müssen sie aber nicht unbedingt. Der Lesetest beim Einkaufen zeigt, dass viele Etiketten jetzt besser lesbar sind und die Brille in der Tasche bleiben kann. Nur bei ganz kleinen Verpackungen wird es schwierig. Auf diesen darf die Schrift kleiner (mindestens 0,9 Millimeter) sein.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die neuen Vorschriften, die Mitte Dezember in Kraft getreten sind und auch für Lebensmittel gelten, die im Internet verkauft werden, bringen vor allem für Allergiker Erleichterung, da die 14 häufigsten allergen wirkenden Zutaten - dazu gehören Soja, Milch, Nüsse ebenso wie Eier und Sellerie - künftig hervorgehoben oder mit einer anderen Farbe unterlegt sein müssen. Bisher reichte es aus, sie einfach nur zu nennen. Die Stichprobe im Supermarkt (siehe Produkt-Beispiel auf dieser Seite) war in diesem Punkt zufriedenstellend.

          „Gefahr der Überdeklaration“

          Neu ist, dass auch bei loser Ware über Allergene, die absichtlich in der Produktion eingesetzt werden, informiert werden muss, etwa in Bäckereien oder in Restaurants. Hier werden die neuen Vorschriften aber kompliziert. Die Information kann schriftlich oder mündlich erfolgen, heißt es. Im letzteren Fall soll auf einem Aushang hingewiesen werden, dass die mündliche Auskunft möglich ist. Nach solchen Aushängen muss der Kunde an der Bäckertheke in der Regel aber suchen.

          Schon mehr Erfolg hat er, wenn er nach der schriftlichen Dokumentation über die Allergene in Brot und Kuchen fragt, die jetzt vorliegen muss. Das ist beim Wiener Feinbäcker in der Galeria Kaufhof in Frankfurt der Fall, gleichwohl macht die Verkäuferin bei dieser Frage einen etwas hilflosen Eindruck.

          Vorbildlich erscheint der anonyme Backautomat der Aldi-Filiale in der Frankfurter Innenstadt. Hier erfährt der Kunde, dass das Roggenmischbrot der Firma Lieken „Spuren von Eiern, Erdnüssen, Lupinen, Milch, Schalenfrüchten, Senf, Sesam und Soja“ enthalten kann. „Spuren von“ heißt immer: Es handelt es sich um eine freiwillige Kennzeichnung von Bestandteilen, die nicht gemäß Rezeptur, sondern unbeabsichtigt in Lebensmittel gelangen, weil etwa in der Produktion bei anderen Süßwaren Nüsse eingesetzt werden. Verbraucherschützer sehen hierin eine „Gefahr der Überdeklaration“ und eine unnötige Einschränkung für Allergiker. Hersteller machten dies auch, um Haftungsansprüchen entgegenzuwirken.

          Keine Ampelkennzeichnung

          Für Fleisch und Fisch in der Tiefkühltheke gilt seit Dezember: Das Einfrierdatum ist verpflichtend anzugeben, und zwar das Datum des ersten Einfrierens. Bestenfalls erfuhren Verbraucher bisher neben dem vorgeschriebenen Mindesthaltbarkeitsdatum das Datum des letzten Einfrierens, und dass kann nach Information der Verbraucherzentrale Hessen mehrere Jahre nach dem Fangdatum sein, weil der Fisch zunächst zur Weiterverarbeitung eingefroren, aufgetaut, zerlegt und dann abermals eingefroren wurde. Aus Sicht der hessischen Verbraucherschützer ist das „ein Plus in Sachen Transparenz“. Allerdings gilt die Kennzeichnungspflicht nicht für verarbeiteten Fisch wie panierte Fischstäbchen.

          Einen richtigen Schritt zu einem besseren Schutz vor Täuschung sehen die Verbrauchervertreter in der neuen Kennzeichnungspflicht für Lebensmittelimitate. Wurden die Schinkenscheiben nicht aus einem gewachsenen Stück Fleisch geschnitten, sondern aus Stücken zusammengeklebt, muss der Hinweis „aus Fleischstücken zusammengefügt“ erfolgen. Handelt es sich um Analogkäse, muss der Ersatzstoff genannt werden. Das Wort Imitat ist nicht verpflichtend, wie Verbraucherschützer bedauern.

          Nährwerte wie Brennwert, Fett, gesättigte Fettsäuren, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz sind erst von Dezember 2016 an verpflichtend auf allen verpackten Lebensmitteln anzugeben. Die Verbraucherschützer hätten gern die Ampelkennzeichnung durchgesetzt, mit der Verbraucher auf einen Blick leicht hätten erkennen können, ob der Anteil an Fett, Zucker oder Salz hoch und niedrig zu bewerten ist. Viele Hersteller drucken bereits jetzt freiwillig Nährwerttabellen auf ihre Verpackungen. Ein Blick darauf lohnt sich, und sei es nur, um zu erfahren, dass die Portion Pizza einen Kaloriengehalt von 950 hat. Damit ist ein großer Teil des Tagesbedarfs abgedeckt.

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