https://www.faz.net/-gzg-8au0l

„Ehrenmord“ von Kranichstein : Tochter getötet: Lebenslänglich für strengreligiöse Eltern

  • Aktualisiert am

Verurteilt: Vater Khans hat laut Anklage die Ermordung der eigenen Tochter „kaltblütig geplant“. Bild: dpa

Weil sie ihre Tochter getötet haben, sollen die Eltern eine lebenslange Haft absitzen. Das Verhalten der Tochter, die Sex mit ihrem Freund gehabt habe, habe dem Weltbild der aus Pakistan stammenden Eltern widersprochen.

          Zu lebenslanger Haft hat das Landgericht Darmstadt am Dienstag strengreligiöse muslimische Eheleute für den Mord an ihrer Tochter verurteilt. Der 52 Jahre alte Vater und die 41 Jahre alte Mutter waren angeklagt, die 19 Jahre junge Frau im Januar in Darmstadt gemeinschaftlich getötet zu haben.

          Die Tochter aus dem Stadtteil Kranichstein habe sexuelle Kontakte zu ihrem Freund gehabt, ohne mit ihm verlobt gewesen zu sein. Das Verhalten der Tochter habe dem Weltbild der aus Pakistan stammenden Eltern widersprochen.

          Die Staatsanwaltschaft hatte für die Eltern wegen Mordes eine lebenslange Strafe mit besonderer Schwere der Schuld verlangt. Weder der Verteidiger des Vaters noch der Anwalt der hatten Mordmerkmale gesehen. Sie sprachen von Totschlag und von Beihilfe zum Totschlag, nannten aber kein Strafmaß.

          „Ehrenmorde“ in Tradition verwurzelt, nicht in Religion

          Sogenannte „Ehrenmorde“ haben ihre Wurzeln nicht in der Religion, sondern in der Tradition, sagt die Direktorin des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam (FFGI), Prof. Susanne Schröter. „Die Eltern, die in Darmstadt vor Gericht stehen, haben sich nicht in einem islamischen Denkrahmen bewegt, sondern in dem Rahmen ihrer Lokalkultur.“

          Wenn Verwandte zu Mördern würden, sei das Argument der verletzten Ehre nur die „nachgeordnete Legitimation eines Tötungsdelikts“, sagte Schröter am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist aber beileibe kein islamisches Konzept - das muss man ganz deutlich trennen.“ Muslime distanzierten sich zu Recht davon, wenn solche Taten mit ihrer Religion in Verbindung gebracht würden. (dpa)

          Weitere Themen

          So fühlt es sich an, ein Kind zu verlieren Video-Seite öffnen

          Kampf gegen die Trauer : So fühlt es sich an, ein Kind zu verlieren

          Der Tod des eigenen Kindes ist der schlimmste Schicksalsschlag, den Eltern erleiden können. Als ein Ehepaar ihren Sohn verliert, stellen sich Vater und Mutter jeder auf seine Weise dem Kampf gegen die erdrückende Trauer. Im Interview erinnern sie sich.

          Topmeldungen

          Samsung Galaxy Fold : Smartphone, 2000 Euro, faltbar

          Nun ist es wirklich da. Samsung hat das erste faltbare Smartphone in Serienreife vorgestellt. Es kommt Anfang Mai, kostet 2000 Euro und hat aufgeklappt einen Bildschirm, der fast so groß ist wie das iPad Mini.

          Champions League im Liveticker : Schalke hat Mühe mit City

          Mit Manchester City haben die Königsblauen einen starken Gegner vor der Brust. Sané ist zunächst nur auf der Bank. Noch hält das Team von Trainer Tedesco dagegen, doch die Engländer werden besser. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.

          Viktor Orbán und die EU : Eine weitere Zerreißprobe

          Orbán provoziert Brüssel mit einer neuen Plakatkampagne. Doch diesmal geht er so weit, dass sich EVP darüber entzweien könnte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.