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Lebendige Geschichte in Mainz : Mit Aurelia in die Römerzeit

Weltgeschichte live: Aurelia alias Judith König bei einer Führung durch die Steinhalle des Landesmuseums Mainz. Bild: Marcus Kaufhold

Wie wird die römische Geschichte von Mainz lebendig? Ganz einfach: Man lässt eine Dame der römischen Hautevolee berichten.

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          Es ist auch den tapferen Bewohnern der rechtsrheinischen Civitas Mattiacorum zu danken, dass Aurelia als Gattin des römischen Statthalters von Mogontiacum heute in der Steinhalle des Landesmuseums in Mainz über Zeugnisse der römischen Kultur so kenntnisreich schwärmen kann. Denn auf der rechten Rheinseite sicherten sie mit dem Castellum auf dem Schulberg oberhalb der Siedlung Aquae Mattiacae und anderen Anlagen den Taunus-Kamm und hielten die rauhen Taunus-Bewohner in Schach. Das vergisst man im mondänen Mogontiacum bisweilen.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Ungeachtet dessen ist das, was Aurelia alias Dr. Judith König, Vorsitzende des Gästeführerverbands Mainz, über die in der Steinhalle des Landesmuseums zu sehenden Säulen, Grabsteine ihres mächtigen Gatten, zu berichten weiß, spannend und aufschlussreich. Die zart karikierende Performance der Kunsthistorikerin als Aurelia lässt das Publikum den detailreichen Erläuterungen mit heiterer Aufmerksamkeit folgen.

          Von Grabsteinen, Legionären und gedünsteten Flamingos

          Die Steine bergen reichlich Informationen, die dem ungeübten Blick entgehen würden. Da ist ein Soldat, der eine Art Feldzeichen mit einem segelohrigen Konterfei auf der Spitze trägt. Man kommt nicht unbedingt sofort auf den Gedanken, dass es sich um das Abbild eines römischen Kaisers handelt und es die Aufgabe des Verblichenen war, dieses Abbild mit in die Schlacht zu tragen, auf dass die Legionäre immer wussten, für wen sie gerade Kopf und Kragen riskierten. Erstaunlich auch zwei fast identische Grabsteine, die erst unter sachkundiger Interpretation ihr Geheimnis preisgeben: Der eine ist der erste, fehlgeschlagene Versuch, weil die Schrift versehentlich immer größer und der Platz auf dem Stein deshalb zu knapp wurde. Ein weiterer Stein gibt Aufschluss darüber, wie die Legionäre gemeinsam in der Art einer Schildkörte unter ihren Schilden Schutz vor Pfeilen und Wurfgeschossen fanden, bis sie nah genug am Gegner waren, um dann auf ihn loszustürmen.

          Diese und viele weitere Geschichten hat Aurelia in der rund einstündigen Führung zu erzählen, abgesehen von der natürlich, dass ihr Gatte sehr mächtig und reich sei und man jede Menge Feste auszurichten habe, derweil andere kämpfen. Da ist von wohlgeformten Haussklaven und -sklavinnen die Rede, von gedünsteten Flamingos, Nachtigallenzungen und – verglichen mit dem Rotwein der Heimat – gerade eben genießbarem Wein aus der Gegend. Also von alltäglichen Sorgen der römischen Oberschicht an den Rändern des Reichs berichtet Aurelia auch. Und dabei kommt sie auch wieder – wenn auch ungern – auf die rechtsrheinische Siedlung zu sprechen, weil die verwöhnten Einwohner Mogontiacums schon damals die dort aus der Tiefe empordrängenden heißen Quellen sehr schätzten. Im August wird Aurelia noch drei Führungen veranstalten, die nächste am 16. August. Weitere Veranstaltungen sind an den Wochenenden und abends von 18 Uhr an geplant.

          Eine Anmeldung zu Führungen ist erforderlich entweder per E-Mail unter muspaed@gdke.rlp.de oder telefonisch unter der Nummer 0 61 31/2 85 71 43.

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