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Lauf gegen Brustkrebs : Matschbraun ist das neue Pink

  • -Aktualisiert am

Mit vollem Körpereinsatz: Das Wasser ist nicht nur schlammig, sondern auch kalt. Bild: Wonge Bergmann

Für den „Muddy Angel Run“ wurde das Gelände am Frankfurt Waldstadion zum Hindernisparcours aus Schlamm. Die spaßige Veranstaltung soll auf ein ernstes Thema aufmerksam machen.

          Die Oberteile und Stirnbänder der Frauen erstrahlen in grellem Pink, die rosafarbene Kriegsbemalung im Gesicht ist gerade erst getrocknet. Eineinhalb Stunden später werden nur noch Fotos an diese scheinbar perfekten Outfits erinnern, denn dem Schlammbad, das dazwischen-liegt, hält keine Mode stand. Spätestens auf der Krabbelstrecke oder im Tauchbecken wird auch der letzte Fleck sauberer Kleidung mit Matsch bedeckt.

          Der „Muddy Angel Run“ am Waldstadion ist der europaweit erste Schlammlauf nur für Frauen, mehr als 10.000 Teilnehmerinnen hat die Berliner Veranstaltungsagentur Xletix dafür nach Frankfurt locken können. Sie alle gehen auf den fünf Kilometer langen Parcours mit 15 Hindernissen, bei denen vor allem eines zählt: sich richtig dreckig zu machen. Dafür verteilt der Veranstalter eine Menge Schlamm auf dem Gelände; etwa 25 Tonnen sind es an diesem Wochenende. Der Aufbau der Hindernisse beginnt schon eine Woche vorher.

          „Freiwilliger Gruppenzwang“

          „Uns wird langsam bewusst, was wir gleich tun“, sagt eine junge Frau vorm Start. Sie ist mit fünf Freundinnen gekommen und das erste Mal dabei. Zwei ihrer Begleiterinnen sind erfahrener, sie hätten sie überredet. „Freiwilliger Gruppenzwang“, sagt sie und lacht. Um den Hals tragen die Frauen eine lila Schwimmbrille. Die wird schon beim ersten Hindernis zum Einsatz kommen, einem großen Becken mit matschigem Wasser.

          Gestartet wird in Gruppen nacheinander, vorher machen sich alle warm. Vier Trainerinnen stehen auf einer Bühne und feuern die Frauen zu lauter Musik an; zu einem Hit von Schlagersängerin Helene Fischer schlängelt sich sogar eine Polonaise von angehenden „Muddy Angels“ durch die Aufwärmzone. Noch ein paar Kniebeugen und Armkreise, dann geht es an die Startlinie.

          Zuvor hat eine Moderatorin die Frauen nicht nur motiviert, sondern auch noch einmal erklärt, dass der ganze Spaß auch auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen soll. Je Teilnehmer werde ein Euro an den Verein „Brustkrebs Deutschland“ gespendet. Fast 400.000 Euro seien zusammengekommen, seitdem der Lauf im Jahr 2016 das erste Mal in der Nähe von Hannover veranstaltet wurde. In Frankfurt ist es die dritte Auflage. Die Herausforderungen im Team zu bewältigen solle vor allem Spaß machen, aber auch daran erinnern, sich gegenseitig zu unterstützen. „Nicht nur an einem Tag wie heute, sondern auch, wenn uns das Leben Hindernisse in den Weg stellt“, sagt die Moderatorin. „Zeigt, dass ihr wahre Engel seid.“

          Offen gegenüber Thema Krebs sein

          Das wollen auch die zwei Frauen aus der Nähe von Hanau. Eine von ihnen erzählt, dass sie als Physiotherapeutin häufig Krebspatientinnen behandelt. Daraus sei ihre Motivation entstanden, hier mitzumachen. Wenn man das Thema Krebs anspreche, machten viele Menschen sofort zu, in Verbindung mit dem Lauf sei das viel lockerer. Unbekannten Frauen, die sie danach wohl nie wiedersehe, auf der Strecke zu helfen, das mache für sie das Besondere der Veranstaltung aus, sagt sie. Es ist ihr dritter Matschlauf.

          Die sogenannte Schaumparty und das Schlammbecken sind für viele die beliebtesten Hindernisse. „Da kann man sich endlich mal von vorne bis hinten dreckig machen“, sagt eine Leipzigerin. Teamgeist ist auch beim letzten Hindernis gefragt, der Riesenrolle. Bis zu den Achseln steht den Frauen das braune Matschwasser, sie sollen eine aufgeblasene Gummirolle in der Mitte des Beckens überwinden. Einige Frauen kommen nur mit Hilfe von anderen auf die andere Seite. Grundsätzlich seien die Hindernisse für jeden Fitnessgrad geeignet, findet eine Karlsruherin im Ziel, wo sie bereits ihr „Sieger-Bier“ abgeholt hat. „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, stellt sie fest. „Und es geht ja nicht um die Zeit, sondern um den Spaß.“

          Die rosafarbenen Shirts, die anfangs um die Wette strahlten, sind nun also reif für die Waschmaschine. Dafür strahlen die Frauen, obwohl sie teilweise schlimmer aussehen als nasse Pudel. Ihr Ziel, sich ordentlich dreckig zu machen, haben sie erreicht. Für zwei Frauen aus Kaiserslautern steht fest, dass sie auch im nächsten Jahr wieder dabei sind. Hier könne man einfach Kind sein, sagt eine von ihnen. „Wir werden so lange mitmachen, bis wir alt und grau sind.“

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