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Kommentar : Hinz wahrt ihr Gesicht

  • -Aktualisiert am

Das Landgestüt Dillenburg, das einzige seiner Art in Hessen, bleibt doch bestehen. Aber ohne Hengste. Welchen Sinn allerdings ein Landgestüt hat, in dem auch keine Pferdezucht mehr gepflegt wird, steht dahin.

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          Es überrascht nicht, dass ordnungspolitische Argumente einer Umweltministerin der Grünen nicht so sehr am Herzen liegen, dass sie ihretwegen im Wahljahr einen Kompromiss scheitern ließe. Ob es sinnvoll und politisch gerechtfertigt ist, dass das Land weiter mit hohen Summen ein Landgestüt am Leben hält, dessen Aufgabe sich längst erledigt hat, spielte am Ende in der Diskussion um den Fortbestand der Einrichtung in Dillenburg keine Rolle mehr.

          Das Landgestüt bleibt erhalten, obwohl dessen Kerngeschäft, nämlich die Zucht des hessischen Warmbluts, endgültig ad acta gelegt wird. Auch der finanzielle Aspekt einer dauerhaften Alimentierung aus dem Landeshaushalt spielte für Priska Hinz keine Rolle in einer Auseinandersetzung, die landesweit deutlich mehr Schlagzeilen hervorbrachte, als Hinz vermutlich erwartet hatte.

           

          Dass Hinz nicht hart bleiben würde, hatte ausgerechnet ihr Ministerkollege Tarek Al-Wazir politisch vorgezeichnet, der in einem Sommerinterview vor knapp zwei Wochen bar jeder Zuständigkeit seiner Kabinettskollegin in den Rücken gefallen war und für den Fall der Schaffung zusätzlicher Auslaufmöglichkeiten Dillenburg einen Kompromiss in Aussicht gestellt hatte. Der politische Stratege hatte wohl erkannt, dass für die Grünen mit dem Streit um Dillenburg wenig zu gewinnen war. Die Stadt erkannte ihre Chance und zeigte in einem Gutachten mehrere Optionen für mehr Auslauf auf.

          Damit saß Hinz in der Falle, aus der ihr nur ein gesichtswahrender Kompromiss helfen konnte. Sie reduzierte den Streit um das Landgestüt auf das Tierwohl und gab sich mit der Verbannung der Hengste und geringfügig mehr Auslauf für die verbleibenden Pferde zufrieden. Um die muss sich der Pferdefreund aber ohnehin keine Sorgen machen, denn die Leitlinien und Kriterien, nach denen eine tierschutzgerechte Pferdehaltung zu beurteilen ist, werden in Dillenburg ausnahmslos erfüllt.

          Welchen Sinn allerdings ein Landgestüt hat, dessen Betrieb ohnehin keine hoheitliche Aufgabe mehr ist und in dem auch keine Pferdezucht mehr gepflegt wird, darauf harrt die Öffentlichkeit nach dem Rückzieher von Hinz noch einer Antwort. „Spitzenhengste mit umfassendem Züchterservice“, so beschreiben die zehn deutschen Landgestüte gemeinsam ihre „Mission“ und werben um den Pferdebesitzer. Für Dillenburg ist das nun kein Versprechen mehr, sondern ein Blick in die Vergangenheit.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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