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Kläranlage Langen : Vierte Stufe gegen Keime, Viren, Mikroplastik

  • -Aktualisiert am

Sauber: Das Abwasser von rund 60.000 Menschen wird in der Anlage geklärt. Bild: Marcus Kaufhold

Der Abwasserverband Langen, Egelsbach, Erzhausen will seine Kläranlage ausbauen, um das Wasser besser zu säubern. Doch das Land macht Vorgaben, die sich auf die Gebühren auswirken könnten.

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          Wird auf dem Gelände der Kläranlage in Langen eine vierte Reinigungsstufe entstehen, damit das Abwasser noch sauberer zum Hessischen Ried weiterfließen kann? Schon im August vergangenen Jahres hat der Abwasserverband Langen, Egelsbach, Erzhausen, der für die Abwasserentsorgung in den drei Kommunen zuständig ist, einen Förderantrag beim Land gestellt. Ein positiver Bescheid des Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz steht bisher aber noch aus. Laut Ministerium ist vorgesehen, „sich im Laufe des Juni über die Fördervoraussetzungen abschließend zu verständigen“.

          Die Kläranlage westlich der Langener Wohnsiedlung Oberlinden wurde 1957 eröffnet. Mitte der neunziger Jahre wurde sie für einen Millionenbetrag modernisiert und erweitert. Ausgelegt ist sie für 75.000 Einwohner. Die Einwohnerzahl der drei Kommunen stieg in den vergangenen Jahren deutlich. Allein im neuen Baugebiet Liebigstraße in Langen werden noch mehr als 3000 Menschen hinzukommen. Laut Eva-Maria Frei, Geschäftsführerin des Abwasserverbands, sind rund 60.000 Einwohner an die Kläranlage angeschlossen. Bis 2030 reiche die Kapazität.

          Bisher verfügt die Anlage über drei Reinigungsstufen: Auf die mechanische folgt die biologische, dann wird der Schlamm entfernt, ehe das Abwasser in den Hundsgraben geleitet wird. Von dort fließt es zum Hessischen Ried und zum Rhein. Ein großer Teil versickert und wird später wieder als Trinkwasser gefördert.

          Anschaffung einer Membrananlage hat hohe Kosten

          Mit einem Pilotprojekt bis Ende 2018 sammelten Frei und ihre Mitarbeiter Erfahrungen, wie das Abwasser noch besser von bestimmten Spurenstoffen gereinigt werden kann. Laborversuche hatte es schon seit 2011 gegeben. Der Pilotversuch war darauf ausgelegt, 20 bis 30 Kubikmeter Abwasser pro Stunde zu säubern. Dabei ging es um Abbauprodukte von Medikamenten wie Betablockern, Antiepileptika und Empfängnisverhütungsmitteln, um winzige Kunststoffteilchen aus Kosmetika und Duschgel, sogenannte Mikroplastik, sowie um antibiotikaresistente Keime und Viren, die bisher nicht aus dem Abwasser gefiltert werden.

          Zwei Verfahren kamen parallel zum Einsatz: Eine Teilmenge des Abwassers passierte Tuchfilter, eine andere Membranfilter. In beiden Fällen nahm granulierte Aktivkohle die herausgefilterten Stoffe auf. Von der Versuchsanlage steht inzwischen nur noch die Halle, die der Abwasserverband weiternutzen will. Nach Angaben von Frei werden Membrananlagen in anderen Ländern auch zum Aufbereiten von Trinkwasser aus Meerwasser verwendet. Ihre Anschaffung und Unterhaltung seien allerdings sehr teuer. Die Membrananlage „hätte den Charme gehabt, dass sie auch Viren, Bakterien und Keime entfernen kann“. Durch die Aktivkohle werde das Wasser jedoch rückverkeimt. Dadurch habe sich „der Mehrwert der Membrananlage wieder vernichtet“, sagte Frei.

          Günstiger seien Tuchfilter, deren Funktionsweise Frei mit einem Kaffeefilter vergleicht. Die Tuchfiltration habe zusammen mit Aktivkohle sehr gute Ergebnisse bei der Elimination von Spurenstoffen, etwa Medikamentenrückständen, und Mikropartikeln aus Putzmitteln und Kosmetika gezeigt. Antibiotikaresistente Keime seien aber im Abwasser geblieben. Frei wies aber darauf hin, dass jedes Kanalnetz über Mischwasserentlastungen verfüge: Bei starken Regenfällen leiten sie das verdünnte Abwasser ungereinigt in den nächsten Bach, damit die Kanäle nicht überlaufen. Solange dies in Deutschland so praktiziert werde, „braucht man darüber, die antibiotikaresistenten Keime in der Kläranlage zu entfernen, in der Form nicht nachzudenken“. Mit Tuchfiltern und Aktivkohle hätte man ein Verfahren, „das stabil Spurenstoffe eliminieren könnte und vom Verfahren her wirtschaftlich relativ günstig wäre“. Rund 1,2 Millionen Euro kostete das Pilotprojekt. Mit fast 900.000 Euro wurde es vom Land gefördert.

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