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Kommentar zur Hessen-Wahl : Verlierer vor Gruselkulisse

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Bild: AFP

Dass das Wahlergebnis in Hessen viel mit „Berlin“ zu tun hat, ist unübersehbar. Dennoch machen es sich die hessischen Akteure vielleicht doch etwas zu einfach, wenn sie eine gigantische Groko-Gruselkulisse aufbauen. Ein Kommentar.

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          Die Wähler haben den politischen hessischen Mutterboden kräftig umgepflügt: CDU und SPD jeweils um zehn Punkte runter, Grüne und AfD in etwa gleichem Maße nach oben. Und das in einem Bundesland, in dem 60 Jahre lang keine andere Partei außer CDU und SPD auch nur ein einziges Direktmandat gewann.

          Am schlimmsten hat es die SPD erwischt. Während die CDU – schwer gebeutelt – ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Regieren, nach Lage der Dinge weiter nachgehen kann, ist der Traum der SPD von einer wie auch immer gearteten Regierungsbeteiligung auf Jahre ausgeträumt. Ihr Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel traf den Nagel auf den Kopf, als er sagte, der Vertrauensverlust der SPD habe nicht erst gestern Abend begonnen.

          „Die in Berlin sind an allem schuld!“

          Dass das Wahlergebnis viel mit „Berlin“ zu tun hat, ist unübersehbar. Dennoch machen es sich die hessischen Akteure vielleicht doch etwas zu einfach, wenn sie eine gigantische Groko-Gruselkulisse aufbauen und rufen: „Die in Berlin sind an allem schuld!“ Ja, das Diesel-Thema erbost die Leute, aber Fahrverbote sind wie Fluglärm: in Frankfurt ein Riesenthema, doch im Rest Hessens bringt es das Blut viel weniger in Wallung.

          Deshalb täte auch die hessische CDU gut daran, sich auf die Spurensuche nach selbstfabrizierten Versäumnissen zu begeben. Ja, Hessen steht wirtschaftlich da wie eine Eins, aber wahrscheinlich reicht es nicht (mehr), à la Bill Clinton auf die Wirkung des Satzes „Es is’ die Wertschaft, Dabbes“ zu vertrauen. Ja, die Leute mögen es, ohne Gezänk regiert zu werden, aber vielleicht wünschen sie sich von einer Partei doch auch ein bisschen Phantasie. „Verlässlich regieren“ ist gut und schön, aber es ist eben auch wie ein 1:1 von Eintracht Frankfurt in Nürnberg.

          Was kein Naturgesetz ist

          Dass Landtagswahlen immer nur im Schatten der Bundespolitik stehen, ist kein Naturgesetz. Nicht immer nimmt das große Wasser das kleine mit. Es ist gerade einmal eineinhalb Jahre her, da steckten die CDU und die Bundeskanzlerin ebenfalls mit dem Kopf in der Schlinge. Und es waren Landtagswahlen, die damals den Umschwung brachten. Das Saarland ging wider Erwarten für die CDU nicht verloren, in Schleswig-Holstein und, das war die Krönung, in Nordrhein-Westfalen eroberte sie die Staatskanzleien zurück. So fern der Ruhm, so welk.

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