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Kommentar : Sieg und Niederlage im Main-Kinzig-Kreis

Strahlender Sieger: Thorsten Stolz (SPD) ist neuer Landrat im Main-Kinzig-Kreis Bild: Rainer Wohlfahrt

Im Main-Kinzig-Kreis hat ein junger SPD-Mann alle anderen Bewerber um den Landratsposten abgehängt. Die CDU-Spitze will die bittere Niederlage analysieren. Das ist auch nötig, vor allem, was den Umgang untereinander angeht.

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          Thorsten Stolz schafft Sachen, von denen können andere nur träumen. Im Alter von nur 27 Jahren wurde der Sozialdemokrat zum Bürgermeister von Gelnhausen gewählt und später im Amt bestätigt. Jetzt ließ der 37 Jahre alte Stolz bei der Landratswahl im Main-Kinzig-Kreis - ohne Amtsbonus - fünf Mitbewerber hinter sich und sorgte für eine kleine Sensation.

          Seinen Sieg habe er vor allem der guten Arbeit seiner künftigen Amtsvorgänger - den beiden SPD-Landräten Karl Eyerkaufer und Erich Pipa - zu verdanken und nur ein bisschen auch sich selbst, gibt sich der Gewinner bescheiden. Er weiß natürlich, dass das seinen Sympathiewerten nicht schadet. In seiner Freizeit und an Urlaubstagen absolvierte er an die 300 Wahlkampftermine, so Stolz. Ohne diesen Fleiß wären am Sonntag vielleicht noch weniger als knapp 34 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne gekommen. 62.202 Wähler standen hinter dem Bewerber, der trotz seines geringen Alters in der Kandidatenriege die größte Verwaltungserfahrung vorweisen konnte.

          Nur 22.770 Urnengänger für CDU-Frau

          Stolz errang einen verdienten Sieg, das gestehen ihm auch die politischen Gegner zu. Für Srita Heide von der CDU entschieden sich nur 22.770 Urnengänger. Das bedeutet für die Unternehmensberaterin zunächst einmal eine persönliche Niederlage. Doch auch sie war in den vergangenen Wochen engagiert im Landkreis unterwegs und ging auf die Menschen zu. Politisch war sie aber für viele Wähler ein unbeschriebenes Blatt, denn aus der vorderen Riege wollte keiner den undankbaren Kandidaten-Job übernehmen. Außerdem gab die Kreis-CDU vor dem Wahlkampf ein Bild der Zerstrittenheit ab, das viele Bürger sehr wohl registrierten, auch wenn sie sich generell für die Kreispolitik kaum interessieren.

          Wie wenig Rückhalt selbst langjährige CDU-Politiker sich inzwischen von ihrer Parteizugehörigkeit versprechen, zeigte am Wochenende die Bürgermeisterwahl in Brachttal. Dort trat der amtierende CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfram Zimmer an. Doch nicht etwa als Bewerber der CDU, sondern als unabhängiger Kandidat. Er gewann die Wahl. Gleichzeitig votierten dort für Thorsten Stolz mehr als 70 Prozent der Wähler, während sich für Heide gerade einmal 15,7 Prozent entschieden.

          Eine gründliche Analyse des Wahlergebnisses kündigte die CDU-Spitze im Angesicht der bitteren Niederlage an. Das ist auch nötig, vor allem, was den Umgang untereinander angeht. Auch Thorsten Stolz steht vor einer kniffeligen Herausforderung. Bevor er Hessens bevölkerungsreichsten Landkreis wirtschaftlich, kulturell, sozial und touristisch weiter voranbringen kann, muss er erst einmal für eine stabile Mehrheit im Kreistag sorgen. Das wird mit potentiellen Partnern wie der CDU oder der FDP nicht einfach.

          Neuer Landrat im Main-Kinzig-Kreis wird SPD-Politiker Stolz

          Die Bürger im Mainz-Kinzig-Kreis haben am Sonntag den SPD-Politiker Thorsten Stolz mit 57,9 Prozent der Stimmen zum neuen Landrat gewählt. Der 37-Jährige tritt die Nachfolge von Erich Pipa (SPD) an, der sich nach zwei Amtsperioden nicht wieder zur Wahl stellte. Nach anonymen Drohungen wegen seiner freundlichen Haltung gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen hatte er persönliche Gründe für seinen Verzicht genannt.

          Die CDU-Kandidatin Srita Heide aus Hanau kam auf 21,2 Prozent der Stimmen. Der AfD-Bewerber Walter Wissenbach erhielt 10,4 Prozent. Für Reiner Bousonville von den Grünen stimmten 5,5 Prozent, für den FDP-Kandidaten Alexander Noll 3,9 Prozent. (dpa)

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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