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„Verkehrsgipfel“ in Darmstadt : Schneller per Bahn durch Südhessen

Bessere Anbindung: Als wichtiges Projekt sehen die Politiker eine Straßenbahnlinie von Darmstadt nach Groß-Zimmern an. Bild: Wolfgang Eilmes

Vertreter Darmstadts und des Landkreises haben sich zu einem Verkehrsgipfel getroffen. Dabei ging es um neue Linien und bessere Anbindungen im Schienenverkehr.

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          Bei einem von Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) angestoßenen südhessischen „Verkehrsgipfel“ am Montag haben sich Vertreter der Stadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg sowie der Nahverkehrsorganisation Dadina und des städtischen Verkehrsunternehmens Heag mobilo auf Bausteine für eine gemeinsame Verkehrswende geeinigt. Der Beschluss, der die Basis darstellt für ein abschließend zu formulierendes Handlungskonzept mit einer Perspektive von mehr als zehn Jahren, wurde gestern von Oberbürgermeister Jochen Partsch, dem ersten Kreisbeigeordneten Robert Ahrnt (beide Die Grünen) und der Roßdorfer Bürgermeisterin Christel Sprößler (SPD) vorgestellt.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Partsch bezeichnete die Bausteine als lösungsorientierten Ansatz über die Stadtgrenze hinaus, der nicht selbstverständlich sei. Auch Ahrnt lobte den Gipfel als ein ungewöhnliches, aber wichtiges Format. Sprößler sprach von einer Gesprächsform, die für „höhere Verbindlichkeit“ stehen könne.

          Die Vorschläge zu den einzelnen Verkehrsprojekten, die sich im ersten Schritt auf den Öffentlichen Personennahverkehr konzentrieren, sind in drei Kategorien unterteilt. Als kurzfristig gelten Vorhaben, die in den nächsten drei Jahren realisiert werden sollen. Dazu zählt als das derzeitig wichtigste Projekt die zügige Planung einer neuen Straßenbahnverbindung von Darmstadt in den Ostkreis nach Groß-Zimmern.

          Förderung durch Bund und Land vorerst ausgeschlossen

          Um die Voraussetzung für eine Förderung dieser neuen Linie zu schaffen, die voraussichtlich mehr als 100 Millionen Euro kosten wird, wollen Stadt und Kreis im nächsten Jahr eine Planungsgesellschaft gründen. Wie berichtet, schließen die bisherigen Voruntersuchungen aufgrund des sogenannten Kosten-Nutzen-Verhältnisses eine Förderung durch Land und Bund noch aus. Ahrnt gab sich aber optimistisch, dass sich die geltenden Kriterien bald ändern werden, da es Signale aus Berlin für eine „Aufweichung des standardisierten Bewertungsprogramms“ gebe. Südhessen könne dann aber nur zum Zuge kommen, wenn fertige Planungen für die Straßenbahnverbindung vorlägen.

          Ziel sei, die Trasse 2027 in Betrieb zu nehmen. Darmstadt wird der neuen Gesellschaft, wie Partsch sagte, 1,4 Millionen Euro für die Planung der Linie in den Ostkreis zur Verfügung stellen sowie weitere 600.000 Euro für die ebenfalls gewünschte Straßenbahnverbindung nach Weiterstadt. Auch die Untersuchungen für eine Straßenbahn in den Darmstädter Stadtteil Wixhausen und ein Gutachten zur Verlängerung der Straßenbahn von Griesheim bis nach Riedstadt sollen forciert werden.

          Als „Bausteine“ für die nächsten drei Jahre werden weitere Projekte aufgelistet: der Einsatz neuer Triebwagen auf der Odenwaldbahn, um so deren Kapazität zu verbessern, der Kauf und barrierefreie Umbau des Darmstädter Nordbahnhofes, die Verbesserung der Radabstellanlagen am Darmstädter Hauptbahnhof sowie die Optimierung des Busangebotes im Ostkreis.

          Relativ schnell zum Einsatz kommen sollen ebenfalls sogenannte On-Demand-Shuttles. Es handelt sich dabei um ein digitales Anrufsammel-Taxi-System mit 75 Elektro-Vans, für die es eine Förderzusage des Bundes über drei Millionen Euro gibt. Das „innovative System für Bedarfsverkehre“ soll kommunal betrieben werden und von 2021 an zum Einsatz kommen.

          Sprößler, Ahrnt und Partsch gaben gestern zu, dass sich für die mittel- bis langfristig kalkulierten Projekte mit einem Zeitrahmen von drei bis zehn Jahren die Situation schwieriger darstellt als zunächst erwartet. So habe ein Vertreter des Rhein-Main-Verkehrsverbundes während des Gipfelgesprächs erläutert, dass die gewünschte Verlängerung der Bahnsteige entlang der Odenwaldbahn, um mehr Waggons an die Triebwagen hängen zu können, erst vom Jahr 2028 an möglich sei, da dafür jeweils ein eigenes Planfeststellungsverfahren nötig werde. Zu den mittelfristig gewünschten Optimierungen zählen außerdem ein durchgängiger Halbstundentakt auf der Linie RB 75 zwischen Aschaffenburg und Darmstadt, ein Halbstundentakt auf der Dreieichbahn zwischen Dieburg und Frankfurt und ein 30-Minuten-Takt auf der Pfungstadtbahn mit Weiterfahrt zum Darmstädter Nordbahnhof.

          Verlängerungen der S-Bahn Linien geplant

          Unter der Überschrift „Vision“ verbindet das Bausteinkonzept eine Verlängerung der S 4 von Langen zum Darmstädter Hauptbahnhof sowie eine Verlängerung der S-Bahnlinie auf der Dreieichbahn nach Dieburg mit möglicher Weiterfahrt nach Darmstadt, um so einen S-Bahnring im südöstlichen Rhein-Main-Gebiet zu schaffen. Zeitangaben zur Realisierung dieser Vorhaben seien schwer zu machen, sagte Ahrnt, es sei aber sicher mit mehr als zehn Jahren zu rechnen.

          Weil der erste Verkehrsgipfel nach Darstellung der Teilnehmer positiv verlief, soll im nächsten Jahr der nächste folgen. Entweder wird es dann um den Rad- oder um den Straßenverkehr gehen. Für die Diskussion über mögliche Umgehungsstraßen wurde schon ein Grundsatz formuliert. Er besagt, dass künftig deutlich mehr Verkehr auf die „umweltfreundlichen Verkehrsarten wie Fahrrad, Bahn oder Bus“ verlagert werden müssen.

          Was dies konkret heißt, soll unter anderem eine großräumige Untersuchung der Verkehrsströme ergeben. Wichtig sei bei allen diesen Fragen, „dass die Stadt Darmstadt und der Landkreis weiter an einem Strang ziehen“, sagte Sprößler.

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