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Prozess gegen Alexander Falk : „Ich bin ultraresistent“

Alexander Falk Bild: EPA

Im Prozess um den Schuss auf einen Frankfurter Anwalt nimmt der Angeklagte Alexander Falk die Sache wieder selbst in die Hand. Die Vorwürfe widersprächen in jeder Hinsicht seinem Charakter.

          3 Min.

          An diesem Dienstag nimmt Alexander Falk die Sache zum ersten Mal seit Prozessbeginn wieder selbst in die Hand. Monatelang hat er geschwiegen. Er hat seinen Verteidigern zugehört, wie sie mit aller Kraft versucht haben, das Gericht von seiner Unschuld zu überzeugen und ihn aus der Untersuchungshaft zu holen. Nur neulich hat er kurz selbst gesprochen und geschildert, wie sehr sich die Haftbedingungen in der Corona-Krise verschlechtert haben. Das war alles. Aber jetzt, acht Monate nach Prozessbeginn, ergreift er das Wort und führt vor, warum im Lauf seiner Karriere so viele Menschen beeindruckt waren von ihm, dem eloquenten, selbstbewussten Hamburger.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Vorwürfe, die ihm gemacht werden, wiegen immer noch schwer. Zwar gehen die Richter nicht mehr davon aus, dass Alexander Falk den Auftrag gegeben hat, einen gegnerischen Anwalt aus Frankfurt zu ermorden. Aber sie sehen nach der bisherigen Beweisaufnahme den dringenden Tatverdacht, dass er den Auftrag gegeben hat, ihm einen Denkzettel zu verpassen: Im Februar 2010 wurde dem Anwalt ins Bein geschossen. Auch, weil dem eine ganze Serie von Attacken auf sein Haus vorausgegangen war, in dem er mit seiner Familie lebte, hatte der Anwalt dafür nur eine Erklärung. Alexander Falk, dem er in einem Zivilverfahren im Zusammenhang mit einem Betrugsprozess sein privates Vermögen pfändete, musste etwas damit zu tun haben. „Ich habe das als letzte Warnung verstanden“, sagte er als Zeuge im Prozess. „Ich war der, bei dem die Fäden zusammengelaufen sind.“ Und wäre er weg, würden sich die Chancen für Falk, das Zivilverfahren zu gewinnen, erheblich verbessern.

          Falk sagt, er hätte kein Motiv für den Auftrag gehabt

          Aus Sicht des Angeklagten stellt sich das freilich anders dar. Seine Verteidiger und er haben immer wieder betont, Falk habe keinerlei Groll gegen den Anwalt und nie einen solchen Auftrag erteilt. Überhaupt widersprächen die Vorwürfe in jeder Hinsicht seinem Charakter. Diese Sicht will Falk am Dienstag mit eigenen Worten verfestigen.

          Dort sagt er, dass er nie jene Rachegefühle gehegt habe, von denen die Richter überzeugt sind, dass sie Teil seines Motivs waren. Auch die vorläufige Einschätzung, dass verletzte Eitelkeit Grund für das Ausschalten eines unbequemen Gegners war, erklärt er für absurd. Im Gegenteil: Er habe eine „gigantische Frust-Resistenz“ und sei „ultraresistent“. Außerdem hätten der jahrelange Kampf im Betrugsprozess und im Zivilverfahren irgendwann derartige Spuren bei seiner Familie hinterlassen, dass sie beschlossen, „einen Schlussstrich zu ziehen“ und sich auf einen Vergleich einzulassen. Das Jahr 2009, in dessen September er den Auftrag zum Schuss auf den Anwalt gegeben haben soll, war deshalb laut Falk das entspannteste seit langer Zeit. Die Familie sei viel gereist, um sich wieder auf das Gute im Leben zu besinnen. Das Geld aus den Arresten habe er abgeschrieben „und einen Haken drangemacht“. Verfahrensmäßig sei nichts Negatives geschehen. Im Gegenteil, es habe sogar „freundliche, respektvolle“ Vergleichs-Gespräche mit dem Anwalt gegeben. „Er war kein unbequemer Gegner.“ Also, argumentiert Falk, hätte er überhaupt kein Motiv gehabt, ausgerechnet im September 2009 einen Anschlags-Auftrag zu erteilen.

          „Die einzig richtige Konsequenz, dem ins Bein zu ballern“

          Und dann gibt es da noch diese Tonbandaufnahme, um die sich in diesem Prozess so viel gedreht hat. Es ist eine heimlich gemachte Aufnahme, auf der Falk den Satz sagt, es sei die einzig richtige Konsequenz gewesen, „dem ins Bein zu ballern“. Oft ist inzwischen betont worden, dass die Aufnahme an vielen Stellen geschnitten worden ist, aber das Gericht hat dazu neulich gesagt, dass trotz allem Falks Freude erkennbar sei. Die bestreitet er auch gar nicht. Aber am Dienstag erklärt er, dass die knapp sieben Minuten lange Aufnahme aus einem mehrstündigen Gespräch zusammengeschnitten worden sein muss und er sich seine Sätze auch erst erklären konnte, nachdem er von den Schnitten erfuhr. Er ist überzeugt: Die Macher der Aufnahme – nach seinen Angaben die Verantwortlichen für den Schuss – wollten ihn damit erpressen.

          In Wahrheit habe er bei jenem Gespräch klargestellt, dass der Schuss nicht in seinem Sinn war. Er habe nur an Daten gewollt, die er bei dem Anwalt vermutete und die ihn entlasten sollten. Mit der „Mafia-Aktion“ hätten die Jungs es verbockt, will er gesagt haben. In Zukunft sollten sie von solchen Alleingängen absehen. Auch wenn sie ihm damit nur einen Gefallen tun wollten. „Ich weiß ja, wie ihr tickt“, will er gesagt haben, „aus eurer Sicht war das die einzig richtige Konsequenz, dem ins Bein zu ballern.“ Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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