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Landesvorsitzender von Haus & Grund : „Hexenjagd auf Vermieter“

Anwalt der Vermieter: Christian Streim, Rechtsanwalt und Landesvorsitzende des Eigentümerverbandes Haus & Grund. Bild: Röth, Frank

Rechtsanwalt Christian Streim kämpft für die Hauseigentümer. Der Landesvorsitzende von Haus & Grund hält die Politik für „sehr dirigistisch“ und fürchtet infolge des Wohnungsmangels eine „Hexenjagd auf Vermieter.“

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          Christian Streim kennt das Geschäft, er vermietet schließlich selbst einige Wohnungen. Aber auch als Berater weiß der Rechtsanwalt von den alltäglichen Sorgen der Vermieter. Der neue Landesvorsitzende des Eigentümerverbands Haus & Grund berät daheim im Wiesbadener Ortsverein schon seit 1993 die Mitglieder in Rechtsfragen. Wie schließt man einen Mietvertrag ab? Wo stehen die Mülltonnen am besten, damit sich niemand daran stört? Wie lange darf das Licht im Treppenhaus brennen? „Ich kenne das Ganze von der Basis aus“, sagt er.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Streim ist gebürtiger Wiesbadener und hat in seiner Heimatstadt eine eigene Kanzlei. Mittlerweile wohnt er mit seiner Frau und drei Söhnen in einem Einfamilienhaus im Rüsselsheimer Stadtteil Königstädten. Als privater Vermieter hat er wenig Auseinandersetzungen mit seinen Mietern. Von der Gegnerschaft hält er nichts: „Der Mieter ist nicht mein Feind, aus dem ich am meisten herauspressen will, sondern mein Kunde.“

          Politik „sehr dirigistisch“

          Im hessischen Landesverband sind 58000 Mitglieder in 82 Ortsvereinen organisiert. Die meisten von ihnen sind Kleinvermieter: „Das sind Eigentümer von Mehrfamilienhäusern, die nicht am schnellen Gewinn interessiert sind, sondern langfristig denken. Die Immobilie ist für sie eine Altersvorsorge“, sagt Streim.

          In letzter Zeit, berichtet Streim, mache sich unter den Verbandsmitgliedern Verunsicherung breit. Schuld daran seien immer neue Auflagen durch die Politik. Angefangen bei der Rauchwarnmelderpflicht bis zur Legionellenprüfung fragten sich Mitglieder: Wie setze ich das richtig um? Die Kosten könnten sie begrenzt weitergeben, aber das mache ihnen viel Arbeit. Viele fragten sich daher: Lohnt sich die Umlage der Kosten für einen Rauchwarnmelder wirklich? Hinzu kommen die Senkung der Modernisierungsumlage, die Mietpreisbremse, die Umstellung der Maklergebühr auf das Bestellerprinzip. Und damit nicht genug: Frankfurts Planungsdezernent fordert ein Umwandlungsverbot von Miet- in Eigentumswohnungen. Und er will die Kündigungssperrfrist von fünf auf zehn Jahre anheben. Streim meint, das alles sei „sehr dirigistisch“: „Wir sehen die Mieter ausreichend geschützt.“

          Augenmaß bei Mietpreisbremse

          Der Wohnungsmangel in den Großstädten habe zu einer bedenklichen Stimmung geführt, meint Streim. Er fürchtet eine „Hexenjagd auf Vermieter“. Auch die in Frankfurt geplante Milieuschutzsatzung schaffe ein Klima des Misstrauens. Streim kann sich schwer vorstellen, dass die Behörden allen Ernstes die Bäder nach goldenen Wasserhähnen absuchen, um Luxussanierungen zu ahnden. „Das sorgt für viel Unfrieden.“ Dabei schwinde auch die Bereitschaft, in die Immobilien zu investieren. „Was dann passiert, hat man im Osten gesehen“, sagt er.

          Der hessische Chef-Vermieter erwartet von der Landesregierung Augenmaß – auch bei der Mietpreisbremse: „Nicht überall besteht dafür Bedarf.“ Streim erwartet auch eine vernünftige Rechtsgrundlage für die Verordnung. Also eine Ermittlung, in welchen Gebieten der Wohnungsmarkt tatsächlich angespannt ist. Er will genau hinschauen: „Einen Musterprozess würden wir unterstützen.“

          Eigentümer in der Defensive

          Vor einem halben Jahr hat Streim Günther Belz als Landeschef beerbt. In der Geschäftsstelle in Frankfurt ist er nur alle zwei Wochen, die meisten Dinge regelt er von seiner Kanzlei aus. Einmal im Jahr kommen die Mitglieder zu einer Landesverbandstag zusammen. Daneben informiert die Geschäftsstelle, die Younes Ehrhardt leitet, die Mitglieder mit Rundschreiben über relevante Themen und ihre Rechten und Pflichten. Streim will die Bekanntheit des Verbands verbessern und den Organisationsgrad erhöhen – nur 20 Prozent der hessischen Eigentümer sind Mitglied. Politisch sind die Eigentümer derzeit in der Defensive. Im Verband kann Streim aber keine Unzufriedenheit spüren: „Jeder weiß, dass wir nicht das Unmögliche möglich machen können.“

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