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Landesgartenschau : Ein Säuerling aus dem Champagnerbrunnen

Heilsames Wasser: Bad Schwalbach hat einen Trinkbrunnen mehr. Bild: Cornelia Sick

Vor der Landesgartenschau nimmt Bad Schwalbach einen vierten Trinkbrunnen in Betrieb. Sein Heilwasser können die erhofften 500 000 Besucher der Landesgartenschau kosten.

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          Schon der Name dürfte viele Besucher zum Verkosten animieren. Doch aus dem neuen Champagnerbrunnen sprudelt kein edler Schaumwein französischer Provenienz, sondern ein Calcium-Magnesium-Hydrogencarbonat-Säuerling. Immerhin macht das Heilwasser aus den Bad Schwalbacher Tiefen nicht betrunken, sondern hilft bei einer Erkrankung der Harnwege.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Warum sie allerdings Champagnerquelle heißt, das hat auch die Leiterin des Bad Schwalbacher Heimat- und Kurmuseums, Martina Bleymehl-Eilers, bislang nicht mit letzter Sicherheit ergründen können. Gut möglich, dass es die Nähe zu Weinbrunnen war, die zu der Namensgebung beigetragen hat. Denn das Wasser schmeckt nach Bleymehl-Eilers bisherigen Verkostungen „ein wenig feiner als aus dem Weinbrunnen“, und Kohlesäurebläschen sollen zu einem leicht prickelnden Geschmack beitragen.

          Einst Luxusbad des internationalen Hochadels

          Die erhofften 500 000 Besucher der Landesgartenschau werden es bald kosten können, denn der Brunnen steht unmittelbar neben dem Eingang zum Kurpark und weist die Besucher somit auf die Bedeutung der Quellen für Bad Schwalbach hin. Der deutsche Arzt und Apotheker Jacob Theodor hatte schon 1581 ein Werk über die heilsamen Wirkungen des Bad Schwalbacher Wassers veröffentlicht, das damals allerdings noch Langenschwalbach hieß. Es folgten zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen über teils wundersame Heilungen. In der Folge stieg das kleine Bad Schwalbach zwischen 1648 und 1816 zum Luxusbad des internationalen Hochadels auf. Das Wasser wurde sogar abgefüllt und in alle Welt exportiert.

          Der historisch bedeutendste ist der Weinbrunnen, so genannt wegen seines angeblich weinähnlichen Wassergeschmacks. Das muss heute allerdings vor allem als Hinweis darauf verstanden werden, dass Wein vor 400 Jahren wohl deutlich anders geschmeckt hat als heute. Der Weinbrunnen gilt seit seiner Neugestaltung 1630 als Keimzelle des sukzessiv erweiterten Kurparks. Er wurde zum Mittelpunkt des beginnenden Kur- und Badelebens.

          Reichlich Kohlensäure und Eisen

          Alle Bad Schwalbacher Brunnen sind eisenhaltige Hydrocarbonatquellen, die in großer Tiefe entspringen. Die Temperatur des reichlich Kohlensäure und Eisen enthaltenden Wassers liegt zwischen acht und elf Grad Celsius. Es wird vorzugsweise direkt am Brunnen getrunken. Am bekanntesten sind neben den Weinbrunnen der Brodelbrunnen und der Lindenbrunnen, ferner der Paulinen-, der Stahl-, der Adelheid- und der Schwalbenbrunnen. Manche sind zur Trinkkur, andere nur zur Badekur empfohlen. Das Wasser des schon im 18. Jahrhundert erwähnten Ehebrunnens wurde lange Zeit zusammen mit dem Wasser des Adelheid-, Paulinen- und Rosenbrunnens in einem Reservoir zusammengeführt und ausschließlich für Badekuren und das Anrühren der Moorbäder genutzt.

          In früheren Veröffentlichungen über die Bad Schwalbacher Brunnen ist der Champagnerbrunnen nicht genannt. Bleymehl-Eiler spricht von einer „lange Zeit stiefmütterlich behandelten Altquelle“. Sie ist nach ihren Recherchen um 1826 als eine vom Weinbrunnen nur 28 Meter entfernte „Nebenquelle“ entdeckt worden. Ihr Wasser wurde wegen der großen Nachfrage zeitweise dem Weinbrunnen zugeführt. Um 1890 ist erstmals vom „Champagnerbrunnen“ die Rede, dessen Schüttung mit 3,5 Litern je Minute allerdings recht gering ist. Neben dem Stahl-, Schwalben- und Weinbrunnen ist er der vierte Trinkbrunnen, dessen Wasser die Besucher Bad Schwalbachs künftig kosten können.

          „Brunnenfrauen“ während der Landesgartenschau

          Geschmacklich sticht unter anderem der Stahlbrunnen hervor, dessen Wasser bei einem schwachen Herz-und-Kreislauf-System empfohlen wird. Er gilt als besonders eisenhaltig und wird daher seinem Namen deutlich gerechter als der Champagnerbrunnen.

          Während der Landesgartenschau gibt es „Brunnenfrauen“, die den Gästen das Wasser einschenken werden. Mit finanzieller Unterstützung des Bad Schwalbacher Vereins Haus und Grund beginnt die Champagnerquelle nun ihre eigene Tradition. Ihr Wasser fließt in ein viereinhalb Meter langes Brunnenbecken aus dunklem Basalt und von dort über acht kleine Stufen in ein zweites Becken. Landesgartenschau-Geschäftsführer Michael Falk spricht von einer „schönen Ergänzung“ zu den bislang zehn erhaltenen Brunnen der Kreisstadt und einem weiteren Baustein für eine attraktive Landesgartenschau. Getrunken wurde zur feierlichen Inbetriebnahme dann aber doch lieber echter Champagner.

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