https://www.faz.net/-gzg-9wotj

Höhe noch unklar : Kopfprämie für Landschaftspfleger auf vier Beinen

Landschaftspfleger: Schafe auf der Weide Bild: dpa

Mit dem Fleisch ihrer Schafe und Ziegen verdienen Weidetierhalter kaum Geld. Wolle bringt gar nichts ein. Aber die Tiere sind wichtig für die Landschaftspflege. Deshalb führt Hessen eine Prämie ein. Doch Schäfer haben weitere Fragen.

          2 Min.

          Während es um ihn herum aus mehreren Schwarzköpfen blökt, freut sich Hubertus Dissen „grundsätzlich“ über die Nachricht aus Wiesbaden: Das Land führt eine Prämie für Weidetiere ein. Eine Million Euro will es noch in diesem Jahr auf Antrag von Schwarz-Grün an Halter von Schafen und Ziegen auszahlen. Einer von ihnen ist Hubertus Dissen, der zweite Vorsitzende des Hessischen Verbands für Schafzucht und -haltung. Mit der gerade im Landtag beschlossenen Prämie will das Land den Tierhaltern finanziell unter die Arme greifen. „Wir helfen damit die wirtschaftliche Existenz der hessischen Weidetierhalterinnen und Weidetierhalt zu sichern und die Landschaftspflege zu erhalten“, sagt Landwirtschaftsministerin Priska Hinz zu Begründung. Hessen sei nach Thüringen und Sachsen eines der wenigen Bundesländer mit einer solchen Prämie.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Weidetierhaltung sei nicht nur für die Landschaftspflege, sondern auch für den Naturschutz besonderen bedeutend. „Der Artenreichtum lässt sich durch gezielte Beweidung erhalten, weil Verbuschung zurückgedrängt wird und wertvolle Pflanzensamen durch die Tiere weitergetragen werden“, erläutert die Ministerin. Schäfer Dissen wird solche Sätze gerne unterschreiben. Schließlich hebt er im Gespräch mit der F.A.Z. genau diese Rolle der Schafe und Ziegen hervor.

          20.000 Euro je Halter über drei Jahre verteilt

          Doch dass er die Prämie nur im Grundsatz gutheißt und nicht vollumfänglich, hat mehrere Gründe. Erstens sei unklar, wie die neue Regel ausgestaltet werde. Mehr als 20.000 Euro über drei Jahre verteilt dürfe das Land als Sonderprogramm je Halter nicht auszahlen. Sonst gebe es Ärger mit der Europäischen Kommission, die über die Höhe von Beihilfen wacht. Zweitens stehe dahin, wie hoch die Prämie je Muttertier sein werde. Dissen geht von 20 Euro aus, während Sachsen 40 Euro zahle. Auf seinen eigenen Betrieb hochgerechnet würde das bedeuten: „Ich bekomme höchstens für ein Drittel meiner Schafe die Prämie.“ Dissen hält nach seinen Worten rund 1000 Schafe. „Damit bin ich einer der Großen in Hessen.“ Nach Angaben des Verbands werden in Hessen insgesamt rund 120.000 Schafe in 5100 Betrieben gehalten. Das sind etwa 23 Schafe je Betrieb.

          Drittens will er die Muttertierprämie nicht mit Zahlungen im Zusammenhang mit dem Vordringen von Wölfen in Hessen vermischt sehen. Schutz der Herden gegen Wölfe etwa durch spezielle Zäune kostet viel Geld. Und wenn es vielen Weidetierhaltern an etwas mangelt, dann am Geld. „Nicht umsonst haben wir in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren rund eine Million Mutterschafe verloren“, sagt Dissen.

          „Vielleicht werfe ich die Wolle weg“

          Der Nordhesse hält Schwarzkopfschafe. Deren Wolle ist nicht so fein wie jene von Merinoschafen. Und sie bringt ihm nach seinen Worten nichts ein. „Ich habe hier zehn Tonnen Wolle liegen, im Zweifel werfe ich sie weg“, sagt er. Denn in Deutschland werde Wolle nicht mehr en gros verarbeitet und das Ausland nehme nichts an derzeit. Vor ein paar Jahren habe er noch bis zu einem Euro je Kilogramm Wolle bekommen, drei Kilogramm habe die Schur je Schaf gebracht. Das habe ausgereicht, um die Schurkosten zu denken. Daran sei derzeit nicht zu denken.

          Die im Sommer steil abgestürzten Fleischpreise erholten sich zumindest. „Da fehlten 30 Cent je Kilogramm.“ Aber unter dem Strich könnten Schäfer von ihren Tieren kaum leben. Sie seien auf Flächenprämien und Zahlungen für die Landschaftspflege angewiesen. Das hebt auch Hinz hervor. 2018 habe Hessen als erstes Bundesland eine flächenbezogene Herdenschutzprämie für Schaf- und Ziegenhalter eingeführt. „Diese Unterstützung wurde im Jahr 2019 von 17 auf 31 Euro je Hektar aufgestockt und wird in diesem Jahr nochmals auf 40 Euro je Hektar erhöht“, heißt es in Wiesbaden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abes große Pläne : Japan ruft den Coronavirus-Notstand aus

          Japans Ministerpräsident Shinzo Abe zieht in der Pandemie einen Vergleich mit der großen Depression in den Vereinigten Staaten in den dreißiger Jahren. Seine Abhilfe: ein Konjunkturprogramm im Umfang von umgerechnet 915 Milliarden Euro.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.