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Gitarren-Manufaktur Lakewood : Ein Unikat mit sechs Saiten nach eigenem Geschmack

Wunschkonzert: Lakewood baut auch Gitarren, so wie Kunden es wünschen Bild: Eilmes, Wolfgang

Gitarrenbauer greifen gern auf exotische Hölzer zurück. Die Gießener Manufaktur Lakewood fertigt nun auf Kundenwunsch aber Instrumente auch nur aus heimischen Hölzern.

          Lieber Haselfichte aus Deutschland für die Decke der Gitarre als kanadische Sitka-Fichte? Der Boden soll besser aus Kirschbaum statt aus amerikanischer Myrte bestehen? Und die Ränder wie Verzierungen möchte der Kunde aus heimischem Birnbaum herstellen lassen und nicht aus Mahagoni aus Afrika? Die Manufaktur Lakewood verwirklicht solche Wünsche fortan. Diese Neuheit präsentiert das Unternehmen aus Gießen auf der Musikmesse in Frankfurt, die heute Nachmittag auch für das Publikum ihre Türen öffnet.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit ihrem Angebot für Gitarristen mit Sinn für Individualität und Umweltschutz stärkt die Manufaktur ihr Alleinstellungsmerkmal in der Branche: Im sogenannten Customshop auf der Lakewood-Internetseite können sich Kunden ihr Wunschinstrument zusammenstellen – per 3D-Konfigurator. Natürlich stehen dort auch exotische Holzer wie etwa Palisander und Koa zur Auswahl, die im Gitarrenbau gerne allgemein verwendet werden. Einen solchen virtuellen Gitarren-Designer bietet in dieser Form kein anderer Konkurrent, wie Gesellschafter und Marketingchef Markus Hoppe hervorhebt. Das wiederum passt gut zum Charakter einer Manufaktur. Schließlich hebt sich solch ein Unternehmen von Massenherstellern dadurch ab, dass es nicht nur ein bestimmtes Produktprogramm abspulen muss.

          „Wir haben im Betrieb eine Menge Talente“

          Auch mit der zehn Jahre geltenden Garantie bewegen sich die Mittelhessen in der Spitzengruppe der Hersteller akustischer Gitarren. Bleibt es doch meist bei einer Garantie von zwei Jahren. Nur Branchenriese Taylor aus Kalifornien übertrifft seit Kurzem die Gießener, indem er zwölf Jahre Garantie gibt, wie Hoppe sagt. Auf die Idee, einen 3D-Konfigurator anzubieten, kam Lakewood nach den Worten von Gründer Martin Seeliger infolge einer Reihe von Telefonaten mit Kunden. Telefonisch ließen sich Fragen nicht immer befriedigend klären.

          Das Programm für den virtuellen Gitarren-Designer hat die 15-Mann-Firma selbst geschrieben. „Wir haben im Betrieb eine Menge Talente“, sagt der Chef schmunzelnd. So habe ein Mitarbeiter auch die Bilder für das Lakewood-Handbuch fotografiert. Nur gedruckt habe Lakewood die Broschüre nicht. Dabei geht es Seeliger nicht darum, Kosten zu vermeiden. „Das Handbuch muss eine hohe Wertigkeit haben, damit es bei Kunden und Interessenten möglichst länger im Wohnzimmer liegt statt im Papiermüll zu landen.“

          Rege Bestellungen im Customshop

          Diese Investition zahlt sich aus, wie er sagt. Die Broschüre habe sich als starker Imageträger entpuppt. Und in barem Geld zahle sich der 3D-Konfigurator aus. „Es vergeht kein Tag ohne Bestellung im Customshop.“ Gut ein Drittel des Umsatzes hole die Firma über das Internet herein. Die Instrumente werden aber nicht direkt, sondern über Händler in der Nähe des jeweiligen Kunden ausgeliefert. 38 Vertriebspartner hat Lakewood laut Hoppe in Deutschland. Hinzu kämen Händler im Ausland. Märkte jenseits der Grenzen stehen längst für einen namhaften Umsatzanteil. Auf rund 40 Prozent beziffert er die Auslandserlöse. Asien sei eine wichtige Absatzregion und China dort der am stärksten wachsende Markt. Bis zu 120 Instrumente wolle Lakewood dort in diesem Jahr verkaufen. „Das klingt nach nicht viel, aber für unsere Verhältnisse ist das beachtlich“, sagt Hoppe.

          Alles in allem rechnet Seeliger für 2014 mit etwa 1300 ausgelieferten akustischen Gitarren. Das wären beinahe doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Mögen Händler landauf, landab auch klagen, Instrumente verkauften sich nicht so gut: Der Umsatz von Lakewood wächst laut Hoppe seit geraumer Zeit um zehn bis 15 Prozent im Jahr.

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