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Laith Al-Deen : Beziehungsgeflechte aller Art

  • -Aktualisiert am

Wie hier in Leipzig, bewährt sich Laith Al-Deen auch in Offenbach auf der Bühne. Bild: dapd

Erfolg bringt Privilegien. Laith Al-Deen kann im zwölften Karrierejahr sein Vorprogramm selbst bestimmen. Er hat sich für Mark Forster entschieden.

          Der Nachwuchs hat eine knappe halbe Stunde Zeit für Songs seines noch nicht erschienenen Albums. Forster reiht sich nahtlos ein in die Liga verdrossener Jungmänner wie Tim Bendzko, Johannes Oerding und Philipp Poisel, die derzeit mit in Liedern bloßgelegten Seelenqualen mehr oder minder gegen deutsche Pop-Durchschnittlichkeit ankämpfen: „Wo ist Dein Feuer?“.

          Laith Al-Deen bleibt eine halbe Stunde später eine Antwort auf die eigentlich nicht an ihn gerichtete Frage keineswegs schuldig. Muss sich doch der in wenigen Wochen 40 Jahre alte Vokalist mit der samtenen Soulstimme um künstlerisches Flammenlodern keinerlei Sorgen machen. Mit einem Wechselbad aus Zweckoptimismus und Schicksalsergebenheit fordert der Deutschiraker zum Auftakt im ausverkauften Offenbacher Capitol kompromisslose Hingabe: „Wir brechen auf, auch wenn wir scheitern“, orakelt er im Song „Gib dich frei“, der im flotten Disco-Rhythmus schwitziges Samstagnachtfieber beschwört.

          „Leb den Tag“, „Sicher sein“ - ’ein gefälliges Klangkorsett aus Pop, Rock und Soul’

          Zweifelsohne besitzt der zum Teil in den Vereinigten Staaten aufgewachsene Mannheimer Kampfgeist. Schließlich hat er erst kurz vor Tourneebeginn tapfer eine Leistenbruchoperation überstanden. Weitere Ratschläge und Lebenshilfen parat hält der schwarzhaarige Sänger, Texter und Komponist mit der stämmigen Figur auch: „Leb den Tag“, „Sicher sein“ und das der Aktion „Starthilfe“ des christlichen Hilfswerks World Vision gewidmete „Lied für die Welt“ verkünden mehr oder minder alle Botschaften selbstloser Nächstenliebe. Ordentlich verpackt von seinen vier kompetenten Begleitern in ein gefälliges Klangkorsett aus Pop, Rock und Soul.

          Prinzipiell handelt es sich um die gleiche Mixtur, die auch der andere Sohn Mannheims, Xavier Naidoo, nur eine Spur epischer, gläubiger und breitenwirksamer, bevorzugt. Dass die eingängige Formel ursprünglich von Deutsch-Soul-Veteran Edo Zanki stammt, der in den siebziger und achtziger Jahren wertvolle Pionierarbeit leistete, ohne angemessenen Erfolg dafür zu ernten, dürfte im Publikum wohl nur einer Minderheit bekannt sein. Als Laith Al-Deen im Jahr 2000 mit dem Hit „Bilder von Dir“ debütierte, riefen bei Radiosendern noch Hörer an, weil sie glaubten, Zanki gehört zu haben.

          Mit dem Gesang über Alltagssituationen und der Liebe zum Erfolg

          In seinen Texten befasst sich der in Jeans, schwarzes Hemd und weiße Stiefelletten gekleidete Frauenschwarm Laith Al-Deen vorzugsweise mit Alltagssituationen. Banalitäten aus dem Zwischenmenschlichen. Mittlerweile gibt er in „Alles an Dir“ und „Sag mir, dass du es bist“ auch Tipps für Singles, wie es endlich mit der trauten Zweisamkeit klappt. Garniert mit der ewig bangen Ungewissheit, die in melodramatischer Hoffnung der schönen Zeile „Lass es diesmal Liebe sein“ gipfelt. Beziehungsgeflechte aller Art behandelt auch das obligatorische vierteilige Unplugged-Set.

          Wie facettenreich das stilistische Spektrum wuchert, unterstreicht die schnörkellose Funkhymne „Nur einen Meter“. Dass Laith Al-Deen und seine Musiker solide Handwerker sind, zeigen sie, wenn sie in „Sterne“ das Genre Space Rock ausloten. Doch stößt das griffige Konzept hier auch schnell an seine selbstauferlegten Grenzen. Allzu abgedreht und individualistisch darf schließlich das Programmschema für den Massengeschmack nicht sein. So bleibt Beliebigkeit, mit angedeutetem Tiefgang.

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