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Laissez-faire in Corona-Zeiten : Spiel mit dem Feuer

  • -Aktualisiert am

Noch immer in der Krise: Viele Menschen treffen sich derzeit draußen, das Virus scheint vergessen. Bild: dpa

Die Sehnsucht nach Gemeinschaft wie am Opernplatz ist verständlich. Die sich breitmachende lockere Haltung zum Coronavirus ist hingegen unverständlich. Es gilt, soziale Intelligenz walten zu lassen.

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          Mitten im Sommerloch brechen die vermutlich wichtigsten Wochen des Jahres an. Zwar stehe eine zweite Welle der Pandemie trotz wieder ansteigender Infektionszahlen in Hessen oder anderen Teilen der Republik nicht unmittelbar bevor. Aber jetzt gilt es, sie gemeinsam langfristig zu verhindern. Wie viel mörderische Kraft das Virus weiterhin besitzt, zeigt sich in den Vereinigten Staaten und Südamerika.

          Ob Covid-19 auch hierzulande wieder grassieren kann, hängt davon ab, wie viel soziale Intelligenz jeder Einzelne bereit ist, walten zu lassen. Wenn Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation und das Robert-Koch-Institut von den jüngsten Zahlen in Teilen Europas alarmiert und über die Entwicklung in Deutschland zumindest besorgt sind, dann ist das keine Panikmache.

          Sehnsucht nach Gemeinschaft

          So erfreulich daher die Nachrichten von einem an diesem Wochenende friedlichen Frankfurter Opernplatz auch sind: Keine Krawalle mehr, das ist schön – alles gut ist damit aber noch lange nicht. So verständlich die Sehnsucht nach Gemeinschaft auch ist: Quer durchs Land verfestigt sich eine Partystimmung, Ausdruck des Gefühls, man selbst jedenfalls sei gefeit vor dem kleinen stacheligen Biest.

          Dessen Verhalten ist jedoch weiterhin wenig erforscht, was auch dafür gilt, wie sich sie Aerosole ausbreiten, jene Minitröpfchen, die das Virus transportieren. Jedenfalls ist, weil längst nicht wissenschaftlich untermauert, die These sehr steil, unter freiem Himmel könne man sich eigentlich nicht infizieren.

          Brandgefährliche Laissez-faire-Haltung

          Es sind nicht daher nur die Pessimisten unter den Epidemiologen, die eine sich breitmachende Laissez-faire-Haltung für brandgefährlich halten und vor einer ähnlichen Lage wie im Frühjahr warnen. Auch damals fühlten sich viele immun gegen Corona, das zwar in China Großstädte zu Geisterorten werden ließ und mit Skifahrern in Tirol auf den Tischen tanzte, aber wohl doch nicht so dreist sein würde, einen nach Hause zu begleiten.

          Auch wenn manch einer das nicht mehr hören kann: Vorsicht und Hygiene und testen, testen, testen bleibt das Gebot auch in den nächsten Wochen. Gerade, wenn man es im Urlaub etwas lockerer hatte angehen lassen. Nur das kollektive Bewusstsein, jeder müsse für sich und die Gemeinschaft weiterhin achtsam sein, kann verhindern, dass Beschränkungen im öffentlichen wie privaten Leben wieder verschärft werden müssen.

          Ja, die Masken nerven und das Abstandsgebot auch. Aber sollte ein zweiter Lockdown nötig werden, hätte das für das Gemeinwesen und für die nur ganz langsam wieder auf die Beine kommende Wirtschaft fatale Folgen.

          Helmut Schwan

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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