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Lahntalbrücke Limburg : Schöner wohnen über dem Fluss

  • -Aktualisiert am

Blick vom Dom auf Limburgs neues Streitobjekt: Ob die alte Autobahnbrücke der neuen weichen muss, dazu fällt in der nächsten Woche der Vorentscheid. Bild: Waldner, Amadeus

Die Lahntalbrücke bei Limburg sollte abgerissen werden, nun plant ein Investor dort Luxusbauten. Kritik kommt auf, auch an Bürgermeister Richard. Seine politische Zukunft hängt mehr an dem Projekt, als ihm lieb ist.

          Mit einem Ruck öffnet Bernhard Wagner das schwere, getrübte Fenster in der ehemaligen Sakristei des Limburger Doms. Der Kirchenschweizer gibt den Blick auf die Lahn frei. Bevor der Fluss sich seinen Weg entlang des Dombergs bahnt, passiert er 850 Meter entfernt die Pfeiler der A-3-Lahntalbrücke. „Jeden Morgen habe ich diesen Ausblick auf die Lahntalwiesen und die umliegenden Gemeinden. Aber dieser Egenolf will da vier hässliche Klötze mittenrein hängen“, echauffiert sich der 56 Jahre alte Mann.

          Gemeint ist Albert Egenolf. Und die „hässlichen Klötze“ sind dessen Projekt, das der Unternehmer „Brücke der Zukunft“ nennt. Auf die eigentlich zum Abriss bestimmte und 397 Meter lange Autobahnbrücke will der Geschäftsmann aus Runkel-Dehrn einen „weltweit einmaligen architektonischen Meilenstein“ setzen.

          Brücke ist marode

          Nicht ohne Stolz präsentiert Egenolf ein Modell, das die Weimarer Bauhaus-Akademie angefertigt hat. Es zeigt die beiden Lahntalüberquerungen. Auf der alten Brücke stehen vier kantige Gebäude mit jeweils elf Stockwerken - vier unterhalb und sieben oberhalb der Fahrbahn. Was da in klein aus Holz und Pappe entstanden ist, soll bis 2020 Realität werden: Insgesamt 28.000 Quadratmeter Bruttofläche sollen für Gewerbe- und Wohnraum mit bestem Blick auf den Dom sorgen.

          Unternehmer Albert Egenolf: Seine „Brücke der Zukunft“ soll das „Ruhestandsprojekt“ für ihn werden.

          70 Jahre lang hat die Brücke die Lasten des Autobahnverkehrs getragen. Im Durchschnitt 95.000 Fahrzeuge täglich haben ihre Spuren hinterlassen. Spaziergänger im Tal meinen, ein Gewitter ziehe auf, wenn in 57 Meter Höhe Lastwagen über die marode Brücke donnern. An einigen Stellen ist der Beton aufgeplatzt, die Pfeiler haben Risse. In einem Bericht der Hessischen Straßen- und Verkehrsverwaltung aus dem Jahr 2010 wird die Brücke als „(ur-)alt“ beschrieben, einige Teile seien „desolat“. Die Bruchsicherheit unterschreitet den Sollwert, die Schwingbreite ist an manchen Stellen um das 3,6-Fache zu hoch - die Brücke hat ausgedient.

          Brücke sichern und weiternutzen

          Wenige Meter entfernt stehen deshalb sechs Kräne. Der Neubau für etwa 100 Millionen Euro soll von 2017 an den Verkehr der A 3, die den Kölner Raum mit dem Rhein-Main-Gebiet verbindet, übernehmen. Die alte Brücke sollte abgetragen und die Pfeiler sollten gesprengt werden - so sah es der Plan des Bundes vor.

          Einmalig wäre sie ja: „Die Brücke der Zukunft“

          Egenolf will die alte Brücke jedoch stabilisieren und weiter nutzen. Sein Vorhaben ist ehrgeizig: Exklusive Wohnungen in den oberen Geschossen, dazu Büros, Hotelzimmer und Restaurants sollen „Limburg aufwerten“, sagt Egenolf. In einem der Türme soll ein Kongresszentrum entstehen, Fahrstühle sollen bis in das Tal hinabreichen.

          „Verschandelung der Stadt“

          Daniel Stenger (SPD) will das nicht hinnehmen. Der Stadtverordnete ist ein Gegner des Brückenumbaus. „Das Projekt ist viel zu groß für eine Kleinstadt wie Limburg. Optisch, finanziell - in jeder Hinsicht.“ Brücken und Hochhäuser, für Stenger bedeutet das einen „Zweckbau zum Quadrat“. Bauflächen für Bürogebäude gebe es genügend nahe des Limburger ICE-Bahnhofs. Eine Bebauung der Brücke sei nicht notwendig. Zumal die Gesetzeslage eindeutig sei: Längs von Autobahnen dürfen in bis zu 40 Meter Entfernung keine Hochbauten entstehen. So will es das Bundesfernstraßengesetz. Egenolfs Bauprojekt sieht an der engsten Stelle nur eine Distanz von 25 Metern zwischen Fassade und neuer Brücke vor. Für Stenger „der Knackpunkt“ des Projekts.

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