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Hessische Rentner : Senioren fahren auch mit 70 noch gerne Auto

Immer mehr Rentner: Hessens Regierung hat sich genauer mit der älteren Generation beschäftigt. Bild: dpa

Eine Anfrage zur Lage der älteren Generation in Hessen zeigt interessante Ergebnisse. Im Vergleich zu dem Bundesdurchschnitt gibt es den einen oder anderen Unterschied.

          Greta Thunberg und ihren jungen, grünen Freunden zum Trotz: Deutschland gilt als Rentnerrepublik. Jeder zweite Wähler ist älter als 52 Jahre. Und die Gruppe zwischen 60 und 69 Jahren ist die fleißigste. Vier von fünf machen regelmäßig ihr Kreuzchen. Am häufigsten übrigens bei Union und Sozialdemokraten. In Hessen ist jeder Vierte älter als 60 Jahre. Die Tendenz steigt.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Dies mag, neben den edlen empathischen Motiven, erklären, warum die SPD-Fraktion im Hessischen Landtag sich in einer aufwendigen parlamentarischen Initiative mit 46 Fragen zur „Lage der älteren Generation in Hessen“ an die Landesregierung gewandt hat. Die Antwort, die das Sozialministerium federführend erarbeiten musste, fällt mit 18 Seiten erwartungsgemäß ausführlich aus.

          Viel ehrenamtliches Engagement

          Dass die Situation der hessischen Senioren sich von den Altersgenossen in ganz Deutschland wesentlich unterscheiden würde, lässt sich nicht sagen – abgesehen von einigen Ausnahmen. So engagieren sich knapp 38 Prozent der mehr als 64 Jahre alten Hessen ehrenamtlich. Das sind immerhin knapp vier Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt.

          Im Vergleich zur hessischen Gesamtbevölkerung setzen sich die Älteren allerdings etwas weniger für das Gemeinwesen ein. Der Durchschnitt ist das Resultat von zwei gegensätzlichen Tendenzen. Einerseits haben viele Senioren besonders viel Zeit, die sich regelmäßig sinnvoll nutzen lässt. Andererseits sind viele nicht mehr fit genug, um sich ehrenamtlich zu betätigen.

          Gute Versorgung

          Die Sozialdemokraten haben sich auch nach der medizinischen Versorgung erkundigt. Die Antwort lautet: „Auf Basis der Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung besteht aktuell in keinem Planungsbereich eine Unterversorgung für die allgemeine, fachärztliche Versorgung noch droht diese. Einzige Ausnahme bildet die Versorgung mit Augenärzten im Odenwaldkreis.“ Eine „drohende Unterversorgung“ mit Allgemeinmedizinern wird in sechs Planungsbereichen konstatiert, darunter Idstein, Dieburg, Groß-Umstadt und Erbach. In 27 hessischen Gemeinden gibt es keine Apotheke. Das betrifft nach den Angaben des Ministeriums 1,3 Prozent der Gruppe im Alter von mindestens 65 Jahren. Es ist zugleich ein Indiz für die existenzgefährdenden Rahmenbedingungen, denen die Apotheken ausgesetzt sind.

          Dem Einzelhandel scheint es besser zu gehen. Jedenfalls gelangt das Ministerium nach einer Sichtung des Unternehmensregisters zu der Feststellung, „dass in jeder Gemeinde mindestens ein Betrieb in dieser Branche erfasst ist“. Wer trotzdem gelegentlich oder regelmäßig in die Nachbarstadt fahren will, kann im günstigen Fall den Bus nehmen.

          Mehr Autos mit höherem Alter

          Die SPD hat auch gefragt: „Welche fußläufige Entfernung zu einer Haltestelle des ÖPNV hält die Landesregierung für einen gesunden Menschen im Alter ab 65 Jahre für zumutbar?“ Die Antwort: „Diese Frage kann die hessische Landesregierung nicht beantworten, da sie nicht pauschal, sondern nur individuell zu beantworten ist.“ Es gibt aber auch weiterführende Erkenntnisse. Dazu gehört die Information, dass es in 73 der 423 hessischen Kommunen zusätzliche Bürgerbusse gibt, die den öffentlichen Personennahverkehr ergänzen und meistens kostenlos sind.

          Eine große Mehrheit der Senioren verfügt über ein Auto. Allerdings nimmt deren Zahl nicht, wie man es erwarten würde, mit steigendem Alter ab. So verfügen von den Menschen im Alter zwischen 65 und 69 Jahren 77,8 Prozent über ein Fahrzeug. Bis zum Alter von 79 Jahren liegt der Anteil der Autobesitzer höher, nämlich bei 82 Prozent. Erst von achtzig Jahren an schafft offensichtlich mancher den Wagen ab, so dass der Anteil in dieser Gruppe bei 68,2 Prozent liegt.

          Für die aktuelle Debatte, die Union und SPD in Berlin über die Grundrente führen, sind die Zahlen zum Vermögen der hessischen Senioren interessant. 2014 lebten sechzig Prozent von ihnen in ihrem Eigentum. Für die gesamte Bevölkerung in Hessen nennt das Statistische Bundesamt eine Quote von 46,7 Prozent. Der Wert für ganz Deutschland lag um einen guten Punkt darunter.

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