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Kommentar : Wunschdenken Lärmpause

Hör´ ich da was? Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, Verfechter der Lärmpausen am Frankfurter Flughafen Bild: dpa

Der erste Lärmpausentest läuft. Es hängt nicht zuletzt von der persönlichen Lebenssituation ab, ob man die zusätzliche Stunde Ruhe am Abend unter dem Anflug der Nordwestlandebahn und der Centerbahn als Gewinn gegenüber der Verdichtung am Morgen empfindet.

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          Im Interesse der Flughafenanrainer und der Region überhaupt wünscht man sich, dass die Lärmpausen, von denen der hessische Verkehrs- und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) sich und anderen so viel verspricht, funktionieren werden.

          Wenn der Wind tatsächlich von Westen weht und die Flugzeuge von Osten anfliegen, werden allerdings die Menschen im Frankfurter Süden sowie in Offenbach und in Teilen des Main-Kinzig-Kreises am frühen Morgen erst einmal zu spüren bekommen, dass die Lärmpausen der einen eine Lärmverdichtung für die anderen bedeuten. Denn profitieren werden an einem solchen Morgen erst einmal nur die Neu-Isenburger.

          „Bündelung“ der Landungen

          Unter dem Anflug auf die Nordwestlandebahn und auf die Centerbahn wird es dagegen noch weniger Pausen geben, was Fluglärm betrifft. Nichts anderes bedeutet es, wenn das Ministerium von „Bündelung“ der Landungen spricht. Es hängt nicht zuletzt von der persönlichen Lebenssituation ab, ob man die zusätzliche Stunde Ruhe am Abend unter dem Anflug der Nordwestlandebahn und der Centerbahn als Gewinn gegenüber der Verdichtung am Morgen empfindet.

          Skeptisch stimmt auch, dass es bei Ostwetterlage erst einmal gar keine Pausen gibt, weil die Fluglärmkommission diesen Teil des Modells für unsinnig hält. Sie hat es nur dezenter ausgedrückt.

          Auch das Tauziehen in den Kulissen zwischen Ministerium und Flugsicherung um die Frage eines förmlichen Amtshilfeersuchens nährt den Verdacht, dass es sich bei den Lärmpausen um eine heikle und unausgegorene Sache handelt. Sicherlich haben alle sehr ernsthaft an den Modellen mitgearbeitet - die Landesregierung, die Flugsicherung, der Flughafenbetreiber Fraport und die Deutsche Lufthansa. Die inoffiziellen Einschätzungen hören sich allerdings, zurückhaltend formuliert, sehr viel weniger euphorisch an als die offiziellen Meldungen und als der Begleittext zum hübschen Lärmpausenvideo aus dem Hause Al-Wazirs.

          Ein interessantes Detail: Das Video zum Lärmpausentag beginnt mit dem Abend. Womöglich wird er in den Vordergrund gerückt, weil dann die Entlastungen rechnerisch opulenter ausfallen als am Morgen. Am Ende dürfte auch Minister Al-Wazir klar sein, dass mit Lärmpausen nicht viel zu gewinnen ist. Zumal vermutlich der Zeitpunkt nicht lange auf sich warten lassen wird, an dem Fluggesellschaften von unzulässigen Kapazitätseinschränkungen reden werden. Dann ist ohnehin Schluss mit den Pausen.

          Jochen Remmert
          (jor.), Rhein-Main-Zeitung

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