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KZ-Außenstelle in Walldorf : Das Grauen im Keller unter der Küchenbaracke

Von 23. August bis 24. November 1944 existierte das Außenlager des elsässischen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof, fanden die drei Jugendlichen heraus. In sechs Baracken wohnten die Frauen bis zu ihrer weiteren Deportation, die von den 1700 ungarischen Frauen nur 300 überlebten. Wochen nach dem Krieg sprengte man das Lager am Stadtrand von Walldorf. Kurz darauf wurde das Gelände wiederaufgeforstet. Bald gab es keine sichtbaren Spuren mehr von den Geschehnissen im Herbst 1944.

Leugnen wurde immer schwieriger

Vor allem Augenzeugen von damals springen den Jugendlichen bei ihrer Aufklärung bei und erzählen von ihren Erinnerungen. Einer dieser Augenzeugen berichtet, dass er im Herbst 1944 mit seinem Rad im Wald nahe Walldorf unterwegs war, um Fallobst zu sammeln. Auf einmal sah er zwei Häftlingsfrauen, die dort arbeiteten. Er gab ihnen ein paar Äpfel, musste jedoch flüchten, als ihn ein Wachmann anschrie, dass er verschwinden solle.

Immer schwieriger wurde es bei solchen Stimmen, die Geschehnisse im Außenlager Walldorf am Stadtrand des Ortes kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges weiter zu ignorieren oder zu leugnen. 1980 erreichen die drei Jugendlichen mit Unterstützung der DKP, die in der Stadt bis heute Wahlerfolge erzielt, dass ein Gedenkstein aufgestellt wurde, um an die misshandelten und verstorbenen Mädchen und Frauen zu erinnern.

Jüdin Horváth überlebte das KZ

Das war der Abschluss von acht Jahren anstrengender Recherche. „Vieles war dadurch schon erforscht, ich hätte aber nicht gedacht, dass es noch so vieles über das Lager herauszufinden gab“, sagt Cornelia Rühlig. Die Verdrängung der NS-Zeit in einem großen Teil der bundesrepublikanischen Bevölkerung hat die Einundsechzigjährige bereits in der Schulzeit erlebt. Der Geschichtsunterricht an ihrem Gymnasium in Esslingen brach mit der Weimarer Republik ab. Alles danach sei nur Chaos, erklärte man ihr. 1973 machte sie ihr Abitur, ohne überhaupt einmal über die NS-Zeit gesprochen zu haben.

Diesen Mangel machte sie in ihrem Arbeitsleben später mehr als wett. 1984 begann sie als Stadthistorikern in Mörfelden-Walldorf zu arbeiten. Rühlig reizte das Arbeiten in der „Peripherie“, wie sie sagt. In den ersten Jahren in Mörfelden-Walldorf beschäftigte sie sich allerdings kaum mit dem Außenlager. Zu grundlegend schienen ihr die Recherchen der drei Jugendlichen. Das änderte sich, als sie einige Jahre nach ihrer Ankunft in Mörfelden-Walldorf die ungarische Jüdin Margit Horváth kennenlernte, eine der Überlebenden des Außenlagers Walldorf.

Mehr Schüler wollen recherchieren

Bis dahin hatte Horváth mit kaum jemanden über das gesprochen, was sie im Außenlager in den Herbstmonaten 1944 erlebt hatte. Erst im Gespräch mit Rühlig öffnete sich Horváth, und es „sprudelte aus ihr heraus wie aus einem Wasserfall“, sagt Rühlig. Das war der letzte Anstoß für sie, sich stärker mit dem Außenlager zu befassen.

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