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: Kunstwunderknabe

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Es war ein kulturpolitischer Traum der späten achtziger Jahre: Aus dem als nüchtern verschrieenen, gewiß immer dem Wort eher als dem Bild zugewandten Frankfurt sollte eine Kunststadt werden. Mit Galerienhaus, Art Frankfurt, Atelierprogrammen.

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          Es war ein kulturpolitischer Traum der späten achtziger Jahre: Aus dem als nüchtern verschrieenen, gewiß immer dem Wort eher als dem Bild zugewandten Frankfurt sollte eine Kunststadt werden. Mit Galerienhaus, Art Frankfurt, Atelierprogrammen. Man hoffte auf eine Sogwirkung: Nicht nur Sammler, sondern eine junge Szene wollten der damalige Kulturdezernent Hilmar Hoffmann und seine Mitstreiter an den Main locken. Der ganz große Aufbruch freilich gelang nicht. Schon allein wegen Berlin, das nach dem Fall der Mauer die nach Neuem strebenden bildenden Künstler magisch anzog.

          2005 freilich lautet für viele die Devise: In der Hauptstadt leben, im Schatten der Bankentürme ausstellen. Denn mittlerweile hat sich Frankfurt tatsächlich zu einer Kunststadt entwickelt. In einem etwas anderen Sinn, als zu Zeiten geplant war, in denen die öffentlichen Mittel noch üppig flossen. Aus den Institutionen heraus nämlich, in denen eine jüngere Generation von Direktoren und Kuratoren nicht länger nur nach dem Stadtsäckel schielt, sondern sich überall Partner sucht, international kooperiert und mit frischen Konzepten bei Fachleuten wie einem breiteren Publikum für Furore sorgt. Städelschule und Portikus, Museum für Moderne Kunst (MMK), Schirn und Kunstverein haben ein Frankfurter Kunstwunder möglich gemacht, das gerade auch außerhalb der Stadt für Erstaunen sorgt - dominierten doch über Jahre hinweg Negativschlagzeilen die überregionale Berichterstattung über die Frankfurter Kultur.

          Mit Kunstvereins-Chef Nicolaus Schafhausen verläßt alsbald eine Hauptperson des kunstpolitischen Aufschwungs die Stadt. Der Vorstand des Kunstvereins sollte sich bei der Suche nach einem Nachfolger gut beraten lassen, damit die Stimme dieser Einrichtung im Konzert aller ähnlichen Häuser so unverwechselbar bleibt wie unter seinem noch amtierenden Leiter. Und doch so gut abgestimmt auf die Arbeit der anderen wie bisher. Mit die beste Veranstaltung zum Adorno-Jahr, eine Schau, die eine neue Lust an der Malerei vor Augen führte, und immer wieder das Thema Globalisierung: Schafhausen hat Maßstäbe gesetzt und dafür etliche Preise eingeheimst. Die Richtung stimmt. Sie zu ändern wäre fatal für das durchaus fragile Spiel der kulturellen Kräfte in der Stadt. MICHAEL HIERHOLZER

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