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Kunstschau über Insekten : Motten, Fliegen, Hummeln

Lea Grebe, o.T. (Käfer groß), 2018 Bild: Lea Grebe, Courtesy of Karin Wimmer Contemporary Art

Das Bad Homburger Sinclair-Haus widmet sich Insekten in der Kunst. Die Schau zeigt, dass selbst die unangenehmen Plagegeister faszinierende Wesen sind und eine eigene Schönheit besitzen.

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          Die insektenfreie Windschutzscheibe ist zum Symbol für eine aus den Fugen geratene Umwelt geworden. In der Videoinstallation „GT Granturismo“ von Günther und Loredana Selichar ist sie noch in Ordnung. Da klatscht es nur so an das Fensterglas und große sowie kleine Chitinpanzerträger bilden die charakteristischen ausfransenden Flecken, die beim Aufprall entstehen. Bis kein Durchblick mehr möglich ist und eine Art All-Over-Gemälde nach Art Jackson Pollocks entstanden ist, gemalt von unzähligen Opfern hoher Geschwindigkeit. Die Arbeit stammt aus dem Jahr 2001, als noch nicht absehbar war, in welch dramatischem Umfang sich die Situation der Kerbtiere verändern würde. Vor knapp zwei Jahren kam die Studie heraus, die einen Rückgang der Insektenmasse seit 1989 um 76 Prozent konstatierte. Grund genug für das Bad Homburger Sinclair-Haus, eine Ausstellung zu planen, in der es um Insekten in der Kunst geht. Von morgen an ist sie im Bad Homburger Museum zu sehen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass selbst unangenehme Plagegeister faszinierende Wesen sind und eine eigene Schönheit besitzen, wird in der Schau „Flügelschlag“ gleich in einer ganzen Reihe von Werken zum Thema. Bei Lili Fischer etwa, die sich Schnaken widmet, in Zeichnungen und großen Wandskulpturen oder bei Rosemarie Trockel, deren Videoarbeit „à la Motte“ selbst den gefürchteten Kleiderfressern einen ästhetischen Mehrwert abgewinnt. Der kurze Film zeigt im Zeitraffer das zerstörerische Tun einer Motte, lässt die Aufnahme aber auch rückwärts laufen, so dass das Textil wieder in seinen Ursprungszustand versetzt wird. „Alle Tiere sind Künstler“, sagt Trockel, was hier augenscheinlich wird.

          Der Brutalität, mit der Menschen für gewöhnlich den Insekten begegnen, setzen viele Künstler einen respektvolleren, achtsameren, vorsichtigeren Umgang mit den artenreichen Sechsfüßern entgegen. Er entspricht zum Teil gar der Haltung mancher Buddhisten, die jeden Schritt voller Bedacht gehen, um ja nicht ein noch so kleines lebendiges Geschöpf zu töten.

          Dabei kann man nicht verkennen, dass beispielsweise Fliegen auch ein hohes Ekelpotential haben, was die aus ihnen geschaffenen Skulpturen von Claire Morgan zu Objekten macht, die ambivalente Gefühle hervorrufen. Anders als Hummeln oder Schmetterlinge. Dabei gibt es schon ganze Gegenden ohne sie. Dann muss, wie Maximilian Prüfer vor Augen führt, der Mensch selbst die Pflanzen bestäuben.

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