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Kunstsammler Ferdinand Neess : Auf Suche nach der Spitze der Spitze

  • -Aktualisiert am

Lebenslang auf der Suche: der Sammler Ferdinand Neess in seiner Wiesbadener Jugendstilvilla Bild: Marcus Kaufhold

Ferdinand Neess hat eine einmalige Sammlung von Werken des Jugendstils. Jetzt will er sie dem Landesmuseum Wiesbaden schenken. Ein Besuch.

          5 Min.

          Das große Gemälde im Wohnzimmer erzählt wie alle Sammlungsstücke von Ferdinand Neess eine besondere Geschichte. Neess kannte das Werk des italienischen Symbolisten Emilio Longoni sehr gut, denn eine Reproduktion, abgebildet in einem kleinen Buch, hatte dreißig Jahre auf seinem Nachttisch gelegen. Eines Tages sah er bei einem Kunsthändler ein Foto ebendieses Bildes. Neess war elektrisiert. War es vielleicht zu erwerben? Es war. Zwar zogen sich die Recherchen des Händlers noch ein paar Wochen hin, aber längst hängt es heute in der Wiesbadener Jugendstilvilla in der Nachbarschaft von Heinrich Vogelers inniger „Heimkehr“. Zu diesem Gemälde wiederum gibt es ein Gegenstück, aber das will die Besitzerin partout nicht verkaufen, was Ferdinand Neess ein wenig schmerzt.

          Ein Sammler wie er kann niemals aufhören – weder zu sammeln noch den Markt mit Interesse zu verfolgen, manchmal mit Lust, manchmal mit Kummer. Aus Lust, weil einer wie er immer auf der Suche nach der, wie er sagt, „Spitze der Spitze“ ist. Aus Kummer, weil der Markt für die feinsten Stücke seit Jahren wie leergefegt ist; was überhaupt in den Handel oder auf Auktionen gerät, spricht sich unter den Kennern sofort herum und erzielt Höchstpreise. Aber der vor 89 Jahren in Berlin geborene frühere Kunsthändler erwirbt nicht nur, er kann etwas, das nur wenige beherrschen: Er kann sich trennen. Und hat dem Landesmuseum Wiesbaden 800 Stücke aus seiner rund 1000 Exponate umfassenden Sammlung von Jugendstil-Kostbarkeiten geschenkt. Am 28. Juni des kommenden Jahres, dem 90. Geburtstag des Stifters, soll die Ausstellung im umgebauten Südflügel des Wiesbadener Landesmuseums eröffnet werden.

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