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Kunstgalerie : Frische Luft aus dem Taunus

Sanfte Hügel, saftiges Grün: Philipp Francks Taunuslandschaft mit Burgruine Königstein Bild: Galerie Uwe Opper

Arthur von Weinberg hatte bei Philipp Franck vier große Werke für das Casino der Cassella-Werke bestellt. Nun sind die gewaltigen Bilder in Kronberg zu sehen.

          Nichts gegen die Kronberger. Gegen Anton Burger oder Jakob Fürchtegott Dielmann, die Mitte des 19. Jahrhunderts das beschauliche Taunusstädtchen, seine malerischen Winkel und die hügelige Landschaft als Motiv für sich entdeckten; nichts gegen Otto Scholderer und Jacob Maurer, Adolf Schreyer, Philipp Rumpf und Nelson Kinsley, die sich bald nicht nur im Sommer, sondern dauerhaft hier niederließen, um unmittelbar vor der Natur zu malen. Oder gegen Fritz Wucherer, den letzten, 1948 gestorbenen Vertreter der Künstlerkolonie, dessen Nachlass Uwe Opper für seine Kronberger Galerie erworben hat.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch angesichts der weniger kunstgeschichtlich als vor allem historisch bedeutsamen Kabinettausstellung, die der seit mehr als 40 Jahren vornehmlich den Werken der Kronberger Malerkolonie verpflichtete Kunsthändler nun in den Räumlichkeiten der Streitkirche eingerichtet hat, müssen die braven Landschaften Wucherers und Burgers, die pittoresken Genreszenen Dielmanns auch, unweigerlich verblassen. Ohnehin vor der Geschichte dieser Bilder, die noch vor ein paar Jahren im Casino der Fechenheimer Cassella-Werke in Frankfurt hingen.

          Vor dieser Malerei allerdings auch. Mit „Kronberg im Taunus“ und dem „Blick über Falkenstein in die Mainebene“ variiert sie zwar nachgerade klassische Motive der Kolonisten, doch Philipp Franck, der 1860 geboren wurde und 1944 starb, von dem die vier gewaltigen, in einem eigenen Raum präsentierten Landschaftsbilder stammen, spielt als Künstler der Moderne erkennbar in einer anderen Liga.

          Dabei hatte auch er seine Karriere – nach seinem Studium bei Heinrich Hasselhorst und Eduard von Steinle an der Städelschule – als Schüler Anton Burgers in Kronberg begonnen. Und ärgerte sich bald derart über das „Verburgern“, das ungenierte Herummalen des Meisters in seinen Bildern, dass er den Taunus nach kaum zwei Jahren zunächst für Düsseldorf verließ und 1892 nach Berlin ging, wo er mit Max Liebermann und Walter Leistikow zu den Gründern der Berliner Secession gehören sollte.

          Frankfurt treu geblieben

          Philipp Franck freilich ließ den Kontakt nie abreißen. Und kehrte immer wieder nach Frankfurt und in den Taunus zurück, aus Berlin und vom Wannsee, wo er als Liebermanns Freund und Nachbar und als angesehener Professor lebte und wo einige seiner herrlichsten Aquarelle entstanden. Und doch ist es erstaunlich, dass ausgerechnet er den Zuschlag erhielt, als Arthur von Weinberg, der das Chemie-Unternehmen mit seinem Bruder Carl führte, Mitte der zwanziger Jahre das Casino der Cassella ausstatten lassen wollte.

          Eher mäßig am aktuellen Kunstgeschehen seiner Zeit interessiert, hatte Arthur von Weinberg eine Reihe Kronberger eingeladen, ihm ihre Vorschläge zu unterbreiten. Und mit Franck schließlich den seinerzeit wohl bekanntesten, aber vermutlich auch am entschiedensten der Moderne zugewandten Maler ausgewählt. Sicher, es gibt stärkere Arbeiten von Philipp Franck. Und Avantgarde war sein deutscher Impressionismus damals auch nicht mehr. Doch im Vergleich mit den im Grunde konservativen Kronbergern fühlt man sich angesichts des frühlingshaften Leuchtens etwa eines Waldinneren, fühlt sich der Betrachter angesichts von Pinselführung und Palette der vier zwischen 1927 und 1929 entstandenen Gemälde fast wie an der frischen, von den Hängen des Taunus herüberwehenden Luft.

          Den Zyklus in der Stadt halten

          Nach dem Verkauf der Cassella vor ein paar Jahren wusste der neue Besitzer mit dem Konvolut, das im Casino die Zeiten überdauert hatte, offenbar nichts Rechtes anzufangen. Nun steht es zum Verkauf. Mehrere Anfragen für einzelne Gemälde hat Uwe Opper bislang eher zurückhaltend behandelt.

          Und in der Tat wäre es ein Jammer, gelänge es nicht, die Bilder zusammenzuhalten. Das Museum Malerkolonie, über Jahre hinweg ohnehin eher stiefmütterlich behandelt, dürfte nicht über die Mittel verfügen. Doch Kronberg, möchte man meinen, sollte ein natürliches Interesse daran haben, den Zyklus in der Stadt zu halten.

          Die Ausstellung in der Kronberger Galerie Uwe Opper, Tanzhausstraße 1, ist bis 8. Dezember dienstags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

          Arthur von Weinberg

          Keinem ihrer Ehrenbürger hat die Stadt Frankfurt übler mitgespielt als dem Chemiker, Industriellen und Mäzen Arthur von Weinberg. 1930 war er aus Anlass seines 70. Geburtstags mit der hohen Ehre ausgezeichnet worden, 1942 wurde er nach Theresienstadt gebracht, wo er am 14. März 1943 entkräftet starb. Schon 1938/39 hatte die nationalsozialistische Stadtregierung Weinberg gezwungen, ihr seine Liegenschaften zu einem lächerlichen Preis zu verkaufen. Nachzulesen ist das Schicksal Weinbergs im Katalog, den die Galerie Uwe Opper zur aktuellen Ausstellung der Bilder von Philipp Franck aufgelegt hat. In dem reich bebilderten und hervorragend gedruckten Band schildert der Historiker Andreas Hansert, einer der besten Kenner der Frankfurter Geschichte, den Lebensweg Weinbergs als Scheitern jüdischer Assimilation. Weinberg hatte eine wissenschaftlich-kaufmännische Doppelbegabung. Nach dem Eintritt in das von seinem Onkel Leo Gans geleitete Unternehmen führte er die Farbwerke Cassella gemeinsam mit seinem Bruder Carl zu Weltgeltung. Nach dem Zusammenschluss mit anderen Unternehmen zur I.G. Farben gehörte er deren Verwaltungsrat an. Weinberg, der sich 1880 evangelisch taufen ließ, gehörte zu den wohlhabendsten Bürgern Frankfurts. An seinem Reichtum ließ er die Gesellschaft teilhaben. So gehörte er zu den wichtigsten Unterstützern der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft und zu den Stiftern der Universität. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten deutete Weinberg – Träger des Eisernen Kreuzes, von Kaiser Wilhelm II. nobilitiert – die Zeichen der Zeit falsch und blieb in Deutschland. Die Führung der IG Farben setzte sich vergeblich dafür ein, Weinberg vor Verfolgung zu verschonen. (ale.)

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