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Kunstauktion : Unter Wert

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Andenken: Die Radierung „Hand mit Feder“ von Günter Grass gehörte zu den Arbeiten aus Hoffmanns Besitz, die ersteigert werden konnten. Bild: Francois Klein

Zehn Werke des früheren Frankfurter Kunstdezernenten Hilmar Hoffmann wurden versteigert. Die großen Bieterschlachten blieben aus.

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          28.000, 30.000. Bei 32.000 Euro steigt der Auktionator Karl Michael Arnold aus, das ist die Grenze, die ihm ein Bieter vor der Auktion in einem schriftlich abgegebenen Gebot gesetzt hat. Doch noch ist das Rennen um Gustav Klimts Bleistiftzeichnung mit dem Titel „Zwei liegende Rückenakte“ bei der Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst im Frankfurter Auktionshaus Arnold nicht zu Ende.

          Arnold lässt seinen Blick über die Stuhlreihen im Saal an der Bleichstraße gleiten, wo gestern Vormittag gut 100 Kunstinteressierte der Auktion folgten. Niemand zu sehen, der das gelbe Schild mit seiner Bieternummer hochhält. Doch, vorne links vor dem Podium, auf dem der Inhaber des Auktionshauses mit seinem Hammer sitzt, hebt eine seiner Mitarbeiterinnen, das Handy am Ohr, ihr Schild. Der anonyme Bieter, mit dem sie in telefonischem Kontakt steht, hat noch einmal 2000 Euro draufgelegt. „34.000 Euro“, ruft Arnold. „34.000 Euro, zum Ersten, zum Zweiten.“ Dann zögert er noch einen kurzen Moment. „Zum Dritten.“ Sein Hammer fällt. Das Kunstwerk hat einen neuen Besitzer gefunden.

          Solche Preise wie für den Klimt können die Erben von Frankfurts früherem Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann, die zehn Arbeiten aus dem Besitz ihres Vaters in die Auktion gegeben haben, nicht erwarten. Denn Rolf Kissel und Renate Sautermeister, die ihrem Freund Hilmar einst das eine oder andere Blatt gewidmet und geschenkt haben, sind gegenüber Stars wie Klimt mehr oder weniger unbekannt. Bei ihnen fängt das Mindestgebot nicht bei 10000 Euro an wie beim österreichischen Maler, sondern bei 300 oder 600 Euro.

          Nicht die richtige Wertschätzung

          Eine Widmung für Hilmar Hoffmann, dies kann man im Verlauf der Auktion erkennen, steigert den Wert eines Kunstwerks nicht oder allenfalls geringfügig. Die handsignierte Radierung des Künstlers Horst Antes, mit 100 Euro als Gebot ausgezeichnet, findet zunächst überhaupt keinen Interessenten. Schließlich bietet jemand im Saal 60 Euro, ein anderer geht auf 70 Euro hoch. Doch dann fällt auch schon der Hammer.

          Auch die Arbeiten Rolf Kissels, die einst in Hoffmanns Arbeitszimmer in seinem Haus am Waldrand in Oberrad hingen, treffen unter den Auktionsgästen anfangs auf wenig Widerhall. Die erste Arbeit aus Stuck, Holz und Aluminium muss Arnold unter Preis veräußern. Statt der angesetzten 600 Euro erzielt das Werk nur 300. Beim dritten Kissel kommt es dann aber doch noch zu einer kleinen Bieterschlacht. Am Ende geht es in Fünfzigerschritten hoch bis auf 750 Euro.

          Hoffmann ist sein Leben lang ein Freund der Künstler gewesen. Zu seinem 60. Geburtstag haben Michael Croissant, Peter Kubelka, Erich Dittmann und zahlreiche andere Künstler aus der Region ihm jeweils persönlich gestaltete Glückwunschkarten geschenkt. Die acht Schuber voller kleiner Kunstwerke gehen für gerade einmal 280 Euro weg. Sie wären eigentlich im Stadtarchiv am besten aufgehoben.

          Das wertvollste Kunstwerk aus dem Besitz Hoffmanns ist freilich gestern nicht unter den Hammer gekommen. Der frühere Kulturdezernent hat das Porträt, das Gerhard Richter, zurzeit weltweit einer der teuersten Künstler, von ihm gefertigt und ihm geschenkt hat, noch zu Lebzeiten dem Frankfurter Museum für Moderne Kunst, das er als Kulturdezernent selbst gegründet hat, vermacht. Es ist nicht recht nachvollziehbar, warum dieses Werk nicht dauerhaft zum Beispiel am Eingang zu den dortigen Ausstellungsräumen hängt.

          Das größte Schnäppchen hat gestern der SPD-Genosse Klaus-Ludwig Schulz, ein alter Freund und Bekannter Hoffmanns, gemacht. Er ersteigerte gleich zu Beginn der fünfstündigen Auktion für 120 Euro ein Metallschild aus dem Besitz Hoffmanns, das im „Zug zur Kunst“ hing, der 1986 zum einhundertsten Geburtstag von Hans Arp auf Reise ging.

          Große Reichtümer hat die Versteigerung von Kunstwerken aus dem Besitz ihres Vaters den beiden Hoffmann-Kindern also nicht eingebracht. Immerhin übertrifft eine vom Bildhauer Ulrich Rückriem geschaffene Schiefertafel ohne Titel bei der Auktion den im Katalog aufgeführten Schätzwert von 2000 Euro. Auktionator Arnold lässt den Hammer bei 2400 Euro fallen.

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