https://www.faz.net/-gzg-7knu9

Kunst-Initiative in Offenbach : Gemeinsam denken und einfach machen

Ganz oben: afip-Gründer Lutz Jahnke an seiner Offenbacher Wirkungsstätte Bild: Finger, Stefan

Anwälte, die Wände streichen, und Künstler, die unentgeltlich vor wenig Publikum spielen: In der Offenbacher „Akademie für interdisziplinäre Prozesse“ gibt es – fast – alles.

          In diesem Winter wird alles anders. Niemand wird frieren, und niemand wird darauf verzichten müssen, Ideen auszubrüten in den „Forschungsseminaren“, die jeden Dienstag, offen für alle, am Offenbacher Goetheplatz stattfinden. Alles bleibt so wie im Sommer. Und ebendas ist anders: Die Akademie für Interdisziplinäre Prozesse, kurz afip, hat jetzt eine Heizung. Eine Sockelheizung, wie Lutz Jahnke oft und gerne korrigiert, der qua Amt gewissermaßen der oberste Nutznießer dieser neuen Annehmlichkeit ist. In den vergangenen beiden Wintern hatte die afip den Betrieb während des Winters einstellen müssen. Die gut 600 Quadratmeter große ehemalige Schlecker-Filiale am Goetheplatz, Ecke Ludwigstraße, wurde dann einfach zu kalt – nicht einmal Lutz Jahnke selbst hielt es dann noch dort aus.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass Jahnke, Designer mit Diplom der nahe gelegenen Hochschule für Gestaltung (HfG), überhaupt tagtäglich hinter der riesigen, mit bunten Überresten vergangener Kunstaktionen geschmückten Schaufensterfront sitzt, hat damit zu tun, dass man ihn und seine Idee im Grunde nicht voneinander trennen kann. Tagsüber, wenn der 33 Jahre alte Jahnke an dem altertümlichen Schreibtisch im vorderen Teil des ehemaligen Ladens seinem Brotberuf nachgeht, winken ihm die Passanten und Schulkinder zu, die sich längst daran gewöhnt haben, dass dort alles ein wenig anders ist. Locker, lustig, frei und dennoch sehr ernsthaft. Den Begriff „Akademie“ hat Jahnke nicht nur gewählt, weil er damit seine Initiative immer ganz vorn im Alphabet und in Suchmaschinen plaziert. Mit der Idee des gemeinsamen Denkens, die in dem Wort steckt, meint er es ernst. Seit zweieinhalb Jahren herrscht in der aufgelösten Schlecker-Filiale reger Betrieb. Das habe auch die Umgegend aufgewertet, sagt Jahnke: „Und damit meine ich nicht Gentrifizierung.“ Vielmehr kommt auch der eine oder andere Anwohner vorbei, verändert sich die Atmosphäre im Viertel durch die Besucher, die zu Konzerten, Diskussionen, Vorträgen kommen. „Die meisten kommen allerdings aus Frankfurt“, sagt Jahnke.

          Dank charmanter Überredungskünsten

          „371 Tage afip“ prangt an der Glasscheibe, was schon lange nicht mehr stimmt. Im Juli feiert afip ihren dritten Gründungstag, die Klebefolie stammt noch vom Sommer. Es wäre ein Leichtes, die Zahl auf der Scheibe täglich auszutauschen. Allein: „Geht nicht, das Ding ist gesponsert“, sagt Jahnke. Das gilt im Grunde für alles, was an Stühlen, Tischen, Dekomaterial, Kunst und Ausstattung recht zusammengewürfelt in dem riesigen Raum, der „Bar“ und den düster-feuchten Kellerräumen vorhanden ist. Die afip ist ein Gesamtkunstwerk, das nicht wenig mit den charmanten Überredungskünsten ihres Erfinders zu tun hat.

          Als Jahnke vor fast drei Jahren, relativ frisch diplomiert, als junger Selbständiger in Offenbach nach Büroräumen suchte, kam er auf den Gedanken, sich Gleichgesinnte zu suchen, um Beruf, Talent und Neigung zu verbinden. Als Markendesigner verdient Jahnke sich tagsüber seinen Lebensunterhalt. Seine Kundschaft reicht von der Schule über den Kleinunternehmer bis zur Aktiengesellschaft.

          Weitere Themen

          Keep chic and carry on

          London Fashion Week : Keep chic and carry on

          Natürlich muss die Londoner Modewoche im Zeichen des Brexits stehen. Den Luxusmarken des Landes macht er schon jetzt zu schaffen - obwohl die wenigsten das zugeben.

          So fühlt es sich an, ein Kind zu verlieren Video-Seite öffnen

          Kampf gegen die Trauer : So fühlt es sich an, ein Kind zu verlieren

          Der Tod des eigenen Kindes ist der schlimmste Schicksalsschlag, den Eltern erleiden können. Als ein Ehepaar ihren Sohn verliert, stellen sich Vater und Mutter jeder auf seine Weise dem Kampf gegen die erdrückende Trauer. Im Interview erinnern sie sich.

          Topmeldungen

          Samsung Galaxy Fold : Smartphone, 2000 Euro, faltbar

          Nun ist es wirklich da. Samsung hat das erste faltbare Smartphone in Serienreife vorgestellt. Es kommt Anfang Mai, kostet 2000 Euro und hat aufgeklappt einen Bildschirm, der fast so groß ist wie das iPad Mini.

          2:3 gegen Manchester City : Schalke zerbricht

          Lange sieht es danach aus, als würde den Königsblauen das eigentlich Undenkbare gelingen. Doch ausgerechnet ein früherer Schalker trifft kurz vor Schluss für Manchester. Und dann geht doch noch alles schief.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.