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Kulturfonds in Hessen : Das Glück einer Vernunftehe

Auf zu kulturiellen Höhen: „Expressionismus“-Auftakt 2009 Bild: Jean-Pierre Estournet

Vor zehn Jahren wurde der Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main gegründet. Das wurde jetzt in der Naxoshalle gefeiert. Und zwar als Erfolgsgeschichte nach schwierigem Anfang.

          Die Orte ähneln sich. Auch das Bockenheimer Depot ist in der Zeit des industriellen Aufschwungs, als in Deutschland noch der Kaiser herrschte, entstanden. 2009 fand dort die Eröffnungsfeier zum ersten großen Themenschwerpunkt statt, den der damals gerade ein Jahr alte Kulturfonds Frankfurt Rhein–Main gesetzt hatte. Zum Auftakt von „Phänomen Expressionismus“ verblüffte und verzauberte eine Seiltanztruppe aus Frankreich das Publikum. „Tigerpalast“–Chef Johnny Klinke hatte sie nach Frankfurt eingeladen, eine Hommage auch an die expressionistischen Künstler die sich für das Varieté als Sujet interessierten. Nun feierte der Kulturfonds in der Naxoshalle, Spielstätte etwa für das Theater Willy Praml und das Kabarett „Die Käs“. Ein Industriedenkmal aus der späten Gründerzeit mitten in der Stadt, das mittlerweile wie das einstige Straßenbahndepot in Bockenheim der Kultur dient.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Manche, die seinerzeit dabei waren, gaben sich auch dieses Mal wieder die Ehre, darunter Herbert Beck, einstiger Städel- und Liebieghausdirektor, erster Leiter der gemeinnützigen Gesellschaft und ihr wichtigster Ideengeber in den Anfangsjahren. Auf ihn gehen die Themenschwerpunkte zurück, mit denen er aus dem Kulturfonds mehr machen wollte als eine reine Geldverteilungsmaschine. Schließlich ging es von Anfang an darum, kulturelle Institutionen des Rhein-Main-Gebiets zu einem gemeinsamen Agieren zu bewegen und damit den regionalen Gedanken zu stärken. Endlich sollte zusammenwirken, was zusammengehörte, sich dessen aber oft nicht so recht bewusst war. Oder am Ende gar nichts davon wissen wollte. Aber vieles hat sich verbessert. Man redet miteinander. Und arbeitet zusammen an Projekten. Dem Kulturfonds sei Dank.

          Auf Naxos fand nun das Fest aus Anlass seiner Gründung vor zehn Jahren statt. Und da Kultur auch sonst nicht das reine Vergnügen ist, sondern mit Arbeit, zumindest Denkarbeit verbunden, setzte es an diesem Abend Reden, eine Gesprächsrunde und Installationen sowie Performances von hohem Kunstanspruch. Mit Ursula Jungherr, der ehemaligen Oberbürgermeisterin von Bad Homburg, und Ruth Wagner, die über viele Jahre hinweg wie kaum eine andere auf Landesebene der Kultur das Wort geredet hat, waren auch zwei der Mütter des Zusammenschlusses anwesend. Viele Kulturvermittler und Künstler, die selbst schon vom Kulturfonds profitierten, waren gekommen. Die Vorsitzenden der zwei entscheidenden Gremien des Kulturfonds, Ulrich Krebs, Landrat des Hochtaunuskreises, und Goethe-Instituts-Präsident Klaus Dieter-Lehmann, erinnerten an den schwierigen Start. Aber „aus einer turbulenten Vorgeschichte ist eine Erfolgsgeschichte geworden“, stellte Lehmann fest. Boris Rhein, Hessens Minister für Wissenschaft und Kunst, sagte: „Es war keine Liebes-, sondern eine Vernunftheirat. Und Vernunftehen werden mit der Zeit immer glücklicher.“

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