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Kultureller Jahresrückblick : Unsere Besten

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Terézia Mora: Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2013 Bild: Marcus Kaufhold

Ein Jahr voller Kultur geht zu Ende: Zeit für einen Rückblick auf das, was gut war. Und einen Ausblick auf interessante Termine der nächsten Monate.

          Sicher, es ist zutiefst verwerflich, sich an den Deutschen Buchpreis auch noch besonders gerne zu erinnern, schließlich zieht er schon genügend Aufmerksamkeit auf sich und ein einziges Buch. Aber was soll man machen, wenn das Spektakel um den Preisträger einer so verdienten Siegerin gilt wie Terézia Mora? Und mindestens zwei ihrer Konkurrenten die Auszeichnung ebenso verdient hätten? Da kann der Leser nur gewinnen. Umso schöner, dass es im neuen Jahr eine nachhaltigere Begegnung mit Mora gibt: Vom 14. Januar an hält sie die Frankfurter Poetikvorlesung.

          Florian Balke

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          Wer Musik zu schätzen weiß und Anfang März in der Alten Oper ein Konzert des hr-Sinfonieorchesters hörte, wird dieses Ereignis nicht vergessen haben. Die damals vorgestellte, hierzulande und anderswo so gut wie unbekannte Sinfonie Nr. 2 des italienischen Komponisten Alfredo Casella ist eines der kolossalsten und komplexesten Werke der Musikgeschichte. Man fragte sich ob dieses ganz erstaunlichen Auftritts, wie lange der Dirigent Gianandrea Noseda und die Musiker das Stück wohl geprobt haben mochten. Das Ergebnis war atemberaubend. Wer musikalische Raritäten schätzt, sollte ein Konzert am 9. April im Kurhaus Wiesbaden nicht versäumen, wenn das Hessische Staatsorchester Liszts „Faust-Sinfonie in drei Charakterbildern“ spielt.

          Harald Budweg

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          Die Frankfurter Städelschule: Blick auf das Gelände aus dem „Raucherzimmer“.

          Es ist ein großer Gewinn für die Frankfurter Städelschule, dass Peter Fischli im Herbst eine Professur übernommen hat. Was Nikolaus Hirsch zu verdanken ist, dem scheidenden Rektor der Kunsthochschule. Das Künstlerduo Fischli/Weiss (leider ist David Weiss vor einem Jahr gestorben) ist mit seinem hintergründigen Witz jahrzehntelang in aller Welt erfolgreich gewesen, sein Video „Der Lauf der Dinge“ begeisterte alleine bei seiner Vorstellung auf der documenta 8 viele tausend Betrachter. Mindestens so viele Besucher sind vom 14. bis zum 16. Februar beim traditionellen Rundgang der Städelschule zu erwarten, allerdings keine Label-Sammler: Diese Spezies fragt auf internationalen Kunstmessen ja oft nur nach den Namen prominenter Künstler. Anders in Frankfurt, wo Kunstfreunde sich viele Werke von Städelschülern anschauen und nicht selten die wahren Künstler von übermorgen entdecken.

          Konstanze Crüwell

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          Das Warten hat sich gelohnt. Nach Jahrzehnten in Staub und Dunkel haben die alten Meister und die naturhistorischen Sammlungen des Museums Wiesbaden seit Mai endlich einen würdigen Platz in den sanierten Seitenflügeln. Ein aufrecht stehender, alles überragender Eisbär, bizarre Krebse, Muscheln, Schoten und andere Präparate illustrieren den farbenfrohen Erfindungsreichtum der Evolution. Dauerhaft zu sehen sind außerdem mittelalterliche Madonnen und Schmerzensmänner, barocke Malerei sowie Porträts, Stillleben, Landschaften und Mythologisches aus mehreren Jahrhunderten. Das nächste Großereignis folgt im Februar. Dann zeigt eine Ausstellung zu Alexej von Jawlenskys 150. Geburtstag den Wiesbadener Hausheiligen von einer so gut wie unbekannten Seite. Es geht um seine frühesten Schaffensjahre und Impulsgeber, unter ihnen nicht zuletzt van Gogh.

          Katinka Fischer

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          Christian Gerhaher, begleitet von Gerold Huber am Klaver, singt Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“

          Was Kunst zu leisten vermag, wird in Zeiten ihrer neuerlichen Funktionalisierung, sei es als sozialer Klebstoff, als Unterscheidungskriterium für die Reichen und Superreichen oder auch nur als Accessoire für schöneres Wohnen, zusehends undeutlicher. Um so erfreulicher ist eine Ausstellung wie die Ende September im Frankfurter Museum für Moderne Kunst eröffnete Schau „Das große Labyrinth“, die es einem größeren Publikum ermöglicht, den Brasilianer Hélio Oiticica (1937 bis 1980) zu entdecken. Die Präsentation, die bis zum 2. Februar verlängert wurde, führt vor Augen, dass sich höchstes theoretisches Niveau und ein spielerisch-einfacher Zugang zur Kunst nicht ausschließen. Oiticicas Arbeiten sind einladend und erkenntnisfördernd, demokratisch und avantgardistisch, ästhetisch anspruchsvoll und für jeden nachvollziehbar, gedankenreich und amüsant zugleich. Das MMK wird auch im neuen Jahr für einen kulturellen Höhepunkt sorgen: Die Dependance des Museums im Taunus-Turm verspricht ein neuer innerstädtischer Freiraum für eine Kunst zu werden, die ihre Autonomie behauptet.

          Michael Hierholzer

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