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Kulturcampus Bockenheim : Überzeugender Entwurf, anspruchsvoller Zeitplan

Topentwurf: Das Büro Meixner-Schlüter-Wendt hat die Kurve zum Wettbewerbssieg bekommen Bild: Simulation MSW

Mit dem Wettbewerb für die Neubebauung des Labsaal-Grundstücks auf dem Bockenheimer Campus haben die Investoren signalisiert, dass sie von der Stadt zügige Beschlüsse erwarten.

          Die Kreuzung von Senckenberganlage und Bockenheimer Landstraße ist eine der wichtigsten Ecken der Stadt. Gut zu wissen, dass sie in einigen Jahren zumindest im Südwesten eine vernünftige Fassung erhalten wird. Nach dem Zeitplan der Investoren, des städtischen Wohnungskonzerns ABG Holding und des privaten Projektentwicklers Lang & Cie., soll es schon Ende 2016 so weit sein. Dann sollen 16.000 Quadratmeter Büroraum und 6200 Quadratmeter, die sich auf 63 Wohnungen verteilen, nach dem Entwurf des Architekturbüros Meixner Schlüter Wendt fertiggestelt sein.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Frankfurter Baumeister haben sich, wie berichtet, in einem Gutachterverfahren gegen neun andere Büros durchgesetzt. Der Jury war es offenkundig wichtig, dass sich die Fassaden von Bürogebäude und Wohnhaus deutlich unterscheiden. Kein anderes Büro als Meixner Schlüter Wendt hat jedenfalls eine derart starke Differenz herausgearbeitet. Bei den Wettbewerbssiegern steht der mit hellen vertikalen Natursteinbändern gegliederte Bürobau neben dem Wohntrakt und seiner horizontal strukturierten Putzfassade in Grau- und Brauntönen. Dass beide Gebäude einer Entwurfsidee folgen, ist den durchgehenden horizontalen Linien zu entnehmen und der auffälligen Verwendung von Holzelementen.

          Leicht vorgeschobene Kuben

          Mit der runden Ecke des Bürogebäudes greifen die Architekten die Formensprache der gegenüberliegenden Gebäude der KfW-Bankengruppe auf. Das Wohngebäude zeigt dagegen die für Meixner Schlüter Wendt typische Meisterschaft, den Raum so in kubische Elemente zu gliedern, dass ein skulpturaler Eindruck entsteht. Während zur Bockenheimer Landstraße hin die geschlossenen Wandflächen dominieren, löst sich die Fassade zur zentralen Fläche im Inneren des Quartiers hin stärker auf. Diese formal bestechende Idee überzeugt am konkreten Ort nicht völlig, weil damit jene klare Fassung verloren geht, die der weitläufige Platz dringend benötigt.

          Zeitplazierter: KSP stapelte verschobene Kuben übereinander

          Mit dem zweiten Platz im Wettbewerb ist das Frankfurter Büro KSP Jürgen Engel ausgezeichnet worden. Es hat einen sehr eleganten, weißen Bürobau mit riesigen Fensterflächen vorgeschlagen, der sich aus gestapelten, nach oben hin leicht vorgeschobenen Kuben zusammensetzt. Das streng gerasterte Wohngebäude soll dieser Idee zufolge eine helle Putzfassade mit Klinkerrahmung bekommen. Etwas Wärme sollen die Holzrahmen der Fenster in das Erscheinungsbild bringen.

          Weitere Preise wurden nicht vergeben. Wer die Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten im Gelben Saal der Mensa auf dem Bockenheimer Campus (noch bis Ende nächster Woche) besichtigt, wird wenig Anlass finden, das Urteil der Jury in Zweifel zu ziehen. Keiner der zehn Entwürfe kann als Ausfall bezeichnet werden. Wegen der engen Vorgaben war das fast ausgeschlossen; sie standen aber auch ganz großen Würfen entgegen.

          Sehr plastisch geformte Fassade

          Überaus elegant kommt der Entwurf des Büros der Stararchitektin Zaha Hadid daher. Sie hat für das Bürogebäude eine sehr plastisch geformte Fassade aus rötlich gefärbten Betonfertigteilen vorgeschlagen, die allerdings aufgrund ihrer Tiefe nachteilig für die Grundrissgestaltung war. Das Wohngebäude variiert das in gemäßigter Form. Hadids Idee, das Wohngebäude durch eine halböffentliche Passage vom Büroteil abzutrennen, wirkt auf den ersten Blick bestechend. Weil sich Büronutzer und Wohnungsmieter dadurch gegenseitig beobachten könnten, ist der Vorschlag jedoch nicht praktikabel.

          Der Wettbewerb ist, gemessen am üblichen Prozedere, sehr früh ausgelobt worden, nämlich noch bevor der Bebauungsplanentwurf vom Planungsdezernat den städtischen Gremien zugeleitet worden ist. Der Baubeginn ist für nächstes Jahr in Aussicht gestellt, die Investoren nehmen offenbar an, dass Magistrat und Stadtverordnete die Entscheidung zügig vorantreiben werden. So viel Tempo wäre etwas Neues in der Planungsgeschichte des sogenannten Kulturcampus. Vor mittlerweile zehn Jahren wurde der städtebauliche Wettbewerb für die Neubebauung des Universitätsareals entschieden. Obwohl Fachleute das Ergebnis allenfalls als mittelmäßig einschätzten, wurde nicht mit Hochdruck an einer überzeugenderen Planung gearbeitet. Da sich die Kaufverhandlungen zwischen Land und ABG hinzogen, wäre dafür genügend Zeit gewesen.

          Elegant: Zaha Hadid hat eine plastische Fassade vorgeschlagen

          Die rudimentäre Planung musste dann noch an die Wünsche der Musikhochschule und anderer Kulturinstitutionen nach einem Gebäude angepasst werden; hinzu gekommen sind die Forderungen von Stadtteilinitiativen nach Räumen und nach günstigen Wohnungen. Auch nach mehr Grünflächen wurde gerufen, und nicht zuletzt pochte der Denkmalschutz auf seine Rechte. All das ging in einen „Konsensplan“ ein, der die Grundlage des Bebauungsplans darstellen soll.

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