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Shortlist des Buchpreises : Vielfalt statt Monopol

Saša Stanišić gilt als Favorit auf den Deutschen Buchpreis. Bild: Luchterhand

Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis ist kein Heimspiel für den Frankfurter Verlag S. Fischer mehr: Von vier Longlist-Romanen des Hauses ist nur noch einer dabei. Und der Favorit ist ein anderer.

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          Von den schönen Blütenträumen des Verlags S. Fischer, der vor vier Wochen gleich vier Romane auf die Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises gebracht hatte, ist nur einer gereift: Miku Sophie Kühmels „Kintsugi“. Also wird es nicht noch einmal eine solche Verlagsballung unter den Finalisten geben wie 2012, als Suhrkamp die Hälfte der sechs Bücher stellte – und am Ende dann doch leer ausging, weil Ursula Krechel mit „Landgericht“ den Sieg davontrug.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Die anderen fünf Finalisten des Jahres 2019 sind in alphabetischer Reihenfolge: „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer (Klett-Cotta), „Nicht wie ihr“ von Tonio Schachinger (Kremayr & Scheriau), „Winterbienen“ von Norbert Scheuer (C. H. Beck), „Herkunft“ von Saša Stanišić (Luchterhand) und „Brüder“ von Jackie Thomae (Hanser Berlin). Schön ausgeglichen also nach Verlagen und Geschlechtern. Mit Scheuer ist ein schon wiederholt nominierter Veteran dabei. Und ein klarer Favorit findet sich auch: Saša Stanišić.

          Warum? Wer den 1978 im bosnischen Višegrad geborenen und in den frühen neunziger Jahren mit seiner Familie  nach Deutschland gelangten Stanišić jemals hat lesen hören, der weiß, was für ein Glücksfall er als Preisträger wäre. Von der Qualität seiner Literatur einmal ganz abgesehen; schon für seinen Debütroman „Wie der Soldat das Grammophon repariert“ (2006) und „Vor dem Fest“ (2015) hätte er den Deutschen Buchpreis allemal verdient gehabt, mit dem letzteren Buch gewann er seinerzeit immerhin den Preis der Leipziger Buchmesse, also die an der Öffentlichkeitswirksamkeit gemessen zweitwichtigste deutsche Auszeichnung für Romane. In „Herkunft“ erzählt Stanišić magisch-realistisch von seiner eigenen Familiengeschichte – und damit mindestens so sehr über Deutschland wie über sein Geburtsland. Es ist angesichts der anhaltenden Migrationsbewegungen das Buch zur Zeit. Sehr witzig und einfallsreich ist es überdies.

          Was könnte also den Sieg von „Herkunft“ am 15. Oktober im Kaisersaal des Frankfurter Römers noch verhindern? Dass es ein Buch aus dem ersten Halbjahr ist, und die haben beim Deutschen Buchpreis bislang keine Chance gehabt. Der Reiz des ganz Frischen war für die jährlich wechselnden Jurys jeweils viel zu groß. Aber Qualität hat sich dabei meistens doch durchgesetzt, und die sollte diesmal auch den Zeitfaktor ausschalten.

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