https://www.faz.net/-gzg-8y9ql

World Club Dome : Das Stadion als Dancefloor

Die Macher: Zum fünften Mal veranstalten Carina und Bernd Breiter den World Club Dome. Inzwischen hat das Festival Ableger in Korea und auf Kreuzfahrtschiffen. Bild: Hedwig, Victor

Immer höher, immer weiter: Carina und Bernd Breiter organisieren mit dem World Club Dome in Frankfurt eines der größten deutschen Festivals für elektronische Musik.

          3 Min.

          Die Eis-Bestellung war’s. Danach wussten Carina und Bernd Breiter, dass sie mit ihrer Unternehmung eine neue Dimension erreicht hatten. „Ich rief bei einem Eisproduzenten an und fragte ihn, ob er mir zu einem bestimmten Termin zwölf Tonnen Eiswürfel liefern könne“, erinnert sich Carina Breiter: „Kein Problem, hieß es. Welche Größe die Tonnen denn haben sollten. Die dachten, ich spreche von Behältnissen, aber ich meinte Gewicht.“ Wofür man zwei Lastwagenladungen voller Eiswürfel braucht? Zum Beispiel, um im größten Club der Welt in jedem ausgeschenkten Cocktail genug Eis schwimmen zu lassen. Der Club hat allerdings keine feste Adresse, sondern meint ein mehrere Tage langes Festival für elektronische Musik im Frankfurter Waldstadion.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es verwandelt sich von Freitag bis einschließlich nächsten Sonntag zum mittlerweile fünften Mal in den World Club Dome, wie Carina und Bernd Breiter die im Juni 2013 erstmals organisierte Veranstaltung genannt haben. Damals war der World Club Dome noch eine eintägige Veranstaltung, die seitdem kontinuierlich gewachsen oder, besser gesagt, regelrecht explodiert ist. Kamen damals etwa 25.000 Besucher, gehört das Festival mit inzwischen mehr als 100.000 Gästen an drei Tagen zu den größten in Deutschland. Dafür braucht es nicht nur große Mengen Eiswürfel, sondern überhaupt eine ausgefeilte Logistik, um die sich das Ehepaar Breiter gemeinsam mit den zwölf Mitarbeitern seiner im Frankfurter Stadtteil Fechenheim ansässigen Firma Big City Beats kümmert.

          Vom Künstler zum Veranstalter

          So werden von morgen an insgesamt rund 130 Lastwagen auf das Gelände der Arena und des Stadionbads rollen, um zwanzig Bühnen, gewaltige Licht- und Verstärkeranlagen, Getränke- und Essensstände und all das übrige Drumherum, das zu einem Festival von drei Tagen Dauer gehört, aufzubauen. Zwar ist das Waldstadion keine typische Festivallokalität wie etwa die Standorte großer Rockfestivals, doch es bietet in seiner Funktion als Fußballarena gerade unter Sicherheitsaspekten viele Vorteile, betonen die Breiters: „Hier ist man auf Menschenmassen eingestellt, es gibt rundherum Kameras, einen Zaun, sogar eine eigene Polizeistation.“  Und es gibt ein Dach, das dafür sorgt, dass im Falle etwaiger Wetterkapriolen die Party nicht verhagelt wird. Diese bauliche Besonderheit ist es, die Bernd Breiter schon vor etlichen Jahren mit der Idee spielen ließ, im Waldstadion einmal eine riesige Party zu veranstalten.

          Mit der Organisation von Partys kannte der gebürtige Aschaffenburger, der heute mit seiner Frau im Hanauer Stadtteil Wilhelmsbad wohnt, sich schließlich aus, wenn auch in etwas kleinerem Maßstab. Unter dem Namen Big City Beats startete Breiter, der in den neunziger Jahren als junger Komponist und Produzent in der Techno-Szene einige Erfolge feiern konnte, im Jahr 2004 einen auf elektronische Musik spezialisierten Radiosender. Schon bald folgte ein eigenes Label, um die im Radio vorgestellte Club-Musik auch vertreiben zu können. Besonders die Big-City-Beats-Sampler verkaufen sich noch immer gut. Die Kompilationen wurden auf einer eigenen Party-Reihe in Clubs in ganz Deutschland vorgestellt, was Carina und Bernd Breiter reichlich Gelegenheit gab, an ihren organisatorischen Fähigkeiten zu feilen.

          Erinnerung an einen Kultclub

          „Wenn’s nicht lief, schauten wir, was wir falsch gemacht haben“, erinnert Carina Breiter sich an zurückliegende Herausforderungen, aus denen sie für folgende Veranstaltungen lernten. Dass ihr Erfahrungsschatz stets weiterwächst, dafür sorgt schon ihr Mann. Als „größenwahnsinnig“ bezeichnet er sich und grinst dabei. Bislang hat sich aber noch jede seiner Ideen für den World Club Dome umsetzen lassen.  Um nicht nur den „größten Club der Welt“, sondern auch den „höchsten Club der Welt“ feiern zu können, ist auch in diesem Jahr wieder ein Flugzeug in der Luft, in dem Robin Schulz die Gäste mit Club-Musik beschallt. Und von Paris nach Frankfurt ist am 2. Juni in einem ICE „der schnellste Club der Welt“ unterwegs, der Feierfreudige von Frankreich aus an den Main bringt.

          Unterhalten werden sie von Alle Farben und Hypercat, die mit weiteren DJs an Bord für Clubatmosphäre sorgen werden. Selbst die Vergangenheit darf aufleben. Unter dem Titel „Dorian Gray 2.017“ wird der World Club Dome zum mittlerweile dritten Mal am Frankfurter Flughafen an jenen legendären Club erinnern, der für die Entwicklung der elektronischen Musik in Frankfurt maßgeblich war. Bei Sets von DJs wie Westbam, Tom Wax, Talla 2XLC oder DJ Dag soll an umgebauten Gates und in einem zum Club umfunktionierten Flugzeug des Typs A340 gefeiert werden. Damit ist der World Club Dome aber noch längst nicht ausgereizt. Im Frühjahr war erstmals ein Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer als „größter schwimmender Club“ unterwegs, und im September expandiert der Club nach Asien. Mit freundlicher Unterstützung aus Frankfurt wird im Fußballstadion von Incheon in Südkorea drei Tage lang gefeiert. Wie viele Eiswürfel dabei benötigt werden, wissen die Experten am Main.

          Der World Club Dome findet vom 2. bis 4. Juni im Frankfurter Waldstadion statt. Angekündigt sind 200 DJs und Bands, unter ihnen Sven Väth, Deichkind, Afrojack, Luciano, Hardwell und Robin Schulz. Weitere Informationen und Tickets sind im Internet unter der Adresse www.worldclubdome.com erhältlich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Amerikas Präsident Donald Trump hält eine Bibel bei einem Fototermin vor einer Kirche in die Luft.

          Proteste in Amerika : Trump will eine militärische Lösung

          Präsident Trump droht, die Unruhen im ganzen Land mit der Armee niederzuschlagen. Er will sich notfalls über den Willen der Gouverneure hinwegsetzen. Aus seiner eigenen Partei kommt kaum Gegenwind.

          Neue Häuser : Nicht auf den Leim gegangen

          Mehrfamilienhäuser aus Holz gibt es schon einige. Die Baugemeinschaft von „MaxAcht“ in Stuttgart hat die Ansprüche noch ein bisschen höher geschraubt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.