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: Wo die Straßenbahnlinie endet: Preisträger und Finalisten des Mies van der Rohe Award im Deutschen Architektur Museum

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Ausgerechnet ein Parkplatz. 269 Beiträge sichtete die Jury für den Mies van der Rohe Award 2003, der, 1988 erstmals verliehen an Alvaro Siza, seit 2001 als Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur vergeben wird.

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          Ausgerechnet ein Parkplatz. 269 Beiträge sichtete die Jury für den Mies van der Rohe Award 2003, der, 1988 erstmals verliehen an Alvaro Siza, seit 2001 als Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur vergeben wird. Davon gelangten 41 Gebäude und Projekte - Kirchen, Bibliotheken, Wohnungsbauprojekte und Museumsbauten - aus europäischen Ländern in die nähere Auswahl. Überzeugend wirken dabei gerade auch die in Deutschland realisierten Bauten, von der Dresdner Synagoge des Büros Wandel, Hoefer, Lorch + Hirsch über den Kulturspeicher von Brückner & Brückner in Würzburg bis zum Museum Sowjetisches Speziallager in Sachsenhausen des Frankfurter Büros Schneider + Schumacher. Und dann wird ausgerechnet ein Parkplatz ausgezeichnet.

          Doch die Polemik geht ins Leere. In der Tat - und das zeigt die Ausstellung mit Modellen und Fotografien aller Finalisten, die derzeit im Deutschen Architektur Museum in Frankfurt zu sehen ist, deutlich - hätte es spektakulärere Gebäude und Projekte gegeben als Zaha Hadids am Rand Straßburgs realisierten Entwurf. Und selbst ihre gleichfalls in der Auswahl vertretene Skisprungschanze in Innsbruck ist auf den ersten Blick ambitionierter, aufregender. Doch darauf allein kam es der Jury nicht an. Sie zeigte sich offenbar vor allem an Strategien und neuen Ideen interessiert, wie David Chipperfield im Katalog schreibt, an in die Zukunft weisenden Projekten also, an denen sich exemplarisch auch der Nutzen hochwertiger Architektur für die Gestaltung des öffentlichen und urbanen Raumes nachvollziehen läßt.

          So fällt in der Ausstellung eine Reihe von Arbeiten auf, die sich der Umwidmung, Erschließung und Gestaltung von öffentlichem Raum oder auch brachliegenden Industrielandschaften widmen. Und so erhielt auch Zaha Hadid den mit 50000 Euro dotierten und alle zwei Jahre vergebenen Preis nicht für einen tristen Autoabstellplatz, sondern für ein zwar profanes, im Vergleich mit ihren oft kühnen und spektakulären Entwürfen geradezu konventionelles Projekt an der Peripherie von Straßburg, das bei aller Zurückhaltung Zeichen setzt: Hier endet eine neue, die ganze Stadt durchquerende Straßenbahnlinie, und Hadid gestaltet diesen klassischen "Nicht-Ort", eine infrastrukturelle Notwendigkeit, mit Terminal und Park-and-ride-Parkplätzen als funktionierendes und doch mit größter Sorgfalt gestaltetes sowie mit Klarheit überzeugendes Ensemble.

          Und so mag man die Entscheidung der Jury insofern auch politisch interpretieren, als alltägliche Bauaufgaben nicht zwangsläufig in einer belanglosen Architektur sich manifestieren müssen. Angesichts der starken Konkurrenz darf man die Vergabe des mit 10000 Euro dotierten Preises für junge Architekten an den Berliner Jürgen Mayer H. dagegen durchaus als kleine Überraschung werten, der mit dem Stadthaus Scharnhauser Park in Ostfildern für ein Erstlingswerk ausgezeichnet wurde. Nicht nur von der Qualität des Gebäudes selbst zeigte sich die Jury hier überzeugt, sondern auch von der damit einhergehenden Schaffung eines nicht nur auf die Befriedigung profaner Zwecke ausgerichteten öffentlichen Raums. (Bis 11. April. Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr.) CHRISTOPH SCHÜTTE

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