https://www.faz.net/-gzg-q00y

: Wo der Klavierstimmer den Kaffee bringt: Ewa Kupiec spielt in der Festeburgkirche ihr gewidmete Kompositionen ein / Konzert am 13. März

  • Aktualisiert am

Die Bedingungen sind aus Sicht von Ewa Kupiec optimal: Die Akustik sei hervorragend, der Raum nicht beengt wie in den meisten Studios, der Flügel von Ernst Kochsiek brillant gestimmt, die Arbeit mit dem Tonmeister Peter Laenger hoch professionell.

          3 Min.

          Die Bedingungen sind aus Sicht von Ewa Kupiec optimal: Die Akustik sei hervorragend, der Raum nicht beengt wie in den meisten Studios, der Flügel von Ernst Kochsiek brillant gestimmt, die Arbeit mit dem Tonmeister Peter Laenger hoch professionell. Für die weltweit gefragte Pianistin und ihren Lebenspartner, den Komponisten Randall Meyers, waren das die Gründe, die Aufnahmen für eine neue CD mit zeitgenössischer Klaviermusik in der Frankfurter Festeburgkirche und nicht andernorts zu machen. Drei Tage lang haben sie vor kurzem dazu den Raum gemietet und täglich von neun Uhr morgens bis neun Uhr abends hart gearbeitet: Ewa Kupiec meistens am Flügel vor dem Altar spielend, Randall Meyers und der für die Stuttgarter Firma "Tritonus Musikproduktion" tätige Tonmeister in dem kleinen, durch eine Glasscheibe abgetrennten Studioraum neben dem Eingang zum Kirchenraum an Laptop und Reglern, die Partituren mitlesend, kritisch lauschend und zu kleinen Verbesserungen und separat zu wiederholenden Passagen auffordernd.

          Eingespielt wurden ausschließlich Kompositionen, die Ewa Kupiec gewidmet sind, darunter der 1996 entstandene und beim Verlag Wilhelm Hansen in Kopenhagen veröffentlichte Zyklus von fünf Klavierstücken "A Ring around silence" von Randall Meyers oder die erst im Vorjahr enstandene "Sonata da tango" von Antonio Bibalo. Ein Label, das die von dem Künstlerpaar auf eigene Faust produzierten Aufnahmen dann als CD verlegt und vertreibt, muß noch gefunden werden.

          Seit sie mit Randall Meyers zusammenlebe, spüre sie verstärkt die Aufgabe, sich kontinuierlich für die zeitgenössische Musik einzusetzen, erläutert die polnische Pianistin, deren internationale Karriere mit dem Gewinn der ersten Preises beim ARD-Wettbewerb 1992 (in der Sparte Duo Cello und Klavier) begann und die derzeit ihre Wohnsitze in München und Umbrien hat. Gerade weil es aber nur wenige Interpreten gebe, die sich mit neuen Werken beschäftigten, sei es wichtig, zu den Partituren auch Aufnahmen zu veröffentlichen: Daran interessierten Musikern wird damit der Zugang und eine eigene Aufführung erheblich erleichtert.

          Kennengelernt haben sich Ewa Kupiec und Randall Meyers 1994 bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer, als die Pianistin eine zu diesem Anlaß in Auftrag gegebene Komposition Meyers' aufführte, ein Werk für Cello und Klavier mit dem Titel "Trittico". Der an der Londoner Guildhall School of Music and Drama und an der Wiener Musikhochschule ausgebildete, 1955 in Amerika geborene Komponist lebt schon seit den siebziger Jahren in Europa, davon 25 Jahre in Italien. Er hat unter anderem schon Musik zu mehr als 80 Filmen geschrieben und ist selbst als Filmemacher aktiv.

          In der Frankfurter Festeburgkirche war er zum ersten Mal für die Aufnahmen zu Gast, anders als seine Partnerin, die hier schon vor einigen Jahren mit der Flötistin Marina Piccinini eine CD aufgenommen hatte und von den Bedingungen begeistert war. Maßgeblich sei für sie dabei auch der gute Kontakt zu Ernst Kochsiek: Der für viele berühmte Pianisten tätige Klavierbaumeister und -stimmer trägt nicht nur für ein tadelloses Instrument Sorge, sondern gegebenenfalls auch für den Pausenkaffee zwischendurch.

          Durch seine Betreuung der Konzertflügel hier und durch die Mieteinnahmen für die Tonaufnahmen in der von Beginn an mit dem Studio dafür ausgelegten evangelischen Kirche in Preungesheim finanziert sich zu einem maßgeblichen Teil wiederum die traditionsreiche Reihe der Festeburgkonzerte. 400 Tonträger-Produktionen, CDs und Platten, sind hier schon entstanden, fast alle Einspielungen des Abegg-Trios etwa, viele mit dem Faure- Quartett und dem Trio Fontenay. Herausragende Künstler wie Gidon Kremer, Babette Haag, Reinhold Friedrich, Ruth Ziesak oder Christoph Pregardien waren und sind in der seit 1970 von Kochsiek betreuten Reihe zu Gast. Nur durch das Engagement von Kochsiek und seinen Mitstreitern - Karl-Heinz Pape und, bis zu seinem Tod 2002, Reiner Walesch - hat die Reihe seit Jahrzehnten auf diesem hohen Niveau Bestand.

          Denn aus den Einnahmen aus dem Kartenverkauf kann nur etwa ein Drittel der Kosten gedeckt werden. Weitere Mittel kommen von Sponsoren, dem Freundeskreis für geistliche Musik Preungesheim sowie dem städtischen Amt für Wissenschaft und Kunst. Ausschlaggebend dafür, daß so viele hochkarätige Künstler in der Festeburgkirche auftreten, sind aber vor allem die persönlichen Beziehungen Kochsieks: Als Stimmer verfüge er über bessere Kontakte als mancher Agent, sagt Kochsiek, der seine Erlebnisse mit berühmten Pianisten in seinem Buch "Konzertstimmungen" niedergelegt hat, das im Herbst in einer erweiterten Auflage erscheint.

          Ewa Kupiec ist in der Festeburgkiche am 13. März um 19.30 Uhr mit Werken von Chopin sowie Clara und Robert Schumann zu hören. Ihr folgen am 17. April das "Trio Vivente" und beim 400. Konzert der Reihe am 22. Mai der junge Cellist Leonard Elschenbroich und sein Begleiter Dmitry Morosow. GUIDO HOLZE

          Weitere Themen

          Enttäuscht und angriffslustig

          Frankfurter CDU : Enttäuscht und angriffslustig

          Nachdem die Frankfurter Grünen als Wahlsieger am Donnerstag verkündeten, mit wem die Koalitionsgespräche aufgenommen werden, bleibt eine enttäuschte CDU zurück. Die Christdemokraten wurden nicht berücksichtigt.

          Topmeldungen

          So sieht der EQS aus.

          Der neue EQS : 770 Kilometer soll er schaffen

          Der EQS ist die elektrische Version der S-Klasse und gleichzeitig deren Konkurrent. Mit beiden will Daimler dicke Margen einfahren.
          Will, dass die EU härter ihre Interessen vertritt: EVP-Fraktionschef Manfred Weber

          F.A.Z. exklusiv : Weber stellt Briten Bedingungen

          Das Europaparlament ratifiziert vorerst nicht das Abkommen mit dem Vereinigten Königreich. EVP-Fraktionsschef Manfred Weber fordert von London die Einhaltung seiner Verpflichtungen in Nordirland.
          Hoffnung auf den Höhenflug: Fredi Bobic will in Berlin an seine Frankfurter Erfolge anknüpfen.

          Fredi Bobic und Hertha BSC : Dieser Weg wird steinig

          Aktuell von Corona geplagt, akut vom Abstieg bedroht: Schafft der neue Geschäftsführer Fredi Bobic auch die Hertha, oder schafft die Hertha Bobic?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.