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Pop : Fünf Gesellen, seid zur Hand

Sie singen lauter Ohrwürmer, nur den „Ohrwurm” singen sie nicht mehr: die „Wise Guys” Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Nächstes Jahr gibt es eine neue Platte, deshalb werfen die „Wise Guys“ in der Mainzer Rheingoldhalle alte Hits aus dem Programm. Den Schlager für das Schillerjahr haben sie schon.

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          Wo Gesang ist, lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder. Die Kölner A-cappella-Gruppe „Wise Guys“ hat viele Lieder und tut nebenbei auch noch Gutes für ein Hilfsprojekt in Indien, doch es ist trotzdem immer wieder erstaunlich, welche Menschenmassen sich bei einem ihrer Konzerte gemeinsam mit dem Quintett niederlassen wollen. Obwohl die „Wise Guys“ weder im Radio noch im Fernsehen Dauergäste sind und zwei Drittel ihrer Konzerte selbst veranstalten, sind bei ihren Tourneen auch die größten Hallen ruck, zuck ausverkauft.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit ihrem 1994 veröffentlichten ersten Album „Dut-Dut-Duah!“ hat sich die Gruppe ganz allmählich zu einem Massenphänomen entwickelt, das von sieben Jahre alten Schulanfängern bis zu ihren siebzig Jahre alten Großeltern fast alle Altersgruppen anspricht. Dabei singen die „Wise Guys“ weder Kinderlieder, noch wetteifern sie mit den zahlreichen Epigonen der „Comedian Harmonists“ oder den drei, zehn oder siebenundsechzig Tenören.

          Erfolgreichste deutsche A-cappella-Formation

          Sie liefern weder staunenswerte Vokalakrobatik noch auf Pop getrimmte Arien oder gewaltsam in die Oper entführte Hits, sondern eingängige Popmusik, die gelegentlich auf Reggae, Rap und Hip-Hop schielt und ihren besonderen Reiz aus dem A-cappella-Vortrag und der launigen Bühnenpräsentation zieht.

          Beim Konzert der Gruppe in der selbstverständlich schon seit Wochen ausverkauften Mainzer Rheingoldhalle hätte wohl schon die bloße Anwesenheit von Daniel „Dän“ Dickopf, Edzard „Eddi“ Hüneke, Ferenc Husta, Marc „Sari“ Sahr und Clemens Tewinkel für Jubelstürme ausgereicht, doch auf ihren Lorbeeren wollen sich die fünf Mitglieder der erfolgreichsten deutschen A-cappella-Formation noch lange nicht ausruhen. Derzeit produzieren die „Wise Guys“ ein neues Album, das im nächsten Februar erscheinen soll.

          Bei ihren Auftritten verabschieden sie aus diesem Grund schon einmal etliche bewährte Nummern aus dem Programm. In Mainz bot sich daher eine der letzten Gelegenheiten, die alten Hits der Gruppe nochmals live zu erleben, bevor sie ein ähnliches Schicksal wie den „Ohrwurm“ ereilt. Der ist nach Aussagen Däns „sehr krank und wird wahrscheinlich nicht durchkommen“, selbst wenn der ganze Saal das Lied sehnsüchtig intoniert. Doch keine Gnade. „Ohrwurm“ tauchte nicht einmal mehr im Zugabenteil auf.

          Hymne für die Germanistenzunft

          Obwohl die „Wise Guys“ in ihren Texten auch ernstere Töne anschlagen, werden sie am meisten für ihre Spottverse geschätzt, in denen sie vom Denglisch über das Schunkeln bis hin zum ewigen Kampf der Geschlechter das moderne Dasein aufspießen, dabei aber nicht vergessen, auch vor der eigenen Haustür zu kehren. Neben Selbstironie und souveränen Stimmen, von denen vor allem der Bass Ferenc Hustas Höchstleistungen zu vollbringen hat, verfügen die Kölner zudem über ein darstellerisches Können, das in Mainz Lieder wie das vom tierischen Cartoon-Helden „Buddy Biber“ durch Mimik und Gestik zu einem auch sehenswerten Ereignis werden lässt.

          Mit der Erfahrung vieler hundert Auftritte wissen die fünf Sänger längst, wie ein Konzert allmählich zum Höhepunkt zu führen ist. Hier ein Hit wie „Radio“, da ein charmanter Spaß wie „Paris“, dann mit „Sing mal wieder“ eine Chorprobe für den Saal, bei der es Eddi tatsächlich gelingt, die ganze Rheingoldhalle zum mehr als ordentlichen Mitsingen zu animieren. Danach eine kurze Verschnaufpause, in der Husta die Hauptstimme übernimmt und bei „Tiefgang“ ebendiesen mit sehnigem Gebrumm unter Beweis stellt, schließlich mit „Nur für dich“ einer der größten Erfolge.

          Zum krönenden Abschluss des über zweistündigen Konzerts boten die „Wise Guys“ die Cover-Version eines Welthits, die nicht mehr nur Parodie, sondern schon genialische Adaption war. Aus Michael Jacksons „Thriller“ wurde bei den Kölnern ein mysteriöser „Schiller“, einschließlich der Choreographie aus dem legendären Jackson-Video und mit zahlreichen Schiller-Zitaten gespickt. Bis zum nächsten Schiller-Jahr ist es zwar noch zwei Jahre hin, doch über die passende Hymne braucht sich die Germanistenzunft eigentlich keine Gedanken mehr zu machen.

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