https://www.faz.net/-gzg-x1bb

William Forsythe im Gespräch : „Frankfurt war einmal die Tanzstadt Deutschlands“

  • Aktualisiert am

William Forsythe: „Frankfurt ist optimal” Bild: ddp

Vor 20 Jahren ist „Impressing the Czar“ in Frankfurt uraufgeführt worden: William Forsythes Stück aus den goldenen Zeiten des Balletts Frankfurt wieder im Schauspiel zu sehen. Ein Gespräch über Tanzgeschichte und Tanz in der Zukunft.

          4 Min.

          Vor 20 Jahren ist „Impressing the Czar“ in Frankfurt uraufgeführt worden: William Forsythes Stück aus den goldenen Zeiten des Balletts Frankfurt wieder im Schauspiel zu sehen. Ein Gespräch über Tanzgeschichte und Tanz in der Zukunft.

          Sie haben einmal gesagt: Wir können nicht anders als voranschreiten. Sonst versteinern sich die Dinge. Nun aber kommt „Impressing the Czar“ wieder nach Frankfurt, ein Stück, das vor genau 20 Jahren uraufgeführt wurde.

          Oh, es gibt einige Stücke, an denen ich 20 Jahre gearbeitet habe. Zum Beispiel „Artifact“. Das ist nicht so außergewöhnlich. „Impressing the Czar“ war uns nicht mehr möglich, weil die Tänzer der Company seit einiger Zeit eher auf einer Contemporary-Schiene waren. Es wäre nicht einfach gewesen, das wieder auf die Beine zu bringen. Das ist viel einfacher mit einer Kompanie, die mit Tänzern besetzt ist wie Kathryn Bennetts, das Koninklijk Ballet van Vlaanderen. Außerdem ist es ein Ballett, das unheimlich kompliziert zu spielen ist. Kathy hat dieses Stück jahrelang mit mir geprobt – so hatte ich keine Bedenken, dass es in die richtige Richtung geht. Kathy hat auf der ganzen Welt Stücke von mir einstudiert.

          Es steht im Programm, dass das Stück überarbeitet ist?

          Ja natürlich. Ich habe es schon überarbeitet, und vor diesem Auftritt werde ich wieder Dinge ändern und vor New York sicher wieder.

          Hat sich das Stück sehr verändert?

          Nein, das ist nur choreographische Eitelkeit! (Lacht.) Manches passt mir einfach nicht mehr.

          Es gibt demnächst „Steptext“ vom Kirov-Ballett in Wien, im Staatsballett Berlin tanzt man „The vertiginous thrill of exactitude“. . .

          . . . ja, ich lizenziere nun schon seit fast 30 Jahren Stücke in aller Welt.

          Was bedeutet dann so ein Begriff wie Werk für Sie?

          Ich habe keine innere Notwendigkeit, Stücke zu wiederholen. Heutzutage wirkt zum Beispiel „Czar“, das seinerzeit so fortschrittlich war, nicht mehr so. Das Stück wird von Kompanien in Russland und Paris und anderswo nachgefragt. Das wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen.

          Inwiefern?

          Wegen der Annäherung an den Tanz. „Czar“ war immer populär, aber die Direktoren haben das dem Publikum nicht zugetraut. Im Allgemeinen wird das Publikum beim Ballett in seiner Aufnahmefähigkeit und Intelligenz unterschätzt. Das ist nicht so beim zeitgenössischen Tanz.

          „Impressing the Czar“ hat natürlich dieses satirische, lustige Element.

          Es ist pures Entertainment, es hat keine große Botschaft, aber große Kostüme. Damals war das Ironie. Wir dachten: „Wir machen etwas, das so aussieht, als wäre es ein abendfüllendes Handlungsballett.“

          Wie sehen Sie „Czar“ heute?

          Es war für bestimmte Künstler gemacht, vor allem Kathy Fitzgerald. Sie ist eine unglaublich intelligente Darstellerin. Es gibt so wenige Schauspieler-Tänzer. Das Stück ist so, weil ich mit Personen wie ihr gearbeitet habe.

          Das ist ja jetzt auch sehr wichtig, in der Forsythe Company: Dass genau diese Personen mitarbeiten. Vieles ist Gemeinschaftsarbeit.

          Ja, das ist so. Wir sind jetzt 18 Tänzer und eher ein Ensemble. So hätten wir es eigentlich nennen müssen: „Forsythe Ensemble“. Das wäre für die Art der Arbeit adäquater.

          Würden Sie das noch ändern?

          O nein! Es war schon schwer genug, von Ballett Frankfurt zu Forsythe Company zu wechseln, ein Branding, eine Identität zu etablieren.

          Alle trauern noch dem Ballett Frankfurt hinterher . . .

          Wir auch – aber das ist eine ganz andere Denkweise. Es war ein Stadtballett. Ich bewundere die Arbeit, die wir gemacht haben. Manchmal, wenn ich Videos sehe, denke ich: „Wow!“ Wir waren verdammt gut. Die Qualität, die wir erreicht hatten, sieht man sehr selten. Aber das liegt an der Qualität der Tänzer, die ich damals gehabt habe. Das war wirklich einmalig. Wir waren das zeitgenössische Ballett schlechthin.

          Wenn über die Lage des Tanzes in Frankfurt gesprochen wird, reden alle vom Fehlen eines festen Balletts hier.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.