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De Rooij-Schau in Frankfurt : Kulturen im Spiegel

  • -Aktualisiert am

Im Portikus: Ansichten aus Surinam Bild: Diana Pfammatter

Viele Kunsträume sind endlich wieder zugänglich: Die Ausstellungshalle Portikus zeigt eine vielschichtige Arbeit von Willem de Rooij mit dem Titel „Pierre Verger in Suriname“.

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          Der Portikus ist geöffnet. Die über die Alte Brücke zugängliche Ausstellungshalle mit dem von ihrer einstigen Eingangsgestaltung am früheren Standort an der Schönen Aussicht übernommenen Namen lässt wieder Publikum ein. So ein real existierender Kunstraum, das ist schon etwas anderes als auf digitale Surrogate und kleine Bildschirmformate angewiesen zu sein, um ein bisschen Kultur zu erleben. Vordergründig ist die Arbeit von Willem de Rooij zudem geeignet, das noch immer nicht stillbare Bedürfnis nach Fernreisen wenigstens etwas zu mildern – oder aber erst noch einmal richtig zu wecken. Denn die 257 Fotografien, die den Kern des Werks bilden, zeugen von einer so fremden wie faszinierenden Welt und haben einen zweifelsohne exotischen Reiz. Aber die Sache ist natürlich viel komplizierter.

          Menschen von ganz unterschiedlicher Herkunft, eine architektonische Vielfalt und Behausungen von der strohbedeckten Hütte bis zur kolonialen Villa, Straßenszenen, die zunächst einmal keinem bestimmten Land zuzuordnen sind: Dem europäischen Blick bietet sich ein verwirrendes Bild. Es könnte Ansichten aus Indien, Indonesien, Afrika, China sein, die hier, eine nach der anderen, auf eine spiegelnde Fläche projiziert werden. Dazwischen immer eine kurze Pause, in der sich die Besucherin, der Besucher ins eigene Auge sieht. Und verwundert feststellt, dass das alles nicht so recht zusammenpasst. Der Eindruck trügt. Die Serie von Aufnahmen stammt von einem französischen Fotografen und Ethnologen, der sie auf einer 1948 unternommenen achttägigen Reise durch ein südamerikanisches Land erstellte, das ein paar Jahrhunderte zuvor schon Sibylla Merian angesteuert hatte. Sie war fasziniert von der Mannigfaltigkeit von Pflanzen und Tieren, Pierre Verger von der Mischung der Kulturen in Surinam.

          Es ist, wie man vielleicht vermuten könnte, kein touristischer und auch kein fotojournalistischer Zugang, den seine Schwarz-Weiß-Bilder verraten. Zu dem Zeitpunkt, als sie entstanden sind, hatte sich Verger schon von der Idee der Reportage verabschiedet, die seine Arbeit lange geprägt hat. Weder pittoreske Sehenswürdigkeiten noch oberflächliche Effekthascherei interessierten ihn. Wenn er Menschen darstellte, dann in alltäglichen Situationen oder in kultischen Zusammenhängen.

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          Auf dem Trip nach Surinam zusammen mit seinem Freund, dem Schweizer Ethnographen Alfred Métraux, besuchte Verger die Hauptstadt Paramaribo, fotografierte verschiedene Bevölkerungsgruppen und Angehörige bestimmter Religionen: indigene Amerikaner, Kreolen, Javaner, Chinesinnen, Hindus, Europäer. Noch war Surinam eine niederländische Kolonie, auch Statuen von Herrschern aus dem fernen Land im Stadtbild hielt Verger mit der Kamera fest. Danach ging es nach Wanhatti, einem Dorf im Nordosten. Die dort lebenden Ndyuka stammen von Westafrikanern ab, die versklavt wurden, auf Plantagen arbeiten mussten, ihren Herren aber entkamen. Vor allem für die religiösen Riten interessierte sich Verger, den später die afrobrasilianischen Kulte zunehmend in ihren Bann zogen. Er beschäftigte sich mit der Candomblé-Religion und wurde schließlich „babalawo“, was so viel wie Priester bedeutet, und erhielt den Namen Fátúmbí. Mittlerweile in Brasilien beheimatet, schrieb er zahlreiche Bücher und lehrte an der Universidade Federal da Bahía.

          Wenn nun der Städelschulprofessor Willem de Rooij die Fotografien ins Zentrum einer Installation stellt, mag dies zunächst überraschen. Nimmt sich der Künstler doch zurück und überlässt einem anderen den großen Auftritt, ja ermöglicht ihm diesen erst. Aber die Präsentation erlaubt kein Zurücklehnen, keine bloß ästhetische oder kulturanthropologische Sichtweise. Sie lässt Fragen aufkommen, die aktueller nicht sein könnten: Was ist von dieser Art von kultureller Aneignung zu halten? Wie werden wir anderen Kulturen gerecht? Vor allem aber: Was machen diese Bilder mit uns? Kommen wir dank ihrer der Wirklichkeit auf die Spur? Oder fabrizieren wir uns eine eigene, wenn wir sie betrachten? Wir sind freilich geneigt, Verger nur Gutes zu unterstellen. Er nähert sich den Menschen mit Respekt und Einfühlungsvermögen. Selbst turbulente Marktszenen wirken unaufgeregt und leben von eindrucksvollen Gesichtern. Der Fotograf ist den Personen, die ihm vor die Linse kommen, offensichtlich zugetan.

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