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Wilhelm Busch am Main : Alte Frankfurter Schule

Balgerei um einen Apfel: Max und Moritz in Öl Bild: Städel

Als Wilhelm Busch vor hundert Jahren in Norddeutschland starb, war er berühmt und gefeiert, hatte sich aber schon lange zurückgezogen. In Frankfurt war das anders. Hier verbrachte Busch als aufstrebender Künstler drei Jahre im Haus der Bankiersfamilie Keßler.

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          Es war einmal eine Zeit, da nannte ein Haushalt, der etwas auf sich hielt, ein Wilhelm-Busch-Album sein Eigen. Es war sehr groß, wog mehr als andere Bücher, sah eindrucksvoll aus und enthielt möglichst viele der Bildgeschichten, mit denen Busch seine Leser seit der Veröffentlichung von „Max und Moritz“ erfreut hatte. Zu diesem Zeitpunkt schrieb man den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Mittlerweile nimmt man die Geschichten des Zeichners und Dichters, der heute vor hundert Jahren starb, meist in kleineren Portionen zu sich. Dabei gibt es noch immer viele Leser, die von Busch, wenn sie mit ihm einmal begonnen haben, nicht genug bekommen können. Eine seiner frühen Anhängerinnen scheint Johanna Keßler gewesen zu sein. Jahrzehnte vor dem Höhepunkt der Busch-Begeisterung bürgerlicher deutscher Haushalte holte sich die Frankfurter Bankiersgattin den Künstler gleich selbst in ihre Frankfurter Stadtvilla. Dem Freund schenkte sie damit einige für dessen Entwicklung entscheidende Jahre, ihrer Stadt vermachte sie die Gelegenheit, Buschs Gedenktage in dem Bewusstsein zu begehen, Anteil an seinem Leben gehabt zu haben.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wilhelm Buschs Frankfurter Zeit, das sind Wegscheiden-Jahre; Jahre, in denen der Sohn eines Krämers aus dem Königreich Hannover weitere Schritte auf einem künstlerischen Weg macht, den er zuvor in München erfolgreich eingeschlagen hat. Als er 1867 zum ersten Mal nach Frankfurt kommt, ist es gerade zwei Jahre her, dass er die lustigen Streiche von „Max und Moritz“ herausgebracht hat. Seit langem möchte der 1832 im kleinen Dörfchen Wiedensahl geborene Wilhelm Maler werden, aber seit seinem sechsundzwanzigsten Lebensjahr ist er gezwungen, sich sein Geld als Illustrator für Caspar Brauns „Münchner Bilderbogen“ und seine „Fliegenden Blätter“ zu verdienen. Es ist ein zunächst aus Not gewählter Lebensunterhalt, mit dem Busch sich allerdings gerade während seiner Frankfurter Zeit zunehmend anfreundet. Mit kurzen Geschichten für die beiden bekannten Münchner Zeitschriften hat er angefangen, jetzt setzt er auf die mit „Max und Moritz“ begonnene Form der langen Bilderzählung und lernt, sich mit der neuen Form wohl zu fühlen. Er veröffentlicht den schon 1864 verfassten „Heiligen Antonius von Padua“ und vor allem die mit Frankfurt eng verbundene „Fromme Helene“, die noch heute zu seinen beliebtesten Werken zählt.

          Vergebliches Maschinenbau-Studium in Hannover

          In der Stadt am Main merkt Busch aber auch, dass er die Abgeschiedenheit seiner niedersächsischen Heimat braucht. Dabei hat er als junger Mann alles dafür getan, einer ärmlichen Existenz in der hannoverschen Provinz zu entkommen. Da die Eltern sieben Kinder haben, wird der neun Jahre alte Wilhelm 1841 zu seinem Onkel Georg Kleine gegeben, der Pastor in Ebergötzen bei Göttingen und später in Lüthorst am Rande des Solling ist. Dort bleibt er, bis er sechs Jahre später auf Wunsch des Vaters nach Hannover geht, um Maschinenbau zu studieren. Vier Jahre lang versucht er, den Plänen zu folgen, die von den Eltern für ihn gemacht worden sind, dann bricht er aus und macht sich auf, Künstler zu werden.

          Busch als junger Niederländer - ein Frankfurter Selbstbildnis von 1870

          Er geht nach Düsseldorf an die Kunstakademie, damals eine erstklassige Adresse. Nach einiger Zeit findet er, auch das sei nicht das Richtige, und macht sich auf nach Antwerpen. Er studiert an der Königlichen Akademie der schönen Kunst und lässt sich auch dadurch nicht verdrießen, dass ihn die Bilder der niederländischen Maler des 17. Jahrhunderts durch ihre Fähigkeit zur lebendigen Darstellung der Welt mindestens in dem Maße erschrecken, wie er sie bewundert. Lange bleiben die Werke von Malern wie Peter Paul Rubens und Frans Hals für ihn ein Ideal, ein unerreichbares Vorbild, das seinen Skizzen und Gemälden deutlich anzumerken ist. Wegen des Gefühls, ihnen nicht Genüge tun zu können, ist er ihnen nicht böse. „Gern verzeih ich ihnen, dass sie mich zu sehr geduckt haben.“ Trotzdem kehrt er nach Deutschland zurück, ohne dass aus ihm etwas geworden ist.

          Lustiges Leben der Künstlerszene

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