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Wiener Philharmoniker : Neujahrskonzert mit viel Gefühl

Riccardo Muti dirigiert die Wiener Philharmoniker während des traditionellen Neujahrskonzerts im Großen Saal des Musikvereins. Bild: dpa

So ein Konzert hat auch Riccardo Muti noch nicht erlebt: Beim Wiener Neujahrskonzert kam der Applaus digital von 7000 registrierten Bildschirmen. Und seine Ansprache hat vermutlich die allermeisten dahinter gerührt.

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          An den Gesichtern war vieles abzulesen: Konzentration natürlich, denn Johann Strauss Sohn mögen die Wiener Philharmoniker zwar zu dessen Lebzeiten und noch länger als seichte Unterhaltung abgetan haben – nun, man lernt eben dazu, wenn man erst mal auf die 160 zugeht. Noch mehr aber war Freude, Lust am Musizieren und sehr viel Rührung in den Mienen der Künstler zu sehen. Normalerweise schauen um die 50 Millionen Leute in aller Welt zu, wenn die Wiener ihr Neujahrskonzert aus dem Musikvereinssaal übertragen. Und 2000 Glückliche klatschen wie wild den Radetzky-Marsch mit. Diesmal, hinter den üblichen Blumenrabatten: gähnende Leere. Der Applaus kam digital von 7000 registrierten Bildschirmen, von Zuhörern aus Taiwan und Italien, Japan und Spanien. Manch Musikermundwinkel zuckte da.

          Und wetten, dass hinter den Bildschirmen auch die allermeisten gerührt waren, als Riccardo Muti seine Ansprache hielt? Dieses Jahr wird Muti 80 Jahre alt, so ein Konzert hat auch er noch nicht erlebt. Aber warum er diesen Beruf ergriffen hat, das weiß er schon. Musik bringe Freude, Liebe, Brüderlichkeit und Hoffnung, sagt er in seiner kleinen Neujahrsrede, und wenn Gesundheit das Allerwichtigste sei, dann auch die geistige und die seelische. Erst recht für eine junge Generation, die ein Jahr der Entbehrungen erlebt habe.

          Muti, der seit 50 Jahren mit den Philharmonikern arbeitet, spricht von einem „annus horribilis“ und wird zum Sprachrohr der Kunst, wenn er an die Politiker appelliert: Kunst brauche es, um eine bessere Gesellschaft zu entwickeln. Und die kann, siehe Johann Strauss, durchaus gleichzeitig unterhalten – einfach „Entertainment“ ist sie nicht. Hoffentlich wird Muti gehört. Immerhin, unter den 7000 eingeloggten Beifallspendern war auch António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

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