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Wiedereröffnung Landesmuseum Darmstadt : Von der Arche Noah in die Kirche

  • -Aktualisiert am

Reiche Sammlung: Der Rundgang durch das sanierte Landesmuseum in Darmstadt beginnt mit der Antike und ihrer Rezeption. Bild: Fricke, Helmut

Sieben Jahre ist das Landesmuseum Darmstadt geschlossen gewesen. Jetzt präsentiert es seine Universalsammlung in völlig neuer, spektakulärer Ordnung.

          Wie es im Inneren des Landesmuseums in Darmstadt einmal ausgesehen hat, wird manch einer kaum mehr wissen. Wer aber durch die sanierten Räume geht und sich noch an den einstigen Zustand des Hauses erinnern kann, findet den Kontrast zwischen damals und heute umso faszinierender.

          Sieben Jahre lang war das Haus für die unabdingbare Grundsanierung geschlossen. Die starken Kriegsschäden an dem von Alfred Messel 1897 bis 1902 errichteten Bau wurden einst nur provisorisch repariert. In den siebziger Jahren versündigte man sich im Modernisierungswahn an der historischen Architektur. Zum Schluss leckte das Dach, faulten die Wände und fehlte vor allem der Brandschutz.

          Immer wieder hatte sich der Termin der Wiedereröffnung verschoben, während die Kosten stiegen und sich schließlich auf 80 Millionen Euro summierten. Von Samstag an aber ist der enzyklopädische Palast, in den sich das Museum verwandelt hat, wieder öffentlich zugänglich.

          QR-Codes für Smartphones

          Grundsätzlich haben sich die Architekten an Messels ursprünglichen Ideen orientiert und zugemauerte Nischen und Fenster geöffnet, abgehängte Decken entfernt, drei einst als Abstellfläche missbrauchte Innenhöfe wieder zugänglich gemacht und vor allem das ursprüngliche Prinzip der „Stilsäle“ aufgenommen: In dem Raum etwa, in dem Modelle von römischen Klassikern wie dem Kolosseum, dem - aufgeschnittenen - Pantheon oder Tempelfragmenten die mit den Jahrhunderten wechselnde Rezeption der Antike illustrieren, erinnert das Halbrund der Wand, in der edel beleuchtete Vitrinen eingelassen sind, an ein Amphitheater. Die Original-Kassettendecke aus einem Florentiner Medici-Palast indes adelt die kirchliche Schatzkammer, und der einer gotischen Kapelle nachempfundene Raum birgt glänzend aufpolierte Reliquiare. Eine solche Inszenierung diente nicht nur Anfang des 20. Jahrhunderts der atmosphärischen Verdichtung, sondern wirkt auch in Zeiten von digitaler Reizüberflutung noch überaus suggestiv.

          Zeitgenössische Technik machen sich die Museumsleute im Übrigen durchaus zunutze. Neun paradigmatische Ausstellungsstücke sind mit einem - angemessen dezenten - QR-Code versehen, den Smartphone-Besitzer scannen und auf diesem Wege mehr über das Objekt erfahren können. Auch in anderer Hinsicht erfüllt der Altbau jetzt modernste Anforderungen: 680 im ganzen Haus verteilte Rauchmelder bleiben unsichtbar, versteckt sind auch insgesamt vier Kilometer lange Lüftungskanäle.

          Riesiges Skelett eines Mastodons

          Der ungemein vielfältige Darmstädter Besitz erscheint in völlig neuer, stupender Ordnung. Die Landgrafen und vor allem Großherzog Ludewig I., auf deren Sammelleidenschaft das Konvolut zurückgeht, wollten offenbar allem, was ein Mensch wissen kann, mit entsprechenden Objekten Gestalt geben. Dabei konzentrierten sie sich beileibe nicht nur auf die Kunst, sondern im Gegenteil zunächst vor allem auf naturwissenschaftliche Stücke und legten damit den Grundstock für die heutige Universalsammlung.

          Das gigantische Skelett eines aus Amerika stammenden Mastodons hätte im Grunde das Logo-Tier des Museums werden müssen. Schließlich haben Direktor Theo Jülich und sein Team das Mammutprojekt stemmen müssen, vor Sanierungsbeginn das gesamte große Haus leer- und danach wieder einzuräumen. Jetzt ist das Riesentier die Attraktion der paläontologischen Abteilung, in der man sich außerdem von den gekrümmten, armdicken und -langen Hauern eines ausgestorbenen „Schreckenstiers“ das Fürchten lehren lassen kann. Nebenan in der Geologie gibt es die Möglichkeit, mit einer fahrbaren Lupe Fossilien zu begutachten und auf einer mit dem Fuß bedienbaren digitalen Wand die verschiedenen Erdzeitalter sichtbar zu machen.

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