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Jazz-Musiker Emil Mangelsdorff : Swing Heil

Emil Mangelsdorff (3.v.l.) und andere Mitglieder der Swing-Jugend persiflieren vor dem Eisernen Steg den Hitlergruß. Bild: Institut für Stadtgeschichte

Mit ihrer Liebe zum Jazz rebellierte die Swing-Jugend gegen die Unfreiheit der Nazi-Diktatur. Emil Mangelsdorff war einer von ihnen. In einem Gesprächskonzert berichtet er von der damaligen Zeit.

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          Es gibt dieses Foto, in Schwarzweiß, von Emil Mangelsdorff und einigen seiner Freunde vor dem Eisernen Steg. Darauf recken sie ihre Arme zum Hitlergruß, doch ernst meinen sie es nicht. Ihre Uniformen sind lässige Trenchcoats und elegante Hüte, sie lachen und spotten, während der rechte Arme in die Höhe geht. Und sie haben auch nicht „Sieg Heil!“ gerufen, während sie so posierten, sondern „Swing Heil!“.

          Alexander Jürgs

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der sogenannten Swing-Jugend gehörten wohl einige tausend Jugendliche an, vor allem in Hamburg, Berlin und Frankfurt waren die Kreise groß. In einer Zeit, in der durch Deutschland die Marschmusik donnerte, frönten sie dem Jazz und dem Swing, diesen Stücken voller Freiheit und Improvisationen, die von den Nationalsozialisten als „Negermusik“, als „Judenmusik“ diffamiert wurden.

          Und obwohl sie sich nicht als aktive Widerstandskämpfer sahen, obwohl sie keine Flugblätter streuten oder zum Umsturz aufriefen, fürchtete das Regime ihren Einfluss sehr. „Alle Rädelsführer sind in ein Konzentrationslager einzuweisen“, schrieb Heinrich Himmler, der Reichsführer SS, im Januar 1942 an Reinhard Heydrich, den Chef des Reichssicherheitshauptamtes. Wer damals Jazz spielte oder die Platten der amerikanischen Musiker heimlich hörte, lebte in Gefahr.

          Für zwei Wochen im Gefängnis

          Emil Mangelsdorff war neun Jahre alt, als er 1934 die Jazzmusik entdeckte. Die Mutter hatte den Volksempfänger auf Radio Luxemburg eingestellt, die Stimme von Louis Armstrong erklang im Wohnzimmer, Mangelsdorff war elektrisiert. Der Junge bettelte seinen Vater, einen Buchbinder, an, ihm ein Instrument zu kaufen. Für 84 Mark, damals eine enorme Summe, wurde ein Akkordeon angeschafft. Bald lernte er Karl Petri, einen anderen Musikbegeisterten, der Klarinette und Klavier spielte, kennen, und sie musizierten gemeinsam.

          Später traten sie als Hotclub Combo auf, in der Rokoko-Diele im Hotel Kyffhäuser im Frankfurter Bahnhofsviertel, der Trompeter Carlo Bohländer, der Bassist Hans Otto Jung und der Schlagzeuger Hans Podehl waren da schon zu ihnen gestoßen. Wenn die Band spielte, stand vor dem Hotel immer einer Wache, um Alarm zu schlagen, falls die Gestapo anmarschierte. Mehrfach wurde Mangelsdorff verhört, Anfang 1943 kam er für zwei Wochen ins Gefängnis.

          Auch mit 94 noch am Saxofon: Emil Mangelsdorff in seiner Frankfurter Wohnung

          Der Musiker hält die Erinnerung an die widerständige Subkultur der Jazz-Begeisterten bis heute wach, besucht Schulklassen und erzählt von seinen Erlebnissen während des Nationalsozialismus. Und er tritt mit einem Programm unter dem Titel „Swing tanzen verboten!“ auf, einer Mischung aus Vortrag, Gespräch und Konzert. An diesem Samstag kann man ihn damit im Kulturzentrum Bessunger Knabenschule in Darmstadt erleben. Begleitet wird der Saxophonist dann von den Musikern Axel Pape, Bob Degen und Jean-Philippe Wadle.

          „Diese Erfahrungen, diese Angst, dieses Risiko, das alles gab uns das Gefühl, dass wir uns von den anderen unterscheiden und mutiger sind, weil wir uns der Gefahr einer Verfolgung aussetzten“, hat Mangelsdorff vor einigen Jahren in einem Gespräch mit dieser Zeitung über die damalige Zeit gesagt. „Vielleicht haben wir den Jazz deshalb so geliebt.“

          Swingtanzen verboten

          Gesprächskonzert mit Emil Mangelsdorff. 15. Juni, 20.30 Uhr, in der Bessunger Knabenschule, Darmstadt, Ludwigshöhstraße 42.

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